Befragung unter Medienmachern gibt Aufschluss über die Schnelllebigkeit von Online-Angeboten

Social-Media-Marketing der Zukunft – der Kampf um Aufmerksamkeit
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Facebook oder Pinterest? Ist Messenger-Marketing die Zukunft? Welche Relevanz verschiedene Social-Media-Plattformen und News-Apps unter Publishern einnehmen und wie sie mit der Schnelllebigkeit von Online-Angebote umgehen, ist durch eine Umfrage untersucht worden. Sie gibt Aufschluss darüber, wie Medienmacher die Trends aus dem Silicon Valley einschätzen.

Große Medienhäuser setzen auf den Einsatz von Facebooks Instant Articles und Notify. Auch Snapchat Discover bietet eine News-Plattform für jüngere Zielgruppen. Apple News baut sein eigenes Nachrichtenmagazin aus und kein Publisher kommt mehr an Googles SEO-Vorgaben vorbei. Seitenbetreiber, Marketer und Medienmacher publizieren immer fokussierter über Social Media, Apps und Messenger-Dienste – soweit keine Neuigkeit. Doch wie lässt sich mit der Schnelllebigkeit dieser Medien-Inhalte umgehen? Eine von nextMedia.hamburg, einer Initiative für Digitalwirtschaft, in Auftrag gegebene Umfrage zeigt, welche Distributionsformen die Medienbranche im Blick haben sollte und wo es in Zukunft zur Sache gehen könnte. In Zusammenarbeit mit Statista wurden dafür im August letzten Jahres 201 Mitarbeiter der Digitalbranche befragt.

Die beliebtesten Aufmerksamkeitserzeuger

Snapchat sei das Medium der jungen Generation, Facebook hingegen nur noch was für Eltern und Ü-30er – so oder so ähnlich lauteten in den letzten Jahren regelmäßig die Prognosen. Die Umfrage zeigt jedoch, dass Content-Macher weiterhin an den etablierten Plattformen festhalten. Die Befragten sollten Rankings von Platz eins bis drei vergeben und so die wichtigsten sozialen Netzwerke für die Medienbranche einstufen. Mit rund 38 Prozent führt Facebook weiterhin die Spitze an, gefolgt von YouTube mit etwa 29 Prozent. Twitter mit 15 Prozent bleibt ebenfalls relevant. Aktuell oder einst gehypte Plattformen wie Google+ (6,47 Prozent), Instagram (5,47 Prozent), Snapchat (3,48 Prozent) oder Pinterest (1,99 Prozent) landeten in der Abstimmung abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Woran liegt das?

Quelle: nextMedia.hamburg

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Warum die neuen Plattformen weniger relevant sind

Möglicherweise könnte das Silicon Valley wie so oft der deutschen Medienlandschaft ein bis zwei Jahre voraus sein, und das Umdenken setzt bald auch hierzulande ein. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass viele Medienmacher älteren Semestern angehören und entsprechend lieber auf bereits erfolgreiche, etablierte Plattformen setzen. Denn die kaufkräftige Zielgruppe, die auch die Mehrheit der User stellt, nutzt vorwiegend Facebook und Twitter. Hier erhalten Inhalte und Anzeigen entsprechend mehr Aufmerksamkeit, die Werbeerlöse sind höher. Die Umfrage zeigt jedoch auch, dass die Branche ein grundsätzliches Problem im Blick hat: Die Schnelllebigkeit der Online-Kanäle und Inhalte.

News-Apps im Vergleich zu Social-Media-Plattformen

Der Befragung zufolge sehen die Medienmacher die Qualität des über die sozialen Netzwerke angebotenen Journalismus bedroht: Drei von vier Befragten – rund 73 Prozent – äußern sich besorgt darüber, dass die Güte der angebotenen Inhalte unter der Schnelllebigkeit leiden könne. Die Hälfte aller Umfrageteilnehmer (Mehrfachnennungen waren möglich) gehe aber davon aus, dass journalistische Inhalte künftig noch stärker über soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube oder Twitter ausgespielt werden – und zwar häufiger als über Apps (33 Prozent) oder firmeneigene Webseiten (30 Prozent). Apple News oder Snapchat Discover nehmen damit eine untergeordnete Rolle ein.

Quelle: nextMedia.hamburg

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Instagram, partizipativer Journalismus und Messenger

Laut der Umfrage scheint vor allem Instagram mit 400 Millionen aktiven Nutzern augenscheinlich noch keine geeignete Publisher-Plattform zu sein. Aktuelle Zahlen belegen jedoch das Gegenteil, denn Instagram ist gerade auf dem besten Weg, Twitter dank ausgeklügelter Werbeformate und wachsender Reichweiten abzuhängen. Mit der Einführung von Action-Buttons wie „Mehr erfahren“, die direkt auf die News- oder Magazin-Seite führen, ist in der Kombination aus ansprechender Bebilderung, Video-Content und schneller Verlinkung noch einiges zu erwarten. Die geringe Relevanz, die Instagram in der Umfrage zukommt, könnte sich in Zukunft noch wandeln.

Immerhin jeder zehnte Befragte (11 Prozent) nimmt an, dass interaktive Formen der medialen Vermittlung den klassischen Journalismus komplett verdrängen werden. Heißt in etwa: Die Plattform und die Gewohnheiten der Community geben vor, wie Journalisten und Marketer ihre medialen Inhalte aufbereiten und in den Austausch mit den Nutzern treten. Der sogenannte partizipative Journalismus wird von knapp 44 Prozent der Umfrageteilnehmer als Standardwerkzeug von Journalisten eingeschätzt.

Der Umfrage zufolge schätzen die Medienmacher Mobile Messaging positiv ein, um als Medium den User zu erreichen: Rund 50 Prozent räumen den Angeboten über WhatsApp und Co. einen hohen Stellenwert ein, während rund 34 Prozent deren Wichtigkeit als „nicht erwähnenswert“ klassifizieren.

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Marco Weimer

Autor

Marco Weimer

Marco Weimer hat deutsche Philologie und Philosophie an der FU Berlin studiert und arbeitet seit September 2014 als Autor bei Software & Support Media.

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