Interview mit Clemens Groche von Videoboost

„Videomarketing ist ideal für Startups und junge Unternehmen.“
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Jeder kennt sie, die kurzen, meist animierten Erklärvideos im Internet – einige von Ihnen haben sogar einen gewissen Kultstatus erreicht. Doch was steckt dahinter?

Jeder von uns arbeitet an Projekten, die später einer möglichst großen Kundenbasis zur Verfügung gestellt werden sollen. Wir haben unzählige Stunden in die Entwicklung investiert, unsere Designer haben ganze Arbeit geleistet und eigentlich – so denken wir – ist die Sache ja eigentlich selbsterklärend.

Pustekuchen.

Oft wird unterschätzt, dass man selbst sein Projekt natürlich in- uns auswendig kennt; User aber oft Kleinigkeiten übersehen und somit vollkommen aus dem Konzept geraten. Und nicht selten – so ehrlich sollten wir sein – ist unser Projekt komplexer, als man denkt. Wie aber kann man es seinen Kunden näherbringen?

Erklärvideos sind im Trend, nett anzusehen und sorgen oft für einen gewissen Aha-Effekt. Doch hinter den vermeintlich einfachen Videos steckt ziemlich viel Arbeit. Um das etwas näher zu beleuchten, haben wir mit Clemens Groche von der Darmstädter Videomarketing-Agentur VideoBoost gesprochen. Viel Spaß bei spannenden Einblicken!

Trendthema Videomarketing

Herr Groche, Sie beschäftigen Sich mit Ihrer Agentur „Videoboost“ mit dem Thema Videomarketing; ein Thema, das aktuell extrem im Kommen ist. Woher kommt das?

Clemens Groche: Videomarketing ist momentan einer der großen Trends im Online-Umfeld. Für das große Wachstum in den vergangenen Jahren gibt es gleich mehrere Gründe: Zum einen haben der Breitbandausbau und die schnelleren mobilen Internetverbindungen dazu geführt, dass mittlerweile viel mehr Videos konsumiert werden. Zum anderen werden wir alle tagtäglich mit immer neuen Informationsreizen konfrontiert. Mit Videos lassen sich Informationen in einer kurzen Zeit sehr einfach transportieren, weswegen Videos langen Texten häufig vorgezogen werden.

Clemens Groche

Clemens GrocheClemens Groche ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von VideoBoost. Das Darmstädter Unternehmen erstellt und vermarktet kurze Erklärvideos, die komplexe Sachverhalte einfach und unterhaltsam, aber gleichzeitig umfangreich erläutern. Die kurzen Informationsfilme erregen Aufmerksamkeit und verpacken die enthaltenen Informationen möglichst originell und humorvoll.
Homepage: www.videoboost.de

Welche Trends können Sie in diesem Umfeld in den letzten Jahren ausmachen?

Clemens Groche: Im Videomarketing gibt es natürlich viele verschiedene Spielformen. Insgesamt geht der Trend jedoch ganz klar zu Videoinhalten, die den Nutzer in den Mittelpunkt stellen, also möglichst individuell gestaltet werden. Der klassische Imagefilm zur Selbstbeweihräucherung ist in diesem Zusammenhang nicht sonderlich effektiv. Deswegen sind mittlerweile Formate wie Erklärvideos und Tutorials oder auch Vlogs sehr beliebt, weil Sie den Zuschauer in den Mittelpunkt rücken bzw. ihn aktiv miteinbeziehen.

Insgesamt ist es schön zu beobachten, dass Videomarketing nicht mehr nur die Spielwiese von großen Unternehmen mit riesigen Marketingbudgets ist. Heute kann schon jede kleinere Firma mit geringem Aufwand sehr effizient mit Videoformaten werben.

Individualisierung bzw. Personalisierung – der Kunde gibt einen Namen an und erhält im Video dann eine persönliche Ansprache? Oder ist das zu einfach gedacht?

