Der Windows 8 Day auf der BASTA! 2012

Im Zeichen der 8
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Windows 8 naht mit großen Schritten, am 26. Oktober wird Microsofts neues Betriebssystem in den Läden stehen. Seit der ersten Vorstellung auf der Build-Konferenz 2011, horchten Entwickler aus dem gesamten Microsoft-Kosmos, aber auch darüber hinaus, gespannt auf wenn die Informationen über Windows 8 sich weiter verdichteten. Grund genug dem neuen Windows im Rahmen der Basta! 2012 in Mainz einen ganzen Tag zu widmen.

Dabei war gerade in den Wochen unmittelbar nach der Build-Konferenz die Unsicherheit teils groß: Windows 8 sei das Ende von .NET, so befürchteten viele. Inzwischen wissen wir zwar, dass dies keineswegs der Fall ist, dennoch fanden auf dem Windows 8 Day der BASTA! 2012 in Mainz gerade Sessions großen Zulauf , die Windows 8 und .NET in Bezug zueinander setzen.

Doch beginnen wir von vorne. Der erste offizielle Konferenztag wurde bereits unter den Zeichen von Windows 8 eröffnet. Steve Teixeira, Director of Program Management for C++ and Parallel Computing in Developer Division bei Microsoft, hielt die erste Keynote des Tages zum Thema „The Windows 8 Application Model“. Teixeira versicherte noch einmal, dass gerade im Hinblick auf Desktopapplikationen das bisherige“ Investment“ von Entwicklern auch unter Windows 8 seine Gültigkeit behalten werde. Beim Windows 8 Day wurde anschließend in fünf Sessions neben Themen wie UI und Store auch Licht ins Dunkel gebracht, welche Auswirkungen die neue Technologie für die Entwicklung von Software bedeutet.

Daniel Meixner (Microsoft) machte in seiner Session zum Thema „Windows 8 für .NET-Entwickler“ noch einmal deutlich: „Mit .NET kann man auch Windows 8 Apps entwickeln!“ Das .NET Profile für Windows Store Apps setzt sich aber eben nur aus einem Teil des .NET-4.5-Profils zusammen: „Wie viel vom .NET Framework ist eigentlich übrig, was kann man noch benutzen?“, fragte Meixner und gab auch gleich die Antwort: Stehen unter .NET 4.5. beispielsweise 447 Namespaces zur Verfügung, kommen für Windows Store Apps nur 72 davon zum Einsatz. Ähnlich verhält es sich mit Types und Members- nur ein Bruchteil des .NET Frameworks kann für das Modern UI genutzt werden.

Für .NET-Entwickler stellt sich nun unter Windows 8 wenn man so will die Frage, ob sie das Glas halb voll oder halb leer sehen wollen, wie Rainer Stropek (software architects) in seiner Session „Deep Dive in die Windows Runtime (WinRT)“ verdeutlichte: „.NET-Entwickler haben von der WinRT eigentlich nur Nachteile – sie müssen zugunsten Anderer etwas Neues lernen.“ Nichtsdestotrotz beinhalte dieser Bruch auch viele neue Möglichkeiten: Die Common Language Runtime könne weiterhin genutzt werden, sie werde zwar teils ergänzt und ersetzt, aber vieles bleibe auch gleich. Des eines Leid ist in diesem Fall des anderen Freud, denn Entwicklern („auch .NET-Entwicklern“) mit Skills in den Bereichen C++, JavaScript oder HTML wird mit der WinRT nun die Windows-Tür geöffnet. „Die WinRT ist für Touch, Tablet und Language Interoperability gemacht worden“, so Stropek.

Felix Rieseberg (Microsoft) zeigte dann in seiner Session die wichtigsten Aspekte der Designrichtlinien für Windows Store Apps auf und versprach: „Wenn man diese Regeln einmal verinnerlicht hat, weiß man genau, was wo platziert werden sollte.“ Wieso aber müssen sich Entwickler unter Windows 8 überhaupt mit einem neuen UI auseinandersetzen? Der Grund sei, dass UIs wie wir sie kennen und gewöhnt sind eigentlich „steinalt“ seien: Genau genommen stammt das Prinzip des Desktops von 1970, damals hatte die Firma Xerox die erste Idee zu einer grafischen Computeroberfläche, die an einen Schreibtisch erinnern sollte. Seither hat der technische Fortschritt zwar dazu geführt, dass immer höhere Auflösungen die gängigen Metaphern, wie beispielsweise den Papierkorb, grafisch immer besser werden ließen, aber die Grundidee dahinter blieb bestehen. „Heute stehen wir vor dem Problem, dass diese Metaphern auseinanderbrechen- kein Kind kann mit dem Diskettensymbol heute noch etwas anfangen.“

Im Hinblick auf Windows 8 bedeutet das die Möglichkeit einer Aktualisierung: Der Desktop wird in das Jahr 2012 katapultiert. Die Umstellung ist groß, aber das liegt vor allem daran, dass lange, vielleicht zu lange, so gut wie nichts getan wurde, um das UI zeitgemäß anzupassen. Orientiert hat sich Microsoft bei der Gestaltung an Elementen und Symbolen, wie man sie von Flughäfen oder Bahnhöfen kennt: Eine universelle Designsprache, die jedes Kind überall auf der Welt kennt und intuitiv versteht.

Mit dem neuen UI ist auch das Umdenken in Sachen Apps gefordert: „Content bevor Chrome“, lautet die Devise. Wieso einen Videoplayer entwickeln, der zu 60 Prozent aus Rahmen und Zusatzfunktionen besteht, wenn alles was gefordert ist, das Abspielen eines Clips ist? Microsoft klopft sich mit dem neuen Layout in gewisser Weise auch selbst auf die Finger, wie Rieseberg erklärte: „Linien und Kästen um Inhalte zu gruppieren- das machen wir bei Microsoft selbst seit Jahren, aber wir hören jetzt damit auf!“ Stattdessen halte man sich nun daran, dass alles, was man ohnehin nicht gleichzeitig nutzen kann, nicht zusammen auf einen Screen gehört. „Microsoft war in Designfragen lange Zeit nicht pingelig- jetzt sind wir mal pingelig“, gab Rieseberg all jenen mit auf den Weg, die sich künftig mit Windows Store Apps beschäftigen wollen.

Windows 8 treibt die Modern UI Evolution, die mit Windows Phone begonnen hat, weiter voran. Technologisch gesehen bedeutet Windows 8 eine Öffnung gegenüber den Vorgängerversionen, auch C++- und Webentwickler sind nun eingeladen, den Windows Store reichhaltig zu befüllen. .NET-Entwickler müssen sich mit der ein oder anderen Neuerungen sicherlich erst anfreunden, aber auch für sie bedeutet Windows unter dem Zeichen der 8 viele neue Möglichkeiten und schließlich unter Windows RT auch, dass vieles beim guten Alten bleiben wird.

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