Nils Langner im Gespräch mit Judith Andresen und Markus Wolff

"Interessant wird es, wenn Speaker ihre Vorträge spontan zusammenlegen."
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Nachdem ich das letzte Mal ein wenig über mich erzählen durfte, wollen wir heute zwei der Hauptverantwortlichen der PHP Unconference interviewen. Markus Wolff wird uns ein wenig über die PHP Unconference in Hamburg erzählen und Judith Andresen wird uns etwas über die geplante internationale PHP Unconference auf Mallorca verraten.

Judith Andresen und Markus Wolff

Judith Andresen und Markus Wolff sind zwei der Köpfe im „Core-Team“ der PHP Unconference und schon seit der ersten Unconference im Jahr 2007 mit an Bord. In diesem Jahr wird die Konferenz damit bereits zum vierten Mal stattfinden, zusätzlich ist nach dem Erfolg der letzten Veranstaltungen jetzt erstmals auch eine internationale PHP Unconference geplant – wenn alles klappt, im sonnigen Mallorca. Sangria statt Fischbrötchen, aber mit gewohnt viel PHP.

Erstmal vielen Dank an euch beide für die letzte PHP Unconference. Es war meine erste, deswegen bin ich auch immer noch ein wenig baff, dass eine Usergruppe eine so professionelle Konferenz auf die Beine stellen kann. Für alle, die die Konferenz nicht kennen – würdet ihr vielleicht in ein paar Worten die Idee einer Unconference erklären?

Markus: Die Unonference ähnelt im Grunde einem BarCamp im klassischen Sinn: Im Gegensatz zu einer traditionellen Konferenz ohne den „Un“-Präfix steht das Programm nicht vorher fest. Stattdessen sind die Teilnehmer eingeladen, eigene Vorträge im Gepäck zu haben und diese am Eröffnungstag vorzuschlagen. Alle Teilnehmer stimmen dann gemeinsam ab, welche der vorgeschlagenen Themen sie am meisten interessieren – und daraus wird dann das Veranstaltungsprogramm, ganz basisdemokratisch. Die Besonderheit einer Unconference ist, dass den Pausen zwischen den Vorträgen ein vergleichsweise großer Raum gelassen wird, damit es viele Möglichkeiten für die Teilnehmer gibt, sich untereinander auszutauschen und evtl. das gerade im Vortrag gehörte in Diskussionen zu vertiefen.

Judith: Die Kaffeepause, also das inspirierende Gespräch neben den Vorträgen wird zum Prinzip erhoben. Wir sorgen mit Kaffee und Kuchen dafür, dass diese Gespräche den richtigen Rahmen finden. So findet jeder denjenigen, mit dem er sich