IoTCon 2014: Dieter Meuser im Countdown-Interview

Industrie 4.0: Der Weg zur intelligenten Fabrik der Zukunft
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Mit seinen neuen technischen Möglichkeiten inspiriert das Internet der Dinge nicht nur Bastler und Startups mit pfiffigen Ideen – oder Tech-Konzerne, die sich auf Consumer-Technologien spezialisiert haben. Auch die vierte industrielle Revolution, Industrie 4.0 genannt, geht mit der Entwicklung des Internet of Things Hand in Hand. Während der Begriff „Industrie 4.0“ erst seit drei Jahren in aller Munde ist, spielt das Konzept dahinter – die intelligente, vernetzte Fabrik – für die Fertigungsindustrie schon seit geraumer Zeit eine zentrale strategische Rolle. Wir sprachen mit Dieter Meuser von der iTAC Software AG, einem Unternehmen, das sich seit 1998 auf Produktionsleitsysteme (Manufacturing Execution Systems, MES) in industriellen Fertigungsprozessen spezialisiert. Auf die Fragen, wie weit das Internet der Dinge schon gediehen und Konzept Industrie 4.0 schon Realität ist, hat er klare Antworten.

Das Jahr 2014 wurde, noch bevor es überhaupt anfing, „Jahr des Internets der Dinge“ genannt. Zu Recht? Oder kam dieser Optimismus etwas verfrüht?

Dieter Meuser: Experten prophezeien bereits seit einigen Jahren den Durchbruch des Internets der Dinge. Während dieses Thema bis dato oftmals visionär behandelt wurde, ist mittlerweile ein steigendes Engagement von Organisationen, Verbänden und Industrie zur realen Umsetzung spürbar. Einige Global Player und Mittelständler stellen sich strategisch neu auf und neue Technologien kommen auf den Markt. Dies ist ein Indiz dafür, dass 2014 ein entscheidendes Jahr werden kann und dass das Internet der Dinge in der Öffentlichkeit nicht nur eine abstrakte Begrifflichkeit bleibt.

Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit dem Themenfeld, das wir heute „Internet of Things“, „M2M“ oder „Industrie 4.0“ nennen?

Meuser: Die Thematik der Industrie 4.0 und des Internets der Dinge findet in der Wirtschaft und Öffentlichkeit erst seit wenigen Jahren Beachtung. Für die iTAC Software AG spielt sie seit ihrer Firmengründung im Jahr 1998 eine zentrale strategische Rolle. iTAC spezialisiert sich seit Anbeginn auf die Bereitstellung von Internettechnologien für die produzierende Industrie.

Die funktionale Ausprägung des Kernprodukts der iTAC, die iTAC.MES.Suite, findet ihren konzeptionellen Ursprung sogar in einer Computer Integrated Manufacturing (CIM)-Studie von IBM aus dem Jahr 1989, die für die damalige Telekommunikationssparte des Bosch-Konzerns durchgeführt wurde. Jenes Konzept, in dem bereits funktionale Aspekte des Internets der Dinge Berücksichtigung fanden, wurde ab 1996 konsequent in Java umgesetzt.

Sie gründeten 1998 mit zwei ehemaligen Bosch-Mitarbeitern eine eigene Firma, um MES-Lösungen (Manufacturing Execution System) zu entwickeln. Was hat Sie dazu veranlasst, damals auf MES zu setzen?

Meuser: Ende der 90er Jahre prägten Anforderungen gemäß dem Motto „schneller, besser, günstiger“ die Produktion. Vor diesem Hintergrund waren Systeme zur Optimierung von Produktionsabläufen gefragt. So erhielt das Thema MES eine hohe Bedeutung. Es stellte das Bindeglied zu Abrechnungs- und Verwaltungssystemen (ERP) dar und war in der Lage, Traceability und vieles mehr zu Gunsten von Fehlererkennung bzw. -vermeidung und höherer Effizienz abzubilden. iTAC erkannte früh den Bedarf der Industrie und prägte den MES-Markt somit von der ersten Stunde an mit.

Ende der 90er Jahre prägten Anforderungen gemäß dem Motto „schneller, besser, günstiger“ die Produktion. So erhielt das Thema MES eine hohe Bedeutung.

Was kennzeichnet die von Ihnen im Abstract so bezeichneten smart.MES.Devices?

Meuser: Das iTAC.smartMESDevice ist eine Hardware, die eine schnelle und optimierte Integration verschiedener Arbeits- und Fertigungsprozesse in das iTAC ME-System begünstigt. Dies reicht vom manuellen Arbeitsplatz mit interaktivem Bedienterminal bis hin zur Ansteuerung von Maschinenschnittstellen, Aktoren und Sensoren. Somit wird eine vereinfachte und standardisierte Maschinen- und Prozessintegration in die iTAC.MES.Suite ermöglicht. Anlagenhersteller und Systemanbieter profitieren auf diese Weise unter anderem von der Reduzierung der bisherigen Integrations- und Entwicklungsaufwände.

Internet of Things ConferenceAuch auf der Internet of Things Conference (IoTCon) vom 1.-3. September in Berlin wird die intelligente Fabrik der Zukunft ein Thema sein. Wenn Sie sich bis 31. Juli anmelden, profitieren Sie von den Frühbucherpreisen und sparen über 100 Euro! Für Ihre Anmeldung erhalten Sie außerdem ein Gratis-Tablet. Mehr Informationen unter http://iotcon.de.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung bei der Umsetzung des Konzepts Industrie 4.0?

Meuser: Eine ganz zentrale Herausforderung bei der Umsetzung jenes Konzepts besteht unter anderem darin, einen Einklang zwischen Großindustrie, Verbänden und Mittelstand zu erzielen. Die Realisation der Industrie 4.0 bedarf einer klaren Führung, sodass diese drei Einheiten in der Wirtschaft nach wie vor existieren und vor allem konkurrieren können. Gerade dem Mittelstand muss es ermöglicht werden, den Fortschritt der Großindustrie umsetzen und weiterführen zu können.

Eine ganz zentrale Herausforderung bei der Umsetzung jenes Konzepts besteht unter anderem darin, einen Einklang zwischen Großindustrie, Verbänden und Mittelstand zu erzielen.

Was sind für Sie die größten Chancen und Potentiale intelligenter Fabriken?

Meuser: Eine essenzielle Stärke intelligenter Fabriken liegt vor allem darin, dass sie Deutschland auch in den kommenden Jahren als erfolgreichen Produktionsstandort stärken und vorantreiben können. Gerade hinsichtlich der Produktionsgeschwindigkeit kann eine entsprechende Intelligenz von Anlagen und Maschinen die Produktionsleistung enorm fördern – zumal damit gerechnet werden muss, dass die Potenz der Arbeitskräfte im Zuge des Bevölkerungsrückgangs innerhalb Deutschlands gemindert wird. Durch intelligente Fabriken können die erforderliche Qualität und das Volumen dennoch gehalten bzw. verbessert werden, auch in Bezug auf die Massenproduktion.

Vielen Dank für das Interview!

Dieter MeuserIm Jahr 1998 gründete Dieter Meuser mit zwei ehemaligen Bosch-Mitarbeitern die iTAC Software. Ziel der Unternehmensgründung war es, die MES-Lösung von Bosch konzentriert weiterzuentwickeln und für die kommerzielle Vermarktung in der diskreten Fertigungsindustrie auszurichten. Heute hat sich die iTAC Software AG fest als MES-Hersteller im Marktsegment der diskreten Fertigungsindustrie etabliert.

Aufmacherbild: „golden gear wheels, close-up“ von shutterstock.com / Urheberrecht: nikkytok

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