Frust und neue Hoffnung in PHPs Core-Entwicklung
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In den PHP Internals und vor allem drum herum ging es diese Woche heiß her. Nachdem Anthony Ferrara seinen Rückzug aus der Mitarbeit am Core erklärt hatte, haben sich mehrere bekannte Größen aus der

In den PHP Internals und vor allem drum herum ging es diese Woche heiß her. Nachdem Anthony Ferrara seinen Rückzug aus der Mitarbeit am Core erklärt hatte, haben sich mehrere bekannte Größen aus der PHP Community zu Wort gemeldet, und Dampf abgelassen. Wir fassen die vier wichtigsten Beiträge für Euch zusammen und versuchen, Euch damit einen Überblick über den Anlass der Streitigkeiten zu vermitteln. Es wurden auch einige Vorschläge zur Zukunft der Internals gemacht.

Anthony Ferrara: „Rambling On Internals

Den Startschuss machte der Core-Contributor Anthony Ferrara. Schon sehr lange habe er mit dem Gedanken gespielt, die PHP Internals zu verlassen. Doch nachdem seine jüngsten RFCs zu PHP 5.6 in einer für ihn unnachvollziehbar unsachlichen Diskussion abgeschmettert wurden, sah er darin den den richtigen Anlass, zu gehen. Der RFC-Prozess werde seiner Beobachtung zufolge nicht mehr in seinem eigentlichen Sinne, nämlich als Request for Comments, wahrgenommen. Schon in der Vergangenheit konnten sich einige Features nur durchsetzen oder erhalten, weil Kommentare ignoriert wurden, um die man eigentlich gebeten hatte. [sh. Phil Sturgeons Beispiel unten]

Ferrara sagt, dass sein Abschied nicht endgültig sei. Wenn in den Internals die Moderation verbessert werden sollte, sieht er nicht nur für sich selbst, sondern auch für die größere Community Chancen, sich an der gesitteteren Kern-Entwicklung beteiligen zu können. Doch noch fehle PHP die nötige Vision, Führung und Regulierung.

Phil Sturgeon: „T_PAAMAYIM_NEKUDOTAYIM v Sanity

Ferraras Frust fußt nicht auf einem einzelnen Beispiel. Um das Trolling in den Internals zu demonstrieren, ist Phil Sturgeon auf Perlensuche gegangen, und hat herausgefunden, warum es noch eine Fehlermeldung Parse error: syntax error, unexpected ‚::‘ (T_PAAMAYIM_NEKUDOTAYIM) gibt, wenn Parse error: syntax error, unexpected ‚::‘ ausreichen würde. Und diese Nichtigkeit geht zurück ins Jahr 2010. Die zugrunde liegende Diskussion wurde unter anderem von Felipe Pena, Rasmus Lerdorf und Ferenc Kovacs geführt. Sie soll zeigen, wie sich wenige vehement für die Erhaltung des Status quo einsetzen, ohne auf die Argumente vieler anderer einzugehen, die die Innovation vorantreiben wollen.

Brandon Savage: „If PHP ends up dead, it will be us who killed it

PHP-Entwickler und -Trainer Brandon Savage sieht in dem Trolling eine Gefahr für PHP. Viele Teilnehmer von Core-Diskussionen scheinen sich auf den Erfolgen von PHP auszuruhen, und deswegen nicht mehr innovieren zu wollen. Probleme, die mit dem Hinzufügen neuer Features unweigerlich einhergehen, wolle man um jeden Preis vermeiden. Am deutlichsten zeige sich das in dem kurzen Feature-Katalog, den der Release von PHP 5.5 vorzuweisen hat. Doch PHP-Entwickler außerhalb des Cores, wie Savage selbst, sind auf die Innovationen angewiesen. Wenn ein Chaos wie in dieser jungen Diskussion zum Standard wird, könnte der PHP-Core weitere Experten wie Ferrara verlieren, und PHP würde sich zu einer zweitklassigen Sprache entwickeln.

Anna Filina: „How to make PHP better

„PHP wird nicht so bald sterben“, sagt die PHP-Beraterin Anna Filina. Die [oben] genannten Probleme seien schon länger bekannt, und keiner der Hiobsbotschaften soll man Glauben schenken. Die langsame Entwicklung von PHP erklärt sie damit, dass man für PHP Abwärtskompatibilität hoch priorisiert hat, um für den Enterprise-und Government-Bereich attraktiv zu bleiben. Oft wird dies zusammen mit kleinen Verbesserungen im Core übersehen, um sich dramatisch und lautstark darüber beschweren zu können. Und in diesem Drama sieht Filina oft nicht mehr als ein Marketinginstrument. Nichtsdestotrotz muss sich im Core etwas ändern, und dazu hat die Beraterin drei wichtige Punkte vorgeschlagen:

  1. Eine bessere Orgranisation der Diskussionen, etwa in einem Forum
  2. Eine allgemeine Roadmap, die von einer einzelnen Person moderiert wird, die nicht Teil der PHP Community sein muss
  3. PHP als Stiftung organisieren, um Gelder für Vollzeitentwickler und Community-Betreuer zu verwalten

Frust und neue Hoffnung

Die Beschwerden und Befürchtungen haben also auch neue Ideen in die Diskussion eingebracht, wie eine Zukunft der PHP Internals aussehen könnte. Phil Sturgeon bloggt bereits über konkrete Vorstellungen zu einem möglichen Workflow der Internals. Wer also tief im Core involviert ist, oder es plant, auf den warten vielleicht angenehmere Zeiten.

Vieles davon wird den gemeinen PHP-Entwickler oder WordPress-Admin da draußen aber nie erreichen. Denn während er sich freut, dass er seinem Kunden einen stabilen Blog aufgesetzt hat, der auf iPhones gut aussieht und nicht gehackt wird, streiten sich eine Handvoll Entwickler in für ihn sehr rätselhaft anmutenden Mailinglisten darüber, wie viele Leerzeichen am Anfang einer Codezeile sein sollten oder wie man Arrays kürzer schreiben kann. Und dabei wurde doch sein Blog-Problem schon längst gelöst. Innovation ist schön. Aber wozu der ganze Streit?

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