Google Code ist Geschichte
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Google ist für vieles bekannt: Das Unternehmen macht in Suche, Hosting, mobile Betriebssysteme und mehr oder weniger stylische Geek-Accessoires. Nicht ganz so ruhmreich ist indes Googles Produktpolitik – Zöpfe, die manchmal noch so schick sind, werden einfach gerne einmal abgeschnitten.

Seien es WebViews in alten Android-Versionen, mit denen man User auf sich selbst überlässt, oder aber gänzlich neue Sprachen, die eigens für ein Framework entwickelt werden und dann sang- und klanglos durch etwas anderes ersetzt werden. Jetzt gibt es ein neues Opfer: Google Code.

Bidding Farewell to Google Code

Wer auf Google Code unterwegs ist, dem wird auf der Startseite unter dem Bereich Project Hosting wahrscheinlich ein kleiner, unscheinbarer Hinweis auffallen: „Project Hosting on Google Code will close on January 25th, 2016.“ Damit wird im Januar 2016 eine zehnjährige Geschichte enden.

Denn damals, so das Team in Googles Open Source Blog, war die Welt des Projekt-Hostings noch sehr eingeschränkt – und das wollte man nicht hinnehmen:

We were worried about reliability and stagnation, so we took action by giving the open source community another option to choose from.

In den letzten Jahren jedoch seien zahlreiche neue Projekte aufs Parkett getreten – die allesamt deutlich mehr zu bieten hatten als Google Code. Was also liegt näher, als eben jenen Stars der Projekthosting-Szene Platz zu machen?

Tod auf Raten

Wie nicht anders zu erwarten existiert ein ausgeklügelter Plan, wie der Tod auf Raten vollzogen wird. So wurde am 12. März bereits der erste Schritt eingeläutet, indem man die Möglichkeit, neue Projekte anzulegen, abgeschaltet hat.

Ab dem 24. August beginnt dann die zweite Phase, in der alle Projekte auf Read-only geschaltet werden. Es wird aber weiterhin möglich sein, Projekte auszuchecken, Wikis und den Issue-Tracker einzusehen.

Ab dem 25. Januar 2016 ist es dann so weit, code.google.com wird abgeschaltet. Für den Rest des Jahres 2016 wird es noch möglich sein, die Projekte, Wikis und Issues als Tarball herunterzuladen – danach werden unsere Enkel nur noch vom Hörensagen wissen, dass Google auch einmal als Hoster für Open-Source-Projekte in Aktion trat.

Migration leicht gemacht

Alle Projekte werden angehalten, Google auf GitHub zu folgen. Dorthin hat der Suchmaschinengigant nämlich selbst fast 1.000 Projekte migriert. Projekte wie Android und Chrome werden selbstverständlich auch weiterhin über Google laufen, und auch die Mirrors von Eclipse, kernel.org und anderen Projekten werden auch künftig mit Liebe bedacht.

Um Open-Source-Projekten den Umstieg so leicht wie möglich zu gestalten, bietet Google zahlreiche Tools, wie beispielsweise das Google Code to GitHub Exporter Tool oder die Tools für die Migration nach Bitbucket. SourceForge bietet einen eigenen Service, um Projekte von Google Code zu migrieren.

Die anderen Dienste jedenfalls scheinen vorbereitet zu sein – und bei Google selbst spürt man keinen Abschiedsschmerz:

GitHub and Bitbucket are both looking forward to working with developers moving off of Google Code. They’ve been great to work with leading up to this announcement, so we’d like to thank those sites for their continued support of the community. There are some great options for people today that didn’t exist in 2006, and we look forward to helping you find the one that works for your project.

Weitere Informationen findet man in Chris DiBonas offizieller Ankündigung, in der sich auch ein Blick in die Kommentare lohnt. Überraschenderweise sind eben dort viele, die aus Prinzip bisher bei Google Code geblieben sind, weil ihnen die anderen Services zu kompliziert erschienen. Doch auch für sie gibt es nun keinen anderen Weg mehr, als sich einen neuen Ort für ihre Projekte zu suchen.

Google Code wird also bald Geschichte sein. Danke für alles; es waren zehn spannende Jahre.

Aufmacherbild: Textured old paper sepia background with naked tree and flying birds von Shutterstock / Urheberrecht: Protasov AN

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