Signifikante Faktoren bei F&E-Prozessen

Forschung & Entwicklung – das sollten Softwareunternehmen berücksichtigen [Gastbeitrag]
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Wenn es darum geht, zu entscheiden, wie viel Zeit und Geld in Forschung und Entwicklung (F&E) gesteckt werden soll, gibt es von Softwareunternehmen zu Softwareunternehmen große Unterschiede, oftmals bestehen diese sogar zwischen den verschiedenen Produktlinien eines Unternehmens. Viele Firmen, die gerade einen Aufwärtstrend verzeichnen können, investieren einen Großteil ihres Cashflows strategisch in die Entwicklung von neuen innovativen Produkten. Der mit dem F&E-Prozess verbundene Aufwand soll sich schließlich über einen längeren Zeitraum auch finanziell rechnen. 

Signifikante Faktoren bei F&E-Prozessen

Schränken Unternehmen, die bereits eine Legacy-Software in ihrem Repertoire besitzen, ihre Forschungs- und Entwicklungsambitionen ein, hat das möglicherweise einen der folgenden Gründe: Die Marktbedingungen für ihre Produkte sind gerade nicht vorteilhaft; sie stecken gerade im Cash Cow-Mode und finanzieren mit ihrem Geld andere Projekte – oder sie tätigen ihre Investitionen im Rahmen einer Akquise-Strategie ganz „off the books“. Vor allem für Unternehmen der Softwarebranche ist es essenziell in F&E-Prozesse zu investieren, denn niemand kann es sich leisten, dass seine Technologie zu einem reinen Gebrauchsgegenstand wird – oder sogar vollkommen irrelevant für den Markt.

Entschließt sich ein Unternehmen dazu, in F&E-Aktivitäten zu investieren, sollten neben dem Budget und dem zur Verfügung stehenden Zeitrahmen in der Planung auch die folgenden Punkte beachtet werden:

•Konkrete Vorstellung vom Endprodukt

•Effizienter Einsatz der vorhandenen Mitarbeiter-Ressourcen

•Förderung von Zusammenarbeit im Team und kollektiven Ideenaustausch

•Angemessener Arbeitsaufwand für alle erforderlichen Aufgaben

Im Übrigen ist wichtig, dass die Laufzeit des F&E Prozesses möglichst kurz gehalten und die durchzuführenden Aufgaben von einer möglichst kleinen Arbeitsgruppe in relativ kurzer Zeit getätigt werden sollten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei einem allzu großen Zeitrahmen und Team das Risiko für einen Misserfolg höher ist, insbesondere was die ersten Ergebnisse betrifft, da die Erwartungen oftmals zu groß sind.  

Ebenso sollten die F&E-Aktivitäten auf die Modularität des ursprünglichen Designs abgestimmt sein, denn nur so kann gewährleistet werden, dass Neuerungen schnell von den Konsumenten angenommen werden. Zu solchen Erweiterungen zählt zum Beispiel die Entwicklung von Abstraktionsschichten für bestimmte Dienste oder von Persistenzschichten, die einen Plug and Play-Ansatz mit einer neuen Technologie wie Cloud-Service oder verteilter Bereitstellung erlauben.

Handelt es sich um ein international tätiges Unternehmen, gibt es noch zahlreiche andere Faktoren, die bei den F&E-Prozessen berücksichtigt werden müssen. So haben die verschiedenen geografischen Regionen unterschiedliche Bedürfnisse: Anwender haben unterschiedliche Erwartungen in Hinblick auf die Interface sowie auf Integrationsanforderungen und Lokalisierungsprobleme – dazu  gehören neben der Sprache auch uneinheitliche Konventionen hinsichtlich Datums- und Temperaturangaben oder Maßeinheiten –, die alle einen bedeutenden Einfluss nehmen. Die Auswahl von Technologien, die den Unicode vor Ort unterstützen, sowie die Internationalisierung und Lokalisierung der entwickelten Software tragen dazu bei, dass im Endeffekt alle Erwartungen des Endnutzers erfüllt werden.

