Facebook-Aussicht für Jung und Alt

Werben auf Facebook: Das Problem mit der Jugend und die Chance mit den Videos
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Mehr Werbung gleich weniger Freu(n)de? Die Rechnung geht für jede Zielgruppe anders auf. Facebook konnte auch mit seinem jüngsten Quartalsergebnis punkten – mit dem Zuwachs an Video-Uploads steigt zugleich die Hoffnung des Unternehmens, hierüber neue Werbung zu genieren. Die jüngste Zielgruppe wird dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Die aktuellen Quartalszahlen unterstreichen ein mal mehr den anhaltenden Erfolg des sozialen Netzwerks: Mit 1,44 Milliarden Nutzer, täglich 45 Milliarden verschickten Nachrichten und vier Milliarden Videos sieht sich Facebook weiterhin auf dem Erfolgskurs. Doch letztlich hat die Community selbst zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Der öffentliche Wirbel um verschärfte Tracking-Methoden und Weitergabe von Nutzerinformationen an Drittanbieter hat offenbar den Großteil der Nutzer nicht daran gehindert, einen neuen Video-Post-Rekord über Facebook aufzustellen: Im Dezember 2014 wurden 80 Prozent aller Videos über den Facebook-Upload geladen – und nicht wie man annehmen würde, über YouTube eingebunden. Seit Anfang 2014 mit der Hälfte aller Uploads hat die Video-Funktion auf Facebook zusehends Google (YouTube) den Rang abgelaufen. Marc Zuckerbergs Unternehmen wittert dem Guardian zufolge vor allem in diesem Zuwachs Potenzial für Marketer, ihre Werbung künftig auch über Videos zu platzieren.

“Video is exploding on Facebook, as Mark talked about, and that gives us an opportunity to do a lot of work with marketers on video,” sagte Chief operating officer Sheryl Sandberg gegenüber dem Guardian.

Platzierung im Newsfeed wird geändert

Vor zwei Tagen erst verkündete Facebook außerdem, dass wiedermal der Newsfeed verändert werde. Anhand einer Umfrage und entsprechender Auswertung wolle man so den User-Bedürfnissen entgegen kommen. So kommen unter anderem zwei interessante Updates zum Zuge. Erstens: Statusmeldungen, Bilder und natürlich auch Videos von Freunden, mit denen man regelmäßig in Kontakt steht, werden demnach häufiger und weiter oben angezeigt. Zweitens: Von Freunden kommentierte oder mit „Gefällt-mir“ versehene Beiträge sollen hingegen ein schlechteres Ranking bekommen. Grund hierfür: Der Tracking-Verlauf der Analyse habe gezeigt, dass User hieran weniger interessiert seien. Womit sich Nutzer weniger beschäftigen oder womöglich gar nicht erst anschauen, lässt sich schlecht vermarkten. Dass aber Facebook herausbekommt, womit man sich gerne beschäftigt, gehört selbstverständlich zur Unternehmenspolitik

Facebook wollte es von allen wissen

Bekanntermaßen weiß Facebook immer, woran die Community interessiert ist – in welchem Ausmaß, wollen sich jedoch weder User noch Verantwortliche von Facebook so gern eingestehen. Erst vor kurzem musste sich Facebook dazu bekennen, aus Versehen einen Bug implementiert zu haben: Als bekannt wurde, dass Internet-Nutzer via Cookie-Tracking verfolgt werden, die gar nicht in der Community angemeldet waren, wollte Facebook dies als Softwarefehler rechtfertigen. Es reichte aus, dass man als unregistrierter Internetnutzer auf eine Seite gelangt, auf dem ein Social-Media-Plugin des Unternehmens untergebracht war und schon konnte Facebook den weiteren Verlauf des Users nachvollziehen.

Werben auf Facebook – oder schon Verletzung der Privatsphäre?

Was Facebook hingegen auf der eigenen Plattform treibt, muss jeder User mit den neuen AGBs hinnehmen, sobald er sich anmeldet – so auch zu Beginn des Jahres. Dass sich Facebook dabei teilweise selbst nicht an die Vereinbarung hält, will die Seite Information Age herausgefunden haben. Dem Sicherheitsportal zufolge speichere Facebook sogar alle Texteingaben, die im Eingabefenster getätigt werden, auch wenn diese nicht gepostet werden. Auf Reddit wird momentan heiß debattiert, inwiefern dies ein Sicherheitsrisiko darstellt oder nur ein weiteres von vielen Details ist, das vollkommen überbewertet werde – es gehe doch schließlich nur um Werbung und nicht um pikante Details aus dem Privatleben, die aus Versehen fast gepostet worden wären.

Die jüngste Zielgruppe schaut sich derweil um

Als würde das Werbespektrum an Sponsored Post nicht längst ausreichen, werden Nutzer künftig noch präzisere, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Werbeinhalte präsentiert bekommen – wohl auch über Videos. Während man sich als langjähriger Facebook-User fragt, wie viel Werbung man noch hinnehmen soll, stellen sich einige jüngere Internetnutzer überhaupt nicht diese Frage. Denn Facebook wird zusehends zu dem Ort, wo alte Leute und Werbetreibende rumhängen. Der Spiegel stellte 2013 eine Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien vor, in der Facebook noch als die wesentliche Recherche-Quelle von jungen Menschen genutzt wurde. Fast zwei Drittel der 14-29 Jährigen in Deutschland hätten zuerst den Social Media Dienst genutzt, um sich zu informieren. Zwei Jahre sind vergangen und Twitter hat nicht zuletzt durch Pegida und die IS-Skandale auch hierzulande weiter an Aufmerksamkeit gewonnen. Ob die nun 16-Jährigen auch heute noch auf Facebook recherchieren, ist denkbar, aber in Anbetracht des prominenter gewordenen Angebots von Twitter, Reddit und Co. unwahrscheinlicher geworden.

2014 verwies TechCrunch anhand der Q3-Zahlen bereits auf die sinkenden Facebook-User-Zahlen bei Teenagern in den USA. Facebook selbst wollte gegenüber TechCrunch keine Stellung nehmen, wie es dazu hatte kommen können. Das Thema dürfte in naher Zukunft jedoch aus wirtschaftlicher Sicht für Facebook noch interessant werden. Mehr Presse zu diesem Thema wollte Facebook jedoch vorerst vermeiden, denn es würde Werbetreibende womöglich auf die falsche Fährte locken – beispielsweise um für diese Zielgruppe lieber auf Youtube zu werben. Denn das Google-Unternehmen kann sich weiterhin des Zulaufs der jüngsten Zielgruppe erfreuen.

Wer liest eigentlich noch die Bravo?

Die Bauer Media Group veröffentlichte erst im vergangenen Monat ein Youth Insight Panel der Bravo, in dem die jugendlichen Leser befragt wurden, wie sie mit ihrem Medienzeitbudget umgehen. Neun von zehn Jugendlichen nutzten demnach YouTube mindestens einmal pro Woche, mehr als die Hälfte davon (60 Prozent) täglich. Ihre Musik und Comedy-Sendungen würden sie vorwiegend über die YouTube-Channel konsumieren, ihre Stars jedoch bevorzugt auf Instagram verfolgen (50 Prozent), auf Facebook (45 Prozent) und letztlich über Twitter (31 Prozent) – auf Youtube selbst eher seltener (29 Prozent). Für Werbetreibende interessant ist das Ergebnis, dass sich „nur“ 20 Prozent der Befragten über Produktplatzierungen in YouTube-Clips ihrer YouTube-Stars gestört fühlten. Ob Facebook selbst als Video-Provider von den Jugendlichen genutzt wird, geht aus der Befragung nicht hervor.

Die USA geben wie so oft den Trend vor

Eine weitere Studie aus den USA vom Pew Research Center hat ebenfalls gezeigt, dass Teenager weiterhin Facebook nutzen, jedoch mittlerweile Instagram favorisieren. Zudem zeichne sich eine veränderte Selektion ab – will heißen: die Teens kommen auf den Geschmack, auch andere Dienste auszuprobieren. Von 1060 Teenagern im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben demnach noch 71 Prozent Facebook genutzt. Bei der letzten Studie 2014 seien es noch 73 Prozent gewesen. Von den Befragten haben etwa 52 Prozent den Facebook zugehörigen Dienst Instagram genutzt. 41 Prozent Snapchat, 33 Prozent Twitter, 33 Prozent Google+. Unter der 20 Prozent-Marke lagen das Video-Network Vine aber auch Tumblr mit gerade mal 11 Prozent. Auch wenn Facebook mit seiner Plattform gerade mal 2 Prozent eingebüßt hat, nimmt die Konkurrenz trotzdem zusehends an Fahrt auf.

Ist Facebook die richtige Bleibe? Ein Fazit

So sehr man sich über die Tracking-Methoden und die zunehmende Werbelast bei Facebook ärgern möchte, so wenig sind die meisten deshalb geneigt, ihre Kontakte aufzugeben. Wer allerdings neu einsteigt, muss erst sein Netzwerk aufbauen. Dass Jugendliche weder Lust haben, mit ihren Eltern auf Facebook unterwegs zu sein, noch sich von Werbung übermäßig stören zu lassen, spricht dafür, sich im Netz nach Alternativen umzusehen. Instagram mag noch als Facebook-Alternative angesagt sein. Twitter nimmt jedoch zusehends den Platz als Recherche-Tool ein, Snapchat ersetzt allmählich den Facebook Messenger. Facebook präsentiert zwar immerzu gute Zahlen aber steht dafür auch immer öfter in der Kritik. Vielleicht schafft es Facebook jedoch in der Gunst der bereits angemeldeten Jugendlichen durch ein breiteres Video-Channel-Angebot zu bleiben – und womöglich dessen Freunde und jüngere Geschwister anzulocken. Die Clip-Klebe-App Riff von Facebook ist bereits eines dieser Projekte, womit sich Facebook gegenüber der Konkurrenz wie YouTube oder Vine zu behaupten versucht.

Aufmacherbild: advertisement concept – attractive teenager in casual clothes pointing her finger at videos via Shutterstock / Urheberrecht: Syda Productions

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