Im Gespräch mit Stephan Schmidt

Im Gespräch mit Stephan Schmidt
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Neben der Schreiberei bist du auch Head of Web Sales Development bei der 1&1 Internet AG. In dieser Rolle findet man dich sicherlich häufiger im Vorstellungsgespräch mit PHP Programmierern wieder. Was

Neben der Schreiberei bist du auch Head of Web Sales Development bei der 1&1 Internet AG. In dieser Rolle findet man dich sicherlich häufiger im Vorstellungsgespräch mit PHP Programmierern wieder. Was macht für dich einen guten Entwickler aus?

Nils Langner

Nils, der an der Universität Freiburg Informatik studierte, treibt sich nun mehr seit fast 10 Jahren in der Webentwicklung herum und arbeitet derzeit für eines der größten Verlagshäuser Europas im Qualitätsmanagement der Onlinesysteme. In seiner Freizeit betreibt er einen sehr erfolgreichen deutschsprachigen PHP Blog, in dem er seine Erfahrungen zum Thema PHP kundtut. Hier werden aktuelle Geschehnisse aus der PHP-Gemeinde genau so besprochen, wie Best Practices aus der Softwaretechnik. Ein Blatt wird dabei nie vor den Mund genommen.

Naja, mein letztes Vorstellungsgespräch mit einem PHP-Entwickler dürfte schon mindestens zwei Jahre her sein. Die Gespräche mit PHP Entwicklern führt mittlerweile Frank Kleine, der das PHP-Team in unserer Abteilung leitet. Ich selbst sitze mittlerweile häufiger in Gesprächen mit Java Entwicklern oder auch Web-Frontend-Entwicklern. Das ist auch eine schöne Überleitung zu den Tugenden, die ein guter Entwickler braucht: Er sollte sich weiterentwickeln können und wollen. Besonders das „wollen“ halte ich für den wichtigen Teil. Ich selbst habe bei 1&1 als reiner PHP Entwickler angefangen. Mittlerweile leite eine Abteilung mit 2 Java Teams, einem PHP Team und einem Frontend-Team und alle arbeiten harmonisch miteinander. Ich möchte damit nicht sagen, dass die Entwicklung von PHP zu Java stattfinden sollte, aber ich halte den Blick über den Tellerrand für wichtig. Wenn ich mal zum Programmieren komme, dann verwende ich sowohl Java als auch PHP, das verhindert einfach, dass man sich zu sehr auf die Entwicklung einer Sprache fokussiert und Ideen verpasst, die in anderen Sprachen stattfinden.

Die IoC-Implementierung von Stubbles ist zum Beispiel eine Portierung von Google Guice, einem Java Framework für Dependency Injection. Würde ich mich nicht mit beiden Sprachen befassen, weiß ich nicht, wie unser Stubbles Framework aussehen würde. Die Software-Entwicklung macht innerhalb kürzester Zeit riesige Sprünge, da ist es mir also nicht so wichtig, dass ein Entwickler jedes Detail von PHP oder Java kennt, sondern dass er bereit ist, andere Wege auszuprobieren. Aus diesem Grund hängt bei mir auch ein „Embrace Change“ Poster im Büro.

Trotz deines Jobs findest du immer noch Zeit für „Frameworks“, wie pat oder stubbles zu arbeiten. Wenn du alle Zeit der Welt hättest, welche Idee oder welches Projekt würdest du für PHP gerne umsetzen oder pushen?

Wenn ich wirklich Zeit hätte und mir C nicht so zuwider wäre, dann wäre das eindeutig PHP selbst. Mit dem Release von PHP 5.1 sah es so aus, also würde sich PHP rasend schnell weiterentwickeln und wäre bei der Entwicklung neuer Features ganz vorne mit dabei (vor allem dank der SPL und den magischen Methoden). Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass die PHP Entwicklung stagniert: statt neue Releases zu machen, wird mehr diskutiert. Anstatt PHP sind nun Ruby, Groovy und Scala in aller Munde. PHP hat sehr gute Core-Entwickler, aber ich habe das Gefühl, dass PHP eine Vision fehlt, wo es hingehen soll. Wenn wir nicht aufpassen, dann wird PHP 6 schnell das neue Perl 6, eine ewige Ankündigung ohne ein Release.

PEAR ist auch eine Spielwiese, auf der man dich früher häufig antreffen konnte. Wie siehst du die Zukunft von PEAR in Konkurrenz zu Zend Framework, Symfony und Co?

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So leid es mir tut, glaube ich nicht, dass PEAR eine Chance gegen die anderen Frameworks hat, die auf den Markt drängen. PEAR war aus meiner Sicht immer eher eine Bibliothek von Open Source Entwicklern für Open Source Entwickler. Im Vergleich zum Zend Framework und Symfony hat PEAR somit zwei Schwächen: Als PEAR ins Leben gerufen wurde, hat es ausgereicht, eine Website anzubieten, auf der Entwickler sich den Code runterladen konnten und diese in einem Blog zu verlinken. Wir haben das damals auch mit pat gemerkt, was bei uns nur ein kleines Hobby war, hat sich sehr schnell verbreitet und eine Menge Entwickler haben unseren Code eingesetzt. Mittlerweile stellen Firmen jedoch andere Ansprüche an den Fremd-Code, den sie einsetzen. Es kommen Fragen zu kommerziellem Support, zu Intellectual Property oder Coding und Dokumentations-Standards auf. Ein reines Open Source Produkt hat es damit schwer, sich gegen Konkurrenz-Produkte durchzusetzen, hinter denen ein Unternehmen wie Zend steht. Um ein Open Source Produkt wirklich bekannt zu machen, muss man es heute schon fast genauso professionell vermarkten, wie ein kommerzielles Produkt.

Neben den Frameworks hinter denen ein Unternehmen steht (es gibt ja auch noch ezComponents) drängen dann noch Frameworks à la Rails auf den Markt, die dem Heimanwender versprechen, dass er seine Website fast ohne Programmierkentnisse ins Web bekommt. Und für Standard-Anwendungen funktionieren Symfony und Cake auch wirklich problemlos. Die Nische, die für PEAR dabei bleibt ist also aus meiner Sicht sehr klein. Bestätigt wird meine Meinung von den ganzen Lebensläufen unserer Bewerber und Freelancer: Ich hatte in den letzten 5 Jahren maximal zwei Bewerber, die schon mal mit PEAR gearbeitet haben; das Zend Framework steht mittlerweile fast in jedem Lebenslauf. Eine weitere Bestätigung gibt mir dabei schon die PEAR Website: Unter „Hot off the press“ befindet sich eine Meldung vom Juni 2008.

Dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir und hoffe dass wir nicht erst bei deinem nächsten Buch von dir hören werden, denn es gibt noch viele spannende Gebiete in der Softwaretechnik, die noch jemand in die Gemeinde tragen muss.
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