Feedback von Kunden und Bedürfnisse des Marktes

Für ein produktorientiertes Unternehmen spielen nicht nur die vorhandenen Ressourcen eine wichtige Rolle, sondern auch der Input vom Markt und die Wünsche der Kunden. Das Feedback von Endnutzern kann auf verschiedene Art und Weise in den F&E Prozess integriert werden, relevante Informationen können aus sekundärwissenschaftlichen Publikationen wie Analystenberichten oder Whitepaper kommen. Darüber hinaus sollten tiefergreifende Kundeninterviews oder Meinungsumfragen durchgeführt werden, bei denen ermittelt wird, mit welchen Herausforderungen die Anwender konfrontiert sind. Bei der Befragung eines bereits bestehenden Kundenstamms sollte man sich der so genannten „Bestätigungstendenz“ bewusst sein: Ist eine Technologie beispielsweise auf Windows ausgerichtet, liegt es nahe, dass sich die befragten Kunden positiv zu Windows äußern und andere Systeme wie Linux außer Acht lassen.

Patentierung und Open Source

Ein Aspekt, der ein wichtiger Teil einer jeden F&E-Strategie darstellt, ist der Schutz von geistigem Eigentum. Bringt ein Unternehmen mit einem großen finanziellen und arbeitstechnischen Aufwand ein neues innovatives Produkt auf den Markt, spielt dessen Patentierung eine wichtige Rolle. Nicht selten weist das entstehende Patentportfolio einen beträchtlichen Wert für die Zukunft auf. Obwohl die Patentierung von technologischen Mustern und Erfindungen ein viel diskutiertes Thema ist, bei dem die Meinungen auseinander klaffen, sollten kluge Unternehmen in Hinblick auf den Schutz ihrer einzigartigen Errungenschaften und ihrer Marke nicht nachsichtig sein. 

Dem gegenüber steht die Open Source Community, die immer größere Wichtigkeit erlangt, sowohl für Anwender von Open Source-Software als auch für Unternehmen, die einen Beitrag an die Allgemeinheit leisten. Doch wenn sich Unternehmen mit technologischen Bausteinen beschäftigen, die bereits Schlüsselfunktionen von modernen Computing darstellen oder bereits auf dem Weg dazu sind, dann stellt ein Schritt in Richtung Open Source gleichzeitig eine Abkehr vom Patentschutz dar. Aus diesem Grund sollten Unternehmen ihre Investitionen in beide Richtungen tätigen: So können sie sowohl als Unternehmen, das zum Wohl der Allgemeinheit beiträgt, als auch als Anbieter von innovativen Produkten, die patentgeschützt werden müssen, wahrgenommen werden.

Die Patententwicklung ist heute vor allem im High-Tech Software-Bereich von überaus komplexer Natur. Denn vieles baut auf bereits Vorhandenes auf, und bestehende Muster und Technologien werden umgestaltet, um neu entstandene Probleme zu lösen oder neue Geschäftsmodelle hervorzubringen. Obwohl heute nach wie vor noch nie dagewesene Produkte entwickelt werden – wie etwa die Verknüpfung zwischen Software und Endgeräten im Wearable Computing-Bereich bzw. im „Internet der Dinge“, um nur ein Beispiel zu nennen –, ist vieles bereits sowohl in patentierter Form und auch als Open Source-Alternative vorhanden. Die zahlreichen Webanwendungen, Scripting-Tools und Idiome, die Standard-Muster und offene Protokolle unterstützen, gehören alle zur Grundeinrichtung unseres High-Tech-Universums, und können auf vielfältige Art und Weise neu verwendet oder kombiniert werden. Während neue Muster leicht patentiert werden können, stellt die Neukombinierung von bereits vorhandenen ein komplexeres Problem dar: Die Frage, ab wann ein einfaches Muster zu einem komplett „neuen Gegenstand“ wird, sorgt nach wie vor für Kontroversen. 

Es gibt heute viele Unternehmen, die dafür großen Respekt verdienen, dass sie ein Gleichgewicht zwischen kommerziellen Erfindungen und ihrem Beitrag zur Allgemeinheit, mit dem sie die gesamte Branche vorantreiben, schaffen. Zu diesen Organisationen gehört mit Sicherheit Google, denn das Unternehmen zeichnet sich mit seinen Investitionen in F&E durch große Risikobereitschaft aus, und leistet gleichzeitig einen Beitrag für die Allgemeinheit. In Hinblick auf Design hat Apple die Latte sehr hoch gelegt und zeigt uns immer wieder, dass High-Tech nicht notwendigerweise kompliziert zu verwenden sein muss. Und auch Salesforce hat bewiesen, dass eine leistungsstarke Software auch als erfolgreicher Service angeboten und ein F&E Modell so angepasst werden kann, dass auf sicherem und effizientem Weg auch eine Wertschöpfung auf Unternehmensniveau möglich ist. 

 

Aufmacherbild: Flat design icons for internet advertising web development Foto via Shutterstock / Urheberrecht: E_K

 

 

 

 

 

 

 

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