Interview mit IoTCon-Speaker Lars Gregori

Ein NFC-Tag macht noch kein IoT
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Auf der Internet of Things Conference wird Lars Gregori u. a. eine Partie NFC-Schach gegen ein BeagleBone spielen. Vorab hat er uns erzählt, wie er auf diese Idee kam und welche Bedeutung Near Field Communication, kurz NFC, im Internet der Dinge zukommt.

Auf der IoTCon wirst du eine Partie Schach gegen einen Mini-Computer, ein BeagleBone, spielen. Wie kommt man auf eine solche Idee?

Lars Gregori: Im Frühjahr letzten Jahres wollte ich etwas mit einem NFC-Reader machen. Die Idee war es, ein NFC-Fahrzeug zu bauen, das über eine Straße mit NFC-Tags bewegt werden kann. Das Ganze war mir aber dann doch zu klobig und die Positionierung zu ungenau. Wenn ich das aber umdrehen würde, dann hätte ich eine kleine NFC-Spielfigur, die einfacher und somit genauer positioniert werden könnte. Erst dachte ich, dass ich dafür viele NFC-Reader benötigen würde. Glücklicherweise hatte ich nur den NFC-Reader bestellt, und ich musste mich zunächst im Internet über Antennen informieren. Dadurch erfuhr ich aber, wie ich auch mehr als eine Antenne bauen konnte. Anstelle vieler NFC-Reader benutze ich nun viele Antennen, die der Reihe nach angesprochen werden, und alles, was als NFC-Tag zu finden war, konnte gelesen werden. Die Idee zu einem 8×8-Schachfeld, bei dem jede Spielfigur ein NFC-Tag hat, war dann nicht mehr weit entfernt.

Internet of Things Conference 2015Das Internet der Dinge zählt zu den wichtigsten Innovationstreibern für Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Intelligente, vernetzte Geräte sind dabei, Alltag und Geschäftsleben in rasendem Tempo zu bevölkern: Smart Homes, Connected Cars, Wearables oder die vielfältigen Facetten der „Industrie 4.0“ sind dabei nur der Anfang schier unbegrenzter Möglichkeiten. Die Internet of Things Conference (IoTCon) vernetzt die führenden Köpfe auf diesem Terrain – Developer, Designer, Unternehmer, Bastler – und versorgt sie mit erstklassigem technischem und innovativem Wissen. Vom 23.-26. März findet die IoTCon in München statt. Bis 26. Februar profitieren Sie noch von den Frühbucherrabatten. Mehr Informationen unter: http://iotcon.de

Wie wichtig ist für dich dabei der spielerische Aspekt?

Jeder kennt Schach und die Spielregeln auch fast jeder. Aus meiner Sicht ist ein Spiel spannender als ein Real-Life-Business-Case, bei dem es darum geht, wie ich meine Bleistifte richtig spitze.

Wieso nutzt du dazu ausgerechnet ein BeagleBone und nicht z. B. einen Raspberry Pi?

Die vorhandenen Raspberries waren entweder schon verbaut oder anderweitig verplant. Auf beiden Boards läuft Linux, und auf beiden lassen sich in irgendeiner Art und Weise die Ein- und Ausgänge bearbeiten. Das BeagleBone aber hat sehr viele Ein- und Ausgänge, was eine wahre Freude ist. Letzten Endes war es der Benchmark der verwendeten Open-Source-Schach-Engine, bei dem der BeagleBone mit seinem 1-GHz-Prozessor die Nase vorne hatte. Wobei ich zugeben muss, dass ich auch gegen einen Raspberry Pi keine große Chance habe.

Auch NFC kommt dabei zu Einsatz. In dem Fall sicher sinnvoll, aber wie sieht es allgemein mit NFC im IoT aus – würdest du Sven Haiges zustimmen, der sagt, dass NFC mit IoT „weniger zu tun“ hat?

Ein NFC-Tag ist ein Sensor, ein Schalter, ein Wert, mehr nicht. Mit einer einzelnen Schachfigur und ihrem NFC-Tag lässt sich noch kein IoT realisieren. Erst das gesamte Schachfeld und die Spielfiguren sind zusammen ein – wie Sven sagt – physisches Objekt mit API. Dazu gehört aber mehr als ein paar NFC-Tags und ein Reader. Ich verwende hierzu einen ATmega328, der auch beim Arduino Uno Verwendung findet, um quasi dem Schachbrett ein API zu geben, das dann die Positionen der einzelnen Figuren zurückliefert.

In deiner anderen Session geht es um Android im IoT. Wie beurteilst du das Potential der grünen Roboter – werden auch sie in Zukunft das IoT bevölkern?

Ja, denn Android läuft heute schon auf dem Smartphone, Tablet, Fernseher, Smart Watches und Google Glass. Diese Geräte sind bereits mehr oder weniger in die IoT-Landschaft integriert oder ein Teil von ihr. In meiner Session gehe ich darauf ein, wie sich mit Android Hardware ansteuern lässt, in diesem Fall mit einem IOIO-Board und BeagleBone. Gerade das BeagleBone unterstützt verschiedene Arten von Betriebssystemen. Mit der Unterstützung von Android kann auch das Wissen bei der App-Entwicklung genutzt werden.

Welcher der vielen Anwendungsbereiche des IoT – Heimautomatisierung, Connected Cars, Industrie 4.0 etc. – begeistert dich am meisten?

So gut wie jeder. Dabei ist es mir egal, ob zum Beispiel die Information eines Temperatur-Sensors eine Heizung zu Hause zum Erwärmen bringt, den Ladezustand des Akkus eines Elektro-Autos oder die Raumtemperatur eines Industrie-4.0-Produktionsraums im optimalen Bereich hält. Wenn bei einem Gespräch der Gesprächspartner sich nicht erst künstlich in die jeweilige Situation versetzen muss, sondern schon mit ihr vertraut ist, dann lässt sich auch Begeisterung in das Thema IoT bringen. Der (digitale) Commerce ist solch ein Bereich, in dem wir uns täglich bewegen und der uns schon vertraut ist. Aus diesem Grund werde ich mich in (naher) Zukunft mit Begeisterung diesem Bereich widmen.

Lars Gregori ist Lead IT Consultant bei der msgGillardon AG in Ismaning/München. Als Softwarearchitekt beschäftigt er sich im JEE- und mobilen Bereich für Finanzunternehmen. Vor dem Informatikstudium absolvierte er eine Lehre als Kommunikationselektroniker (Funktechnik) und nutzt dieses Wissen auch im privaten Umfeld.
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