Werbestrategien

Soft Skills für Social Media Marketing
Kommentare

Während Werbeblocker das Anzeigengeschäft verändern, bieten vor allem Social Media Plattformen eine Basis, um Marken zu bewerben. Doch auch hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Statt der Hauruck-Methode sind Soft Skills, Content und Austausch gefragt, damit der User aufmerksam und nicht bedrängt wird.

Dadurch, dass Online-Anzeigen auf Publisher-Seiten immer häufiger wegen AdBlockern aus der Sichtweite der User geraten, verlagert sich das Werbegeschäft vermehrt auf Social Media Plattformen. Einer Studie zufolge greifen 41 Prozent mehr User zu einem Werbeblocker als noch im Vorjahr – User, die auf Script-Blocker (NoScript, Ghostery oder Privacy Badger) setzen und sich dem Tracking der Seitenbetreiber entziehen, entfallen statistisch ganz, sehen aber je nach Einstellung noch die Werbeinhalte. Doch noch andere Entwicklungen dürfte die Werbebranche beunruhigen: Auch die Ankündigung von Apple, dass mit dem neuen mobilen Betriebssystem iOS 9 im Herbst AdBlocker für Safari einfach als Plugin zur Verfügung stehen werden, könnte weitreichende Folgen für das noch gängige Werbemodell haben und das Desktop-Problem auf die mobilen Devices verlagern. AdBlock kündigte zudem auch für Android den Dienst an. Das strikte Blockieren von Werbeinhalten ist für das Ökosystem des freien Netz-Angebots langfristig schädlich, weshalb der Einsatz von AdBlock nicht nur deshalb überdacht werden sollte. Die Trendwende von SEO zur Social Media Optimierung ist also auch der Verschiebung des Anzeigengeschäfts und des User-Verhaltens geschuldet. Über Facebook, Twitter und Instagram finden Werbetreibende jedoch weiterhin die Möglichkeit, ihre Produkte und Marken zu platzieren – trotz Blocker.

Auch Social Media Marketing kann auf Ablehnung stoßen

Ad- und vor allem Script-Blocker sind über die Social Media Plattformen bisweilen wirkungslos, da der Dienst der Plattformen nur dann in Anspruch genommen werden kann, wenn der User bereit ist, die Mehrzahl der Skripte samt der dazugehörigen Cookies, Tracker und damit auch implementierten Werbeinhalte in Kauf zu nehmen. Das bringt Unternehmen naturgemäß auf den Plan, vermehrt auf Social Media Plattformen marketingtechnisch wirksam zu werden. Der Andrang und die gesteigerte Präsenz von Werbehinhalten stößt jedoch wiederum bei vielen Social Media Usern auf Ablehnung beziehungsweise Ignoranz. Das Problem bleibt demnach das gleiche: Nutzer fühlen sich durch plumpe, statische und häufig wiederholte Werbeinhalte gestört und versuchen sich dem möglichst zu entziehen. Was könnten Unternehmen und Werbetreibende dennoch tun, um ihre Zielgruppe zu erreichen?

Soft Skills für Social Media statt blanke Werbeinhalte

Wer Facebook oder Instagram nutzt, tut dies vor allem deshalb, um mit Menschen im Kontakt zu bleiben, sich über Fotos, Videos und Gespräche auszutauschen. Werbeinhalte, die zwischen diesen Austausch treten, werden wie eine Unterbrechung durch einen unbeteiligten Dritten während eines innigen Gesprächs empfunden. Sie sind störend, weil sie thematisch meist unpassend sind und nur einseitig eine Werbebotschaft abspielen. Man könnte auch sagen, Unternehmen seien zu bemüht, sich auf Social Media Plattformen zu präsentieren. Statt wie bei einer neuen Bekanntschaft mit einer gewissen Zurückhaltung und Bereitschaft zunächst zuzuhören und dann erst selbst Ideen einzubringen, sprengen sie Konversation durch bloße Produktplatzierung. Auf Instagram haben Unternehmen noch weniger die Möglichkeit, konkret als Marke aufzutreten und ihre Produkte zu bewerben, da sie solgleich durch die Community ignoriert werden, sobald offensichtlich Werbung im Spiel ist. Deshalb gehen sie vermehrt den Weg über bereits beliebte Instagram-Nutzer mit vielen Followern, die ihre Produkte in einem bereits bestehenden Kontext einbinden. Das Influencer-Prinzip ist längst bei YouTube Gang und Gäbe. Für Facebook könnte die Devise lauten, anstelle bloßer Werbung, eher Content und Anregungen zu setzen, also Geschichten mir einem informativen oder unterhaltsamen Gehalt zu erzählen, bereits bestehende Diskussionen anzuknüpfen und zu erweitern. Letztlich kann die Marke über den Austausch Image-Arbeit leisten, beratend wirken, zum Mitmachen einladen oder eine nützliche Funktion bieten – letztlich kann auch ein Produkt beworben werden, dass zu dem entsprechenden Bedürfnis der Zielgruppe passt. Auf Algorithmen basierendes Predictive-Analytics, also Voraussagen zu Kundenwünschen, die diese selbst nicht äußern und aufgrund anderer Vorlieben ausgespielt bekommen, wird User zusehends verunsichern. Denn dahinter steckt immer das Gefühl, ungefragt ausgehorcht und verfolgt zu werden. Vorlieben, Wünsche und Anregungen, die sich durch einen Content, Kontext und das Gespräch ergeben, fördern Bedürfnisse zutage, auf die sich reagieren lässt; Unternehmen können durch ihre Produkte und Dienstleistungen gleich eine Lösung vorschlagen. Der User fühlt sich nicht übergangen und bedrängt, sondern erhört und angeregt.

Aufmacherbild: Multiethnic Group of Friends in a Circle via Shutterstock, Urheberrecht: William Perugini

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -