Wie man politischen Spielchen im Projektalltag aus dem Weg geht

Freud und Leid mit den lieben Kollegen
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Trotz einer legeren Arbeitsatmosphäre erleben wir auf IT-Projekten zuweilen filmreife politische Spielchen wie im Bundestag und Machtkämpfe wie im alten Rom. Nur dass man sich hierbei nicht mit dem Schwert oder der Lanze duelliert, sondern jede Gelegenheit genutzt wird, Kollegen, die einem vermeintlich im Weg stehen, mit Wortattacken, Widerreden und kleineren Gemeinheiten das Leben schwer zu machen.

Aufmacherbild: Hector Alejandro via Flickr

Auch im Rudel der IT-Spezialisten gibt es Alphatiere und diejenigen, die sich eher zurücknehmen. Es gibt neben den kollegialen Kumpeltypen auch die Widersacher, Künstler und Diven, die keine Götter neben sich dulden. Es gibt die analytischen Nachdenker und die ungeduldigen Macher, genauso wie es die einfühlsamen Sensiblen und die meinungsbildenden Anführer gibt. Treffen verschiedene Charaktertypen vor allem in Stresssituationen aufeinander, kommt es häufig zu Konflikten, Auseinandersetzungen oder zu einer längeren Funkstille, die die Zusammenarbeit enorm hemmt. Die Rede ist hier nicht von Mobbing, sondern von den alltäglichen (offenbar unvermeidbaren) Querelen unter Fachleuten oder mit den Fachabteilungen. Sicher hat jeder das schon einmal am eigenen Leib erlebt, und jeder kennt zumindest einen Kollegen im näheren Arbeitsumfeld, auf den man gut und gerne verzichten könnte. Aber warum machen sich einige das (Arbeits)leben nur so schwer? Rein faktisch verbringt man bei einem normalen 40-Stunden Job täglich mehr aktive Zeit mit seinen Kollegen, Mitarbeitern und seinem Vorgesetzten als mit seinem Partner, der Familie oder Freunden. Sollte man nicht gerade deshalb einen Weg finden, effizient und auch mit ein bisschen Spaß zusammenzuarbeiten?

Gerade unter rational denkenden Fachkräften jedoch erlebt man häufig, dass vieles erstmal in Frage gestellt wird, dass alles erläutert werden muss und dass Diskussionen über die richtige Vorgehensweise unendlich in die Länge gezogen werden. Dazu kommt, dass in heutigen IT-Projekten jeder seine Rolle ausübt und seine eigene Agenda verfolgt. Eigentlich müsste das gemeinsame Ziel im Vordergrund stehen, aber fast scheint es, als hätte jeder Projektbeteiligte sein eigenes Ziel, jedoch die Gesamtheit aller einzelnen Ziele fügt sich letztlich zu keinem Bild zusammen: Ein Puzzle, bei dem die Teile am Ende nicht zusammenpassen. Die teamorientierten Kollegen merken das sehr schnell und weisen immer wieder auf das Projektziel und die einzelnen Hürden und Meilensteine, die es bis dahin zu überwinden gilt hin, aber sie müssen sich leider immer wieder mit den energieraubenden politischen Spielchen einiger Kollegen herumschlagen. Auch der Projektleiter oder Vorgesetzte kann die unnötigen Reibereien und Machtkämpfe nicht aufhalten und muss immer wieder den Ball aufnehmen, um das Team so gut es geht zusammenzuführen. Wie aber verhält man sich, um nicht selbst zum Spielball in der Arena zu werden? Kann man das überhaupt verhindern und welche Regeln sollte man beachten, um einerseits nicht unterzugehen und sich andererseits nicht in der Gruppendynamik zu verzetteln? Hier ein paar allgemeine Tipps:

