Was steckt hinter den Jobtiteln?

Head over Heels Coordinator oder Software Modelling Coach
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Es ist schon erstaunlich, wie titelgläubig wir sind. Um dem Anwendungsentwickler, dem System Ingenieur oder einem IT-Spezialisten, der für die Bereiche Test- und Qualitäts-sicherung verantwortlich ist, einen Namen zu geben, lassen sich Unternehmen viele interessant klingende Bezeichnungen einfallen. Beliebt sind dabei englische Titel, um eine gewisse Standardisierung zugrunde zu legen. Im Ergebnis sind es jedoch manchmal recht komisch anmutende Titel, mit denen am Ende doch keiner so recht etwas anzufangen weiß. Vielfach kann man nur erahnen, welche Aufgaben sich dahinter verstecken, vor allem wenn ein Titel sich auf der Visitenkarte über zwei Zeilen erstreckt.

Viele Unternehmen beabsichtigen mit immer neu erfundenen Titeln häufig eine besonders kreative Art der Motivation ihrer Mitarbeiter. Beliebt ist dabei die Verwendung der Bezeichnung „Manager“ oder „Senior“, was aussagen soll, dass es sich bei dem Stelleninhaber um eine Person mit viel Erfahrung bzw. viel Verantwortung handelt. Leider ist das nicht immer der Fall, und Jobtitel sind auch nicht rechtlich geschützt, sodass man nicht davon ausgehen kann, dass ein IT-Softwaremanager in einem kleinen Softwarehaus die gleichen Aufgaben zu erledigen hat, wie einer, der in der IT-Abteilung einer Versicherung arbeitet. Wie also soll man z. B. aus Titeln der Stellenausschreibungen herauslesen, was einen genau erwartet und wie viel Verantwortung und Eigenständigkeit der Job mit sich bringt? Oft werden in den Onlinestellenbörsen die offenen Jobs mit Formulierungen und ausschmückenden Worten beschrieben, die an die beschönigenden Darstellungen von Ferienhotels in den Urlaubskatalogen erinnern. Genau wie man sich hier vor Feriendomizilen in „lebhaften Lagen mit ständig erweitertem Angebot“ in Acht nehmen sollte, weil sich solche meist an der Hauptstraße neben einer Großbaustelle befinden, so sollte auch der Jobsuchende hellhörig werden, wenn in einer Stellenausschreibung von „Multitasking“ oder „abwechslungsreichen Koordinationsaufgaben“ die Rede ist. Hier herrscht in aller Regel Chaos und es wird ein Mädchen für alles gesucht und weniger ein IT-Experte mit klar definierten Aufgaben. Man sollte also bei der Aufgabenbeschreibung auch zwischen den Zeilen lesen und bei besonders kreativen Jobtiteln eher skeptisch sein, denn nicht immer hält der Titel, was er verspricht. Hier ein paar (reale, wenn jedoch aus rechtlichen Gründen anonymisierte) Beispiele aus diversen Internetjobbörsen:

Software Support Migration Manager (m/w)

Ihre Aufgaben:

  • Verantwortlich für die Sales Pipeline
  • Verfolgen von Leads und Sicherstellung von Follow-Up-Einsätzen
  • Gute Kenntnisse des Mitbewerbermarkts zur Verbesserung der firmeninternen Dienstleistungen und strategischen Positionierung
  • Erarbeitung der Sales-Quoten sowie der zukünftigen Richtung im Softwareproduktmanagement
  • Zum Teil Verantwortung als Onsite-Projektmanager
  • Erstellen eines gemeinsamen, langfristigen Businessplans zusammen mit dem Kunden…

Ihr Profil:

  • Technisches Studium oder eine technische Ausbildung
  • Sehr gute Produktkenntnisse in …
  • 8 bis 14 Jahre Sales- oder Pre-Sales-Erfahrung
  • Kenntnisse in Industrie-, Produkt- und Techniktrends
  • Tiefgreifende Projektmanagementkenntnisse…

Bewertung: Wer hätte gedacht, dass sich hinter einem Software Support Migration Manager eine strategische Sales- Frau/ein strategischer Sales-Mann verbirgt, die/der 8 bis 14 Jahre (!) Erfahrung in diesem Umfeld mitbringen soll? Ein bisschen Projektmanagement und viel technisches Produkt-Know-How, aber nichts für jemanden, der technisch arbeiten will, sondern ein Job für einen Hunter, der Aufträge und Umsatz generieren will.

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