Clemens Groche: Ganz genau so kann es funktionieren. Eine persönliche Ansprache erhöht erwiesenermaßen deutlich die Aufmerksamkeit. Da ist es nur logisch, das dies auch im Videomarketing mit animierten Erklärvideos zum Einsatz kommt. Die technischen Voraussetzungen sind dazu auch heute schon erfüllt. In E-Mail Kampagnen kann man mit dieser Methodik zum Beispiel nochmals bessere Ergebnisse bei den Klickraten erzielen. Auch für Unternehmenskunden mit vielen unterschiedlichen Beratern oder Vertretern kann eine Individualisierung für jeden einzelnen Mitarbeiter sinnvoll sein.

Mobile spielt gerade für YouTube eine enorme Rolle. Können Sie das durch eigene Beobachtungen bestätigen?

Mobile ist längst der neue Status Quo.

Clemens Groche: In der westlichen Welt besitzt nahezu jeder Mensch ein Smartphone und ist rein theoretisch in der Lage, sich 24 Stunden am Tag Videos über sein Telefon anzuschauen. Auch aus unseren Beobachtungen bei Kundenprojekten wird deutlich, das Mobile längst der neue Status Quo ist. Wer nicht schon zu Beginn an die mobilen Nutzer denkt und zum Beispiel zu überladene und detailreiche Szenen ausspart, der verschenkt Potenzial. Deswegen arbeiten wir bei animierten Erklärvideos oft mit stark abstrahierten Darstellungen, die leicht verständlich und eingängig sind.

Von Konzepten, dem Team und dem Tracking

Sie beschäftigen sich mit der Produktion von animierten Erklärvideos. Wie kann man sich ein typisches Projekt bei Ihnen vorstellen? Was müssen Kunden „liefern“, damit Sie ein bestmögliches Ergebnis erzielen können?

Clemens Groche: Das Ziel bei unseren animierten Erklärvideos ist natürlich, einen einfachen und verständlichen Informationsfilm zu produzieren. Daher müssen wir zunächst umfassend alle Hintergründe verstehen. Dazu sind sämtliche Unterlagen zu dem geplanten Inhalt des Videos und ein detailliertes Briefing mit dem fachlichen Ansprechpartner essentiell.

Anschließend verdichten wir das Thema, so dass der Zuschauer in 60 bis 90 Sekunden einen guten Eindruck von der Funktionsweise und den Vorteilen, die für Ihn entstehen, bekommt. Dabei ist das Herunterbrechen komplizierter Sachverhalte auf einfachen und verständlichen Content der wichtigste Teil.

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Wie sieht ein Team aus, das in einem solchen Projekt arbeitet? Gibt es so etwas wie einen Regisseur, Zeichner, ..?

Projektleiter sind im Online-Marketing geschult, um optimale Handlungsempfehlungen geben zu können.

Clemens Groche: Unser Team, das direkt am Video arbeitet, besteht aus einem Projektleiter, einem Skriptschreiber bzw. Texter sowie mehreren Illustratoren und Animatoren. Dabei hat jeder der Teammitglieder eine spezielle Ausbildung und auch einen speziellen Job im Projektablauf.

Der Projektleiter koordiniert den Ablauf und hat bei uns oft einen sehr diversen Hintergrund, zum Beispiel aus den Ingenieurswissenschaften, um Kundenprojekte aus unterschiedlichen Branchen optimal leiten zu können. Daneben ist jeder Projektleiter im Online-Marketing-Umfeld geschult, so dass dem Kunden auch jederzeit optimale Handlungsempfehlungen gegeben werden können.

Wie tracken Sie den Erfolg eines Projekts?

Clemens Groche: Wir verwenden einen speziellen Videoplayer, mit dem wir verschiedene Erfolgskennzahlen wie zum Beispiel die Views, die Engagement-Rate und die View-Through-Rate messen. Dafür ist besonders wichtig, dass ein möglichst hoher Traffic auf das Video geleitet wird. Dabei können wir unsere Kunden auch weiter unterstützen.

Um zu beurteilen, ob es sich bei der Vermarktung des Videos um einen Erfolg handelt, muss vorher aber auch der Ausgangszustand gemessen werden. Anhand von Kennzahlen aus den Web Analytics einer Webseite, wie zum Beispiel der Absprungrate, kann man den Erfolg mit einem Vorher/Nachher-Vergleich überprüfen.

Best Practices

Nun haben Sie schon einige Erfahrungen in dem Bereich sammeln können. Ihrer Erfahrung nach: Was hat sich als Best Practice für animierte Erklärvideos herausgestellt?