1. Abweisendes Verhalten nicht persönlich nehmen, sondern nach den Ursachen fragen

Als Erstes muss man sich fragen, wo das kontraproduktive Verhalten der Kollegen seine Ursache hat. Oft nimmt man unqualifizierte Kritik sehr persönlich und ärgert sich, dass man mit seinem Ansatz nicht weiterkommt und einige Kollegen immer wieder neue Ideen blockieren. Konstruktive Kritik ist dabei immer zu reflektieren, aber meist liegt das abweisende Verhalten der anderen an deren persönlichen Unzufriedenheit, Überlastung oder in negativen Erfahrungen in der Vergangenheit begründet. Ein schwieriger Weg. Denn nun gilt es die wahren Gründe herauszufinden, um die abblockenden Kollegen von seinem Weg zu überzeugen. Meist hilft da nur, konkret nachzufragen, was das eigentliche Problem ist und warum der oder die Kollegen die vorgestellten Sichtweisen oder Ideen in Frage stellen.

2. Sachlich bleiben

Wichtig ist, sich von der miesen Stimmung der Kollegen nicht anstecken zu lassen und sich nicht im Ton zu vergreifen. Dadurch würde die Situation immer mehr eskalieren. Eine angepasste, professionelle Art der Kommunikation ist die wichtigste Voraussetzung, um auch in Konfliktsituationen die eigene Reputation im Unternehmen nicht aufs Spiel zu setzen. Auf lautstarke Rückmeldungen sollte man daher besonders ruhig und bedacht reagieren und seine Argumente noch einmal sachlich betonen. Beliebte Spielchen sind auch das Verschicken von umgangsprachlichen „Piss-Mails“. Wenn man sich so richtig über das Verhalten eines Kollegen geärgert hat, wird eine E-Mail mit einer deutlichen Ansage an den entsprechenden Kollegen an einen größeren Verteiler geschickt. Die E-Mail ist voll von Schuldzuweisungen und zynischen „Wenn-dann“-Formulierungen. Eine solche emotionsgeladene E-Mail löst oftmals eine regelrechte Lawine an neuen Mails aus. Jeder muss in ähnlicher Weise seinen Senf dazugeben und schreibt sich den Frust von der Seele. Solches Verhalten ist der Zusammenarbeit wenig zuträglich und sorgt über lange Zeit für eine schlechte Stimmung. Greifen Sie in solchen Situationen also lieber zum Telefonhörer oder sprechen Sie den Kollegen persönlich an. Auch wenn das schwerer fällt, als eben mit einer E-Mail dem Kollegen die Meinung zu geigen. Sie verhalten sich kommunikativ professioneller wenn sie Konflikte offen, sachlich und direkt klären.

3. Stellung beziehen und standhaft bleiben

Oft besteht die Gefahr, dass ein Kollege oder auch der Chef versucht, einen auf seine Seite zu ziehen, um Befürworter seiner Strategie zu gewinnen und eine stabile Front gegen andere Abteilungen oder Bereiche aufzubauen. Hier sollte man klar Stellung beziehen und sich nicht zu Dingen überreden lassen, von denen man nicht überzeugt ist. Vor allem sollte man deutlich machen, dass man sich seiner eigenen Abteilung loyal gegenüber verhält und an Machtspielchen nicht interessiert ist. Wer sich einmal in diesen Teufelskreis begeben hat, wird bemerken, dass die Fronten sich immer mehr verhärten und das Teamwork mit anderen immer schwieriger wird.

4. Persönliches Netzwerk im Unternehmen nutzen

Statt Gegner sollte man eher Partner im Unternehmen suchen, die einen kompetenten Ruf genießen und ebenfalls wert auf ein zielorientiertes Arbeiten legen. Gleichzeitig sollte man sich in seinem Umfeld ein verlässliches Netzwerk aufbauen und die Agenda der anderen Bereiche kennen, um die Ziele aufeinander abstimmen zu können.

5. Präsent sein

Wer immer nur aus der Versenkung auftaucht, um seinen Senf dazuzugeben, darf sich nicht wundern, wenn er auf Widerstände oder Skepsis stößt. Nur wer sich für die Belange und die Arbeit seiner Kollegen und Mitarbeiter interessiert und sich darüber auch regelmäßig informiert und austauscht, gewinnt Vertrauen und findet Gehör für seine Ideen.

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