Facebook spezifiziert PHP: Der nächste Streich nach HipHop, HHVM und Hack
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Zuerst kam HipHop, dann HHVM, danach Hack. Und jetzt setzt Facebook dem Engagement in der PHP Community die Krone auf, indem es eine komplette Spezifikation der PHP-Sprache vorlegen will.

So legitim Facebooks Bestrebungen sind, die Performance des nunmal in PHP-geschriebenen Facebook-Projektes zu verbessern, so fragt sich doch manch einer, was Facebook mit seinen ständigen „besser als PHP“-Projekten denn eigentlich im Schilde führt.

Die PHP-Spezifikation

Sara Golemon kündigte es am 22. Juli in den PHP Internals an: Die Facebook-Crew steht kurz davor, eine formale Spezifikation für PHP fertig zu stellen, die das aktuelle PHP 5.6 komplett beschreibt. Darüber hinaus soll eine Test-Suite bereit gestellt werden, mit der sich die Konformität einer PHP-Implementierung mit der Spezifikation feststellen lassen soll.

Die Stoßrichtung scheint klar: Gibt es vorab eine Spezifikation samt Testsuite, ist der Wettbewerb um die beste Implementierung eröffnet. Prinzipiell kann dann jeder eine Implementierung der Spezifikation vornehmen und überprüfen lassen – ähnlich, wie das beispielsweise bei Java der Fall ist. Heikel wird es im PHP-Lager deshalb, weil insbesondere Facebook eine HHVM-basierende Implementierung der nächsten PHP-Version lancieren könnte, noch bevor eine Zend-Engine-basierte Version verfügbar wäre.

Goodwill

Auf dem PHP Classes Blog beschreibt Manuel Lemos die Situation treffend als impliziten Wettbewerb zwischen Facebook und den PHP-Core-Entwicklern. Letztere hatten bekanntlich den durch die HHVM entstandenen Handlungsdruck angenommen und im Projekt PHPNG an Verbesserungen an der PHP Engine gearbeitet. Manch Beobachter hatte das als Versuch gedeutet, PHP auf die Höhe des HHVM JIT Compilers zu bringen.

Als User könnte man den Entwicklungen im Prinzip gelassen gegenüberstehen. Denn zweifellos hat der Wettbewerb Bewegung in die Szene gebracht. Doch gibt Lemos zu Bedenken, dass die mangelnde Offenheit, in der die Projekte derzeit entwickelt werden (sowohl Hack als auch PHPNG), zu Problemen führen könnte. Beispielsweise gibt es jetzt schon viele PHP Extensions, die explizit nur auf der Zend Engine laufen. Diese auch für Hack bereit zu stellen, sei nicht so einfach, sodass viele Entwickler Alternativen zum Zend Engine PHP nicht akzeptieren würden.

Drei Tipps für Facebook

Lemos wünscht sich von Facebook deshalb drei Dinge:

  1. Arbeitet nicht mehr hinter verschlossenen Türen
  2. Kooperiert enger mit Zend
  3. Stellt der Community Eure PHP Tools zur Verfügung

Punkt 3 hatte PHP-Erfinder Rasmus Lerdorf gefordert, und damit vor allem das bei Facebook gebrauchte System für statische Analysen gemeint. Neben dem Nutzen, den die Facebook-Tools der Community bringen würden, hätte eine zur Verfügung-Stellung noch einen wichtigen Nebeneffekt: Die Community würde es als Akt des guten Willens auffassen, dass Facebook es wirklich gut mit der Community meint und nicht nur Eigeninteressen verfolgt.

Partner statt Einzelkämpfer?

Ist es denkbar, dass Facebook und Zend irgendwann einmal gemeinsame Sache machen werden und der Traum Lemos’ wahr wird, dass Facebook seine Technologie in das Zend-Engine-basierte PHP einbaut, anstatt ständig Alternativen vorzulegen? Nun, dahin ist es sicherlich noch ein weiter Weg. Wir werden als nächstes zu sehen haben, wie die PHP-Spezifikation von Facebook in der breiten Community ankommt.

Wahrscheinlich hat Lemos mit seiner Prophezeihung recht: Die Story zwischen Facebook und PHP-Core-Entwicklern ist noch lange nicht zu Ende.

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