Clemens Groche: Bei animierten Erklärvideos gilt die Faustregel: „So lang wie nötig und so kurz wie möglich.“ Das hat sich bewährt! Die Aufmerksamkeit der Zuschauer lässt spätestens nach 90 Sekunden überproportional stark nach, daher empfehlen wir das in der Regel als Obergrenze.

Was die grafische Umsetzung angeht, muss jeder Kunden und jedes Produkt individuell betrachtet werden: Mal muss das Thema schlicht und elegant für die Zielgruppe aufbereitet werden, mal muss ein Eyecatcher geschaffen werden. Als Faustregel gilt allerdings, auf alles Überflüssige zu verzichten. Wenn es um das Verstehen geht, sind tolle Effekte oftmals weniger hilfreich als eine abstrahierte Darstellung – egal in welchem Videostil.

Welches Projekt hat Sie und Ihr Team vor eine besondere Herausforderung gestellt?

Die perfekte Ansprache ist das A und O.

Clemens Groche: Eine besondere Herausforderung ist immer, wenn die Zielgruppe für das Video nicht klar definiert werden kann; beispielsweise wenn eine Lösung zum einen den Business-Kunden und zum anderen den Endverbrauchern erklärt werden soll. Die perfekte Ansprache zu gestalten ist dann einfach sehr schwierig, weil die Zielgruppen möglicherweise unterschiedliche Fragestellungen oder Probleme haben.

Schwierig wird es auch, wenn die Zielgruppe zum Beispiel altersmäßig sehr breit ist. Kürzlich haben wir die neue App einer großen deutschen Versicherung in einem Video erklärt. Natürlich stehen für die jungen Nutzer dann ganz andere Punkte im Mittelpunkt als für einen Rentner. Das ist dann schon eine Herausforderung.

Screenshot aus dem Erklärvideo Werkzeug Weber

Die Zielgruppe ist wichtig – ©VideoBoost

Besonders spannend finde ich den Punkt, dass Sie eine 100-prozentige Zufriedenheitsgarantie geben. Wie kann man sich das vorstellen?

Clemens Groche: Unter der Zufriedenheitsgarantie verstehen wir, dass für uns ein Projekt erst dann abgeschlossen ist, wenn der Kunde wirklich zu 100 Prozent glücklich mit dem Produkt ist. Ganz nach dem Motto: Wir sind erst zufrieden, wenn unser Kunde zufrieden ist.

Im Projektverlauf bedeutet das konkret, dass in jedem Projektschritt so viele Korrekturschleifen möglich sind, bis am Ende wirklich alles passt. Mit unserer Erfahrung und Spezialisierung auf animierte Erklärvideos können wir in der Regel jedes Projekt gut steuern und dem Kunden immer schnell einen ersten Vorschlag machen, der bereits in die richtige Richtung geht. Bei uns erhält das Unternehmen kein Produkt aus der „Black Box“, sondern ein auf die individuellen Wünsche abgestimmtes Video.

Vielen Dank für diese spannenden Einblicke! Nun noch etwas Science Fiction: Was können Sie sich für die Zukunft vorstellen? Was könnten die nächsten Schritte im Videomarketing sein?

Ein übergeordneter Trend ist das Thema Individualisierung.

Clemens Groche: Hier führt wohl auch in näherer Zukunft nichts am Video-Advertising vorbei. Video-Ads werden weiterhin eines der Zugpferde im Online-Werbemarkt sein.

Ein übergeordneter Trend ist aber wie vorhin angesprochen auch das Thema Individualisierung. In einer Welt in der jede andere Person nur einen Tweet oder einen Post entfernt scheint, wollen die Menschen immer stärker auf einer persönlichen Ebene angesprochen werden. Und das spannendste dabei ist, dass man als Gründer oder junges Unternehmen oftmals die Chance hat, einen viel persönlicheren Eindruck bei seinen Kunden zu hinterlassen als etablierte Unternehmen das aufgrund ihrer oftmals festgefahrenen Strukturen können. Das bietet Startups und jungen Unternehmen im Bereich Videomarketing viele Möglichkeiten.

 

Aufmacherbild: Retro old reel movie projector for cinema. von Shutterstock / Urheberrecht: BrAt82

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