Künstliche Verknappung

Zalando abgemahnt wegen Verkaufstrick
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Schnell zugreifen, bevor das letzte Angebot vergriffen oder ausgebucht ist! Online-Portale setzen auf das Prinzip der Verknappung, um Kunden zum Kauf zu bewegen. Marketing-Strategie oder Psychotrick? Zalando bekam nun die erste Abmahnung.

Wenn etwas knapp wird, greifen wir schneller zu, denn der  Druck erfordert eine direkte Entscheidung. Bevor die Vor- und Nachteile eines Produkts abgewägt werden können, fordert ein geringer Bestand dazu auf, eine zügige Entscheidung zu treffen – denn es geht um haben oder nicht haben. Online-Shops, Fluganbieter oder Hotelvermittlungen weisen auf ihren Portalen meistens die Anzahl der noch verfügbaren Waren oder Plätze aus. Sind nur noch wenige Angebote verfügbar, werden wir eher zu einer Entscheidung bewegt, als wenn noch genügend Optionen zur Auswahl stehen.

Viele Online-Portale stehen nun unter dem Verdacht, dass sie sich die Verknappungsstrategie bewusst zunutze machen, um Kaufentscheidungen zu beschleunigen – obwohl der Bestand gedeckt ist. Eine Recherche des NDR hat nun ergeben, dass viele Portale künstlich ihren Bestand klein halten. Vor allem beim Modeversand-Händler Zalando sei bei mehrfachen Bestellungen des gleichen Produkts aufgefallen, dass das Produkt geliefert werden konnte, was laut Anzeige des Bestands eigentlich nicht hätte möglich sein können. Auf Rückfrage des NDR kommentierte Zalando, dass es sich bei der Warenanzeigen nur um den Mindeststand der Waren handle und keine reale Bestandsanzeige. Eine Abmahnung der Selbstkontrollorganisation der Wirtschaft soll Zalando nun zur Berichtigung des Warenabgleichs und der Anzeige bewegen, andernfalls würden gerichtliche Maßnahmen folgen.

Falschangaben gleich Psychotricks?

Wer einen Flug bei Billig-Airlines oder Busreisen bucht, kennt das gleiche Phänomen. Fast alle Plätze sind vergriffen, jetzt heißt es schnell handeln. Eine manipulierte Bestandsanzeige führt zu einer schnelleren, damit aber auch unreflektierten Kaufentscheidung. So ist man bereit eher ein teureres Angebot oder die jeweilige Marke zu kaufen, statt sich in Ruhe umzusehen, denn durch den psychologischen Trick wird die die Gefahr suggeriert, dass das Angebot späterhin nicht mehr verfügbar ist. Ob es um eine Verpackung im neuen Design und weniger Inhalt, unterschlagene Produktinformationen oder komplizierte Datenschutzerklärungen, Sale-Angebote, die keine sind oder eben Verknappung geht – Marketing-Abteilungen sind findig darin, Kunden mit kleinen Tricks zur Kaufentscheidung zu bewegen, auch wenn diese mit kleinen Unwahrheiten handeln. Gefälschte Bestandsanzeigen, vermeintlich exklusive Angebote und Überinformation sind für den Kunden irreführend. Unternehmen sichern sich damit Wettbewerbsvorteile. Wer nicht nachzieht, steht schlechter da. Also verfahren irgendwann alle so und der Betrogenen ist der Kunde, der auf den Portalen einkauft. Regulationen durch den Verbraucherschutz sind somit notwenig, wenn Falschangaben und Verkaufstricks Überhand nehmen.

Aufmacherbild: business and modern lifestyle concept: young woman shopping online at the park via Shutterstock, Urheberrecht: Georgejmclittle

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