Interaktive geografische Karten mit AcrGIS for SharePoint

Geo Business Intelligence in SharePoint
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Nie war es so einfach, digitale Landkarten mit gehobenem Nutzwert in SharePoint zu veröffentlichen. Einige Hersteller bieten Silverlight-Komponenten an, um Entwicklern die Möglichkeit einzuräumen, Content mit Raumbezug in SharePoint-Sandkastenlösungen zu visualisieren. Andere offerieren hoch konfigurierbare Solutions out of the box, die denen einer ausgereiften Desktop- oder Netzwerkanwendung funktional kaum nachstehen. Es lassen sich damit beispielsweise BI-Cockpits einrichten, die die häufig in Organisationen gegebenen räumlich-komplexen Zusammenhänge von Daten auf einen Blick erfassbar in Karten darstellen.

Das Unternehmen Environmental Systems Research Institute Inc., kurz Esri, gibt es seit etwas mehr als 40 Jahren. Esri gehört zu den Topanbietern von Geografischen Informationssystemen (GIS) und Kartengrundlagen. Wer sich auch nur entfernt mit GIS beschäftigt hat, sollte zumindest von den so genannten Esri-Shapefiles gehört haben. Diese werden nicht nur in Produkten von Esri eingesetzt, sondern stellen eine Art Standard in vielen freien und kommerziellen GIS-Produkten für Desktop und Web dar. Insofern handelt es sich bei der SharePoint-Lösung von diesem Anbieter um ein Produkt mit einem profunden Background in Sachen GIS, wobei die Version 2.0 bereits darauf hindeutet, dass es auch an SharePoint-Backgrounds nicht mangelt, was sich in einer gelungenen Integration in die SharePoint-Benutzeroberfläche niederschlägt. Das SharePoint-GIS für Foundation und Server 2010 lässt sich leicht installieren, liefert eine Anleitung für das Deployen mit und verfügt über eine umfangreiche Onlinehilfe, die auch Laien in Schritt-für-Schritt-Anleitungen in Sachen Themenkartenerstellung ans Ziel führen sollte. Last but not least wird die Entwicklung eigener Erweiterungen für das ArcGIS Map Web Part unterstützt.

Deployen ganz einfach

ArcGIS for SharePoint, derzeit nur englischsprachig verfügbar, kann von der Webseite des Herstellers nach dem Anlegen eines kostenfreien globalen Accounts ebenso kostenfrei heruntergeladen werden [1]. Für Entwicklungs- und Testzwecke oder die Nutzung im Lehrbereich sowie in weiteren Fällen, nachzulesen unter Pricing auf der Website, werden keine Lizenzgebühren erhoben. Voraussetzungen für die Nutzung von ArcGIS for SharePoint sind entweder eine SharePoint-Foundation-2010- oder SharePoint-Server-2010-Installation auf einer Windows-Desktop-Entwickler- oder Evaluationsmaschine oder auf Windows Server 2008 und die Unterstützung von Silverlight-Anwendungen im IIS. In den meisten Fällen ist die Silverlight-Unterstützung in Windows Server 2008 oder Windows 7 bereits gegeben. Sollte eine Silverlight-Anwendung Probleme verursachen, ist zu prüfen, ob die entsprechenden MIME-Typen (XAP, XAML und XBAP) [2] korrekt im IIS zugeordnet wurden. Das Installationspaket enthält ein typisches Installationsprogramm in Form einer Setup.exe für das einfache, dialoggeführte Deployen in Webapplikationen und Websitesammlungen in einer SharePoint-Farm. Ebenso enthalten sind das Website Solution Package (WSP), das die Features, Ressourcen und Konfigurationsdateien enthält, eine Willkommensdatei mit detaillierter Installationsanleitung, Lizenzinformationen und ein PowerShell-Script. Mit dem Script können Administratoren den Lesen-Zugriff auf SharePoint-Listen zulassen, deren geokodierte Daten in einer Karte im ArcGIS Web Part auf einer Seite mit anonymem Zugriff visualisiert werden sollen.

Nach dem Ausführen der Setup.exe und dem Bestätigen der Lizenzbedingungen werden im Installationsdialog neben der Zentraladministration alle auf dem Zielsystem befindlichen Webanwendungen und deren Websitesammlungen einzeln für die Installation angeboten und können per Kontrollkästchen als Ziel ausgewählt werden. Wird ein Häkchen für eine Webanwendung gesetzt, aber nicht für eine darin enthaltene Site Collection, ist das AcrGIS Mapping for SharePoint Feature zwar verfügbar, jedoch nicht aktiviert. Das kann allerdings manuell in den Websiteeinstellungen auf Root-Ebene nachgeholt werden. Im letzten Installationsschritt wird die Option angeboten, die Assembly für Erweiterungen des Map Web Parts zu installieren. Dabei handelt es sich um eine Library auf der Basis von Silverlight 2. Modifikationen an der Installation oder die Deinstallation können ebenso über die Setup.exe durchgeführt werden.

