Grundlagen der technischen Informatik
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Autodidaktische Informatiker verbringen oft nur wenig Zeit damit, sich die Grundlagen eines digitalen Computersystems vor Augen zu führen. Aus kommerzieller Sicht ist das nicht unlogisch, da derartiges Grundwissen nur selten direkt zu Einnahmen führt.

Dennoch ist es sinnvoll, sich entsprechendes Wissen anzueignen, da es oft zu effizienteren Designentscheidungen führt. Dirk W. Hoffmann beginnt in seinem Buch im wahrsten Sinne des Wortes bei null. Nach einem Kapitel über die Entwicklung der Rechentechnik im Allgemeinen folgt eine grobe Einführung in Halbleitertechnik. Leser dieses Abschnitts können danach zwar keine Schaltungen konstruieren, verstehen aber zumindest die wichtigsten Grundlagen.

Im nächsten Schritt stellt das Lehrwerk Zahlendarstellung, boolesche Algebra und Schaltnetze sowie deren Minimierung vor. Der Autor beweist hier enorme Liebe zum Detail; eine Gruppe von Übungsaufgaben hilft außerdem beim Überprüfen des Verständnisses. Wer nicht in die Rüstungselektronik gehen möchte, darf in diesem Teil des Buchs seine Querlesefähigkeit zur Schau stellen.

Praktischer Einblick in klassische Rechnerarchitekturen

Die nächsten Kapitel stellen klassische Schaltkreise aus Digitalelektronik und Mikroprozessortechnik vor. Neben Addierern, Subtrahierern und ALUs wendet sich das Werk auch fortgeschritteneren Themen wie der Mikroprogrammierung (ROM als Wahrheitstabelle) zu. Im elften Kapitel entsteht ein eher primitiver 4-Bit-Mikroprozessor, der die in den vorhergehenden Kapiteln besprochenen Teile zu einer funktionierenden Gesamtschaltung zusammenführt.

Auch hier ist zu beachten, dass die erlernten Informationen nicht zum Design eigener komplexer MCUs ausreichen – für das Lesen des Datenblatts eines interessanten Mikrochips sind sie dennoch hilfreich.

Im zwölften Kapitel führt das Werk die bisher besprochenen Themenfelder zusammen. Neben der Vorstellung von klassischen Rechnerarchitekturen und Methoden zur Performancesteigerung geht Hoffmann auch auf diverse Benchmarksysteme ein.

„Grundlagen der technischen Informatik“ wird an vielen Universitäten als Lehrbuch eingesetzt, bleibt aber auch für interessierte Quereinsteiger lesbar. Als klassische Nebenbeilektüre ist das Buch aufgrund seines enormen thematischen Umfangs eher schlecht geeignet.

Die Layoutabteilung des Carl Hanser Verlags verdient an dieser Stelle besonderes Lob: Alle Grafiken sind in der Nähe ihrer Erwähnungen im Text. Online erworbene E-Books können allerdings nur zwei Mal im PDF-Format heruntergeladen werden, zudem werden die einzelnen Seiten als PDFG-Files geladen, ein schnelles Durchblättern ist daher eher nicht möglich.

Fazit

Dirk W Hoffmann schafft den Spagat zwischen klassischem Lehrbuch und einem für Autodidakten geeigneten Buch für Zwischendurch. Nach dem Durchlesen der „Grundlagen der technischen Informatik“ verfügen Sie über das nötige Grundwissen, um einen Blick hinter die Kulissen ihres Rechners oder Prozessleitsystems zu werfen.

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