Interview mit Nicolas Dittberner

„Work is no longer a place“ – Arbeiten als Freelancer
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10 Prozent der Deutschen sind Freelancer – das ergab eine Studie. Wir haben uns im Rahmen des BITKOM Trendkongress 2014 mit Nicolas Dittberner von der Freelancing-Plattform Elance oDesk getroffen. Als Country Manager für die DACH-Region ist er Experte für die Entwicklung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt und die Arbeitssituation von Freelancern.

Der Arbeitsmarkt für Freelancer

Vor allem in der IT- und Design-Branche ist Freelancing mittlerweile an der Tagesordnung und Developer sind gefragt. Laut den Daten von Elance-oDesk werden vor allem Spezialisten für Android, PHP und Java gesucht. Das Problem: In Deutschland fehlen Fachkräfte. Dazu trägt zum einen der demografische Wandel bei, denn grade im IT-Bereich fehlen die meist jungen Spezialisten, die sich mit den neuen Technologien auskennen. Zum anderen sind viele spezialisierte Arbeitskräfte an bestimmten Orten gebündelt, sei es wegen der Abwanderung in die Städte oder weil bestimmte Regionen für bestimmte Branchen besonders gute Arbeitsverhältnisse bieten.

Flexibilität und Unabhängigkeit

Die meisten Freiberufler schlagen bewusst diesen Weg ein, denn vor allem in der IT- und Design-Branche lassen sich Fähigkeiten besser monetarisieren, wenn man auf Projektbasis arbeitet. Der Cloud sei dank ist es für externe Mitarbeiter viel leichter geworden, einfach in Projekte einzusteigen. „Arbeiten muss nicht mehr im Büro stattfinden“ so Dittberner. Durch die Arbeit in der Cloud können die Projekte von überall bearbeitet werden.

Work is no longer a place

Vor allem die persönliche Freiheit ist ein Grund für freiberufliches Arbeiten. Unabhängigkeit und Flexibilität sind die wohl meist genannten Gründe für freiberufliches Arbeiten. Durch die Arbeiten an Projekten kann man sich seine Jobs frei wählen und die Arbeitszeiten selbst bestimmen. Diese Werte seien besonders wichtig für Berufseinsteiger und junge Arbeitskräfte der sogenannten Generation Y, die besonders häufig als Freelancer arbeiten. Das Arbeitsmodell passt gut zu der heute weit verbreiteten Lebenseinstellung, kein kleines Zahnrad in einem Unternehmen, sondern sein eigener Herr sein zu wollen.

Freelancing aus Lern- und Karrieresicht

Wer neu in den Arbeitsmarkt einsteigt, kann durch Freelancing „seine Lernkurve steigern“ erklärt Nicolas Dittberner. Die Arbeit an verschiedenen Projekten und in unterschiedlichen Unternehmen können Berufseinsteiger oft mehr und schneller Erfahrung sammeln als in einer Trainee-Stelle. Häufig bekommen die  externen Arbeitskräfte direkt Aufgaben mit Verantwortung zugeteilt. Dies birgt zwar auch ein größeres Risiko aber durchaus auch Potential, denn man muss sich nicht erst durch feste Strukturen hocharbeiten, sondern kann oft direkt eigenverantwortlich in Projekte einsteigen, bei ausreichender Erfahrung wohlgemerkt, so dass die Karriereleiter hier oft steiler ist als bei eine festen Anstellungsverhältnis.

Unternehmen können mit Freelancern schnell reagieren

Auch für Unternehmen hat die Arbeit mit Freelancern Vorteile. Mit den projektbasierten Anstellungsverhältnissen sind die Arbeitgeber flexibel und können schnell reagieren, um Peaks auszugleichen oder um dringende Projekte durchzuführen. Mit festen Arbeitskräften dagegen kann man nur langsam und träge handeln und hat unter Umständen kein entsprechend ausgebildetes Personal zur Hand. Vor allem Top-Arbeitskräfte sind lieber flexibel und lassen sich nicht fest in ein Arbeitsverhältnis einspannen. Sucht man also nach einem gefragten Spezialisten, wird man diesen nur auf Projektbasis ins Boot holen können.

Als Freiberufler Fuß fassen – so geht’s!

Wie aber steige ich am besten in den Freelancer-Markt ein und wo muss ich ansetzen? Nicolas Dittberner hat uns einige Tipps verraten, wie man als Freelancer am besten Fuß fasst.

Besonders wichtig ist es, sich ein eigenes Profil aufzubauen, an dem ständig gearbeitet werden muss. Fängt man gerade als Freelancer an, sollte man sich zum Einstieg erst mal an kleinere und einfache Projekte wagen, diese aber besonders gut abschließen. So kann man erste Referenzen und Kontakte sammeln und wird vielleicht sogar von den Kunden weiterempfohlen. Dadurch sammelt man Schritt für Schritt Erfahrungen und baut sich sich gleichzeitig einen zufriedenen Kundenstamm auf.

Nichts ist wichtiger als Mund zu Mund Propaganda

Das „word of mouth“ und ein guter Ruf ist für Freelancer besonders wichtig, denn sie müssen sich immer wieder neu um Projekte bewerben. Übernimmt man sich direkt beim ersten Projekt, kann einem eine schlechte Bewertung das Leben schwer machen.

Sich als Externer ins Team integrieren

Hat der Freelancer ein Projekt an Land gezogen ist die erste Hürde geschafft. Häufig arbeiten die Freiberufler im Anschluss zusammen mit den festen Mitarbeitern des Auftraggebers an einem Projekt. Hier ist jetzt gute Kommunikation gefragt. „Man sollte immer lieber überkommunizieren, denn als Freelancer fallen Gespräche im Büro oder an der Kaffeemaschine weg“ so Dittberner. Man ist also immer darauf angewiesen, dass einem das interne Team alle Informationen zukommen lässt. Vor allem für Externe, die aus der Ferne arbeiten, sind regelmäßige Teambesprechungen via Skype, Slack oder anderen Kommunikationstools wichtig. „Man muss die Freelancer als vollwertige Mitarbeiter anerkennen. Das steigert auch die Motivation“.

Bedeutet Freelancing eine unsichere Jobsituation?

Auch wenn Freelancing viele Freiheiten und Vorteile bietet, es bleibt immer noch die Frage nach der Absicherung. Freiberufler stehen nicht in einem festen Arbeitsverhältnis. Was also tun, wenn die Projekte ausbleiben und ist es da nicht sicherer, einen festen Job anzunehmen? „Wir müssen uns generell umstellen, was die Sicherheit von Arbeitsverhältnissen angeht“, so Dittberner. „Es gibt schon jetzt viele Mitarbeiter, die nur einen Zeitarbeitsvertrag haben.“ Auch Festangestellte können also nicht mehr darauf zählen, ihr Leben lang in ein und dem selben Job zu bleiben. Ein einjähriger Zeitarbeitsvertrag unterscheidet sich gar nicht mehr so sehr von einem Job auf Projektbasis. Als Freelancer wird man sich aber nichtsdestotrotz einen häufigeren Berufswechsel einstellen müssen. Da dies aber zum Freiberufler sein dazugehört, ist man auch besser für die ständige Neuakquise von Projekten aufgestellt.

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