Über Default hinaus konfigurieren

Das Mapping wird von ArcGIS for SharePoint durch verschiedene Dienste, Objekte, Dateien, Verknüpfungen und Erweiterungen unterstützt, die allesamt angepasst werden können. Dazu zählen Kartengrundlagen (Basemaps), Verbindungen zu Servern oder internen Listendaten, Koordinatendienste (Geometry Services) für den Austausch von Koordinatenreferenzen, Geokodierdienste (Locators) für die automatische Verortung von Daten aus Listen mit entsprechenden Adressinformationen, themengruppierte Symbole und schließlich Erweiterungen. ArcGIS for SharePoint ist nach der Installation per Default bereits bestens konfiguriert, um damit loslegen zu können. Die Einstellungen werden je Websitesammlung vorgenommen. Als Basemaps können neben den ArcGIS-Kartengrundlagen beispielsweise Bing Maps oder OpenStreetMap verwendet werden. Die Layer-Technik in Verbindung mit den Koordinatensystemen erlaubt deren Verwendung mit der Benutzeroption, zwischen diesen sogar zur Laufzeit umschalten zu können. Ein Standard-Koordinatensystem für die Verortung von Daten in Karten ist das WGS84-System (World Geo Geodetic System 1984), das beispielsweise auch in Navigationssystemen zu Hause ist.

Es gibt weitere Systeme, die entsprechend als geodätische Referenzsysteme über die Geometry Services für ArcGIS for SharePoint verwendbar sind. Nicht als einziges Highlight zu nennen ist die workflowgestützte Geokodierung von Listendaten, die unter anderem mit SharePoint-Listen funktioniert. Geokodieren bedeutet, einer Adresse entsprechend Längen- und Breitengrad-Flächenkoordinaten dem verwendeten geodätischen System zuzuordnen, damit sich diese auf einer Karte darstellen lässt. ArcGIS legt hierfür nicht nur einen Dienst fest. Er kann frei aus weltweit verfügbaren Services gewählt werden, die je nach Anzahl zu geokodierender Adressen sogar kostenfrei genutzt werden dürfen – Informationen über die Dienste sollten auf jeden Fall eingeholt werden. Symbole zur Kennzeichnung geokodierter Kartenobjekte werden zur Auswahl in einer Symbolgalerie zur Verfügung gestellt. Symbolvorräte sind in XAML-Ressourcendateien zu Themengruppen zusammengefasst, die in einer Dokumentbibliothek auf Root-Ebene zu finden sind. Die XAML-Dateien können bearbeitet werden, um den Symbolvorrat zu ändern. Es lassen sich auch komplette Sätze hinzufügen, die entweder in der entsprechenden Dokumentbibliothek abgelegt werden oder auf die außerhalb der Bibliothek verlinkt wird (Abb. 1).

Abb. 1: ArcGIS Map Web Part mit einer Themenkarte
Abb. 1: ArcGIS Map Web Part mit einer Themenkarte

Ist das ArcGIS Map Web Part in eine Seite bzw. Web-Part-Seite eingefügt, stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Visualisierung von thematischen Karten bereit, die selbstverständlich von deren Betrachtern mit entsprechenden Rechten interaktiv genutzt werden können. Damit lassen sich entscheidungsrelevante Inhalte transportieren. Ein hoher Prozentsatz aller Daten einer Organisation hat Ortsbezüge. Beispiele dafür gibt es viele: Kunden haben Adressen, werden in bestimmten Gebieten angetroffen und besuchen bevorzugte Einkaufsstätten. Außendienstmitarbeiter bearbeiten ihnen zugewiesene Regionen, Güter werden über Zwischenlager verteilt, für Leistungen lassen sich Tarifzonen festlegen. Es werden gebietsbezogene Marktforschungsdaten ausgewertet, Distributionsregionen fixiert, Einzugsgebiete ermittelt und Verteilungsgebiete für Prospekte bestimmt. Die Daten aus diesem Auszug an Beispielen lassen sich selbstverständlich in Tabellen, Matrizen und Diagrammen darstellen, um sie zum Beispiel für die Entscheidungsfindung zu nutzen. Im Idealfall stehen sie per Abfrage auf Knopfdruck zur Verfügung. Aufgrund der vielfältig vorhandenen Ortsbezüge ist es jedoch auch erstrebenswert, die räumlichen Zusammenhänge darzustellen und zu ergründen.

Die Integration von geografischen Karten versetzt in Dashboards oder Berichten schnell komplexe Informationen in einen einfach zu verstehenden räumlichen Kontext. Damit sind Karten eine weitere Navigationsebene durch umfangreiche Datenbestände für visuell-analytische BI-Zwecke. ArcGIS for SharePoint unterstützt fast alle genannten Anforderungen als Geografisches Informationssystem, mit der Fähigkeit, Daten aus unterschiedlichen Quellen zu verwenden, die als Layer verortete Flächen-, Linien- und Punktdaten enthalten. Wie bereits erwähnt, können als Kartengrundlagen neben ArcGIS Online oder den ArcGIS Server Map Services auch Bing Maps oder OpenStreetMap verwendet werden. Quelldaten für die Visualisierung liefern neben SharePoint-Listen Daten, die in einem Personen- oder Unternehmensaccount des ArcGIS.com Map Centers aus eigenen Quellen mit Layern zu Themenkarten verarbeitet werden. Die im Map Center erstellten Karten können mit anderen Benutzern oder Gruppen geteilt oder in der Community veröffentlicht werden. Dies natürlich auch in anderen Sphären des Webs, auf lokalen Servern oder auf dem Desktop mit den entsprechenden ArcGIS-Komponenten und -Anwendungen.

Eigene oder für die Öffentlichkeit freigegebene Themenkarten der Community lassen sich wiederum im Map Web Part öffnen. Zum Erstellen von Karten mit entscheidungsadäquatem Informationsgehalt ist ein Verständnis für geografische Strukturen und Sachverhalte ein Muss. Schließlich sind Daten mit Ortsbezug zu erkennen, zu beschaffen und aufzubereiten. Soll beispielsweise eine geografische Karte angefertigt werden, die Produktverkäufe in Postleitzahlgebieten visualisiert, werden zum einen die auf die Postleitzahlgebiete aggregierten Verkaufszahlen als analytische Daten benötigt und zum anderen die räumlichen Daten zur Darstellung der geografisch zu projizierenden Polygone der einzelnen Postleitzahlgebiete. Somit ist zu klären, ob ein Layer zur Verfügung steht, mit dem Postleitzahlgebiete darstellbar sind, und wie die analytischen Daten zu „Postleitzahlgebietsdaten“ aggregiert werden können. Während Layer im passenden Format recherchiert und in der Regel lizenztechnisch erworben werden können, ist für die Daten eine Zuordnungsmöglichkeit zu ermitteln. Um festzustellen, wohin Artikel geliefert wurden, bietet sich an, bei Direktverkäufen Fakturierungsdaten mit der Anschrift der Kunden zu untersuchen oder für Vertriebskanäle die Anschriften von Distributoren. Diese enthalten sicher Postleitzahlen. Der Rest ist Datenbankarbeit. Die AcrGIS.com-Hilfe [3] enthält umfangreiche Unterstützung zu diesem Thema in englischer Sprache.

ArcGIS Server und ArcGIS Spatial Data Service

Mit ArcGIS Server [4] können GIS-Ressourcen unternehmensintern oder im Web frei zugänglich gemacht werden. Zu diesen Ressourcen zählen Karten, Globen, Geokodierdienste, Geodaten und Werkzeuge. Sie werden auf dem ArcGIS Server-System erstellt und bereitgestellt, um sie dann in Clientanwendungen, z. B. dem ArcGIS Map Web Part, interaktiv verwenden zu können. Die Quellen für thematische Karten befinden sich somit quasi in der Esri-Cloud. In ihr werden die Daten zentral verwaltet, womit mehrere User gleichzeitig versorgt werden können, die zeitnahe Aktualisierung der Daten auf Clients erhalten. ArcGIS Server bietet darüber hinaus einiges mehr, beispielsweise Web-APIs für JavaScript, Flex und Silverlight oder Erweiterungen für die Nutzung des Google Maps API sowie konfigurierbare Webanwendungen, wie den Viewer für Flex oder eben ArcGIS Mapping for SharePoint.

ArcGIS Spatial Data Service (SDS – Service für räumliche Daten) ist eine REST-Schnittstelle, die Inhalte einer SQL-Server-Instanz im Web bzw. Intranet freigibt. Tabellen mit räumlichen Daten können hiermit als Layer im ArcGIS Map Web Part visualisiert werden.

Abb. 2: Workflow zur Geokodierung von Adressen einrichten
Abb. 2: Workflow zur Geokodierung von Adressen einrichten
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