YouTube-Stars

YouTube verdoppelt Verweildauer – Facebook schaut und lernt
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Der Zuwachs an TV-ähnlichen Formaten auf YouTube verschafft dem Unternehmen steigende Besucherzahlen, längere Verweildauer und mehr Werbeeinnahmen. Die Stars von morgen werden auf YouTube geboren. Vielleicht aber auch nicht. Denn Facebook ist auf der Überholspur unterwegs.

YouTube ist mit Abstand die beliebteste Video-Plattform des Internets. 2014 sollen laut CEO Susan Wojcicki die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen sein, berichtet The Verge. Trotz Abstands hat sich jedoch eine Kluft aufgetan. Diese Nische besetzt zusehends Facebook als Videohoster. Während es sonst üblich war, eigene Videos über YouTube hochzuladen, um diese dann anschließend als Link über Facebook zu posten, werden seit 2014 immer häufiger Videos auch über Facebook selbst hochgeladen. Zum Vergleich: Im Dezember letzten Jahres wurden bereits 80 Prozent der Video-Uploads über Facebook gehostet. Im Januar 2014 führte einer durch Social Bakers durchgeführte Studie mit 20.000 Testprofilen zufolge allerdings noch Google klar das Feld an. Dass Facebook darüber hinaus auch noch die Möglichkeit bietet, über Facebook gehostete Videos auf anderen Seiten einzubinden, dürfte Google weniger gefallen.

Wie eingangs beschrieben, kann sich YouTube weiterhin blendender Zugriffszahlen erfreuen. Ganz nebenbei verkündete Susan Wojcicki nämlich auf der gestrigen Pressekonferenz in New York zudem, dass auch die Verweildauer von Zuschauern auf YouTube um 50 Prozent zum Vorjahr gestiegen seien. Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, da keine Quellen genannt wurden. Trotzdem wird das Unternehmen sich nichts mit Falschaussagen zu Schulden kommen lassen wollen.

Mehr Videos, längere Spielzeit und der Blickfang YouTube-Stars

YouTube ist dieses Jahr zehn Jahre alt geworden. Aus einem Startup wurde ein milliardenschwere Umsatzmaschine, die seit 2006 Googles Kassen füllt. Von anfänglich 10 Minuten maximaler Videodauer wurde 2010 bereits auf 15 Minuten aufgestockt. Das Limit konnte mit Director-Kontos und von Premium-Partnern überschritten werden, neuerdings auch per SMS-Verifikation des normalen Accounts und sofern keine Verstöße der Nutzungsbedingungen vorliegen. Heißt so viel wie; mittlerweile sind ganze Dokumentationen, Serien und sonstigen YouTube-Star Produktionen mit mehrstündigem Material verfügbar. Da nimmt es wenig Wunder, dass die Verweildauer bei wachsendem Content und längeren Videos eklatant zunimmt. Vor allem aber die YouTube-Stars sollen weiter gefördert werden und bereits berühmte Kanäle noch populärer gemacht werden.

Stalking-Sprühwurst sichert Einkommen

YouTube ist längst zum Fernsehersatz der jungen Generationen herangewachsen – keine Neuigkeit, aber für das Unternehmen wie auch Facebook bleibt das Thema aktuell. Denn das Geschäft mit den Youtube-Stars brummt. Manch einer, wie etwa der deutsche Game-Moderator Gronkh, kommt auf 3,5 Millionen Abonnenten – momentan, so Wikipedia, der erfolgreichste YouTuber in Deutschland. Die FAZ schreibt, dass je nach Buchungslage ein bis sechs Euro pro Tausend Zugriffe für den YouTuber abfallen. Der Clip „geile Stalking-Sprühwurst-Omi“ hat ca. 6,5 Millionen Zugriffe (Siehe eingebettetes Video unten). Auch wenn Gronkh einen Teil davon an seinen Vermarkter abgeben muss, lässt sich selbst bei Einnahmen von einem Euro pro 1000 Zuschauern recht gut auf lange Sicht verdienen. Noch besser aber verdient YouTube selbst. Was der 20 Sekunden lange O2-Werbeclip als nicht überspringbarer Einspieler kostet und abwirft, behalten die beiden Geschäftspartner von O2 und YouTube lieber für sich. Hier steckt finanzielles Potenzial drin, auch wenn es in diesem Fall nur um vermeintlich banalen Zocker-Humor geht. Von Schleichwerbung mal abgesehen, die sich auf einem der dutzend Fashion- und Beauty-Kanälen von den Star-YouTubern immer mal versehentlich nach dem Vorbild von Germany’s Next Topmodell ins Bild verirrt.

Facebook und der Traum von Facebook-Video-Stars

Das fällt auch Facebook auf. Der Zuwachs an Video-Uploads auf der eigenen Plattform und die Einbinden-Funktion für andere Dienste könnte mit dem momentan noch stabil wachsenden Nutzerzahlen in Zukunft eine ähnliche Entwicklung nach sich ziehen. Erst vergangene Woche verkündete Chief Operating Officer Sheryl Sandberg gegenüber dem Guardian, dass man im Video-Sektor nach neuen Vermarktungsstrategien Ausschau halte. Dann gilt es ebenfalls die Verselbstständigung durch die Mitglieder geführten Video-Produktionsreihen geschickt zu vermarkten.

Aufmacherbild: Vintage 16/9 TV set via Shutterstock, Urheberrecht: 3d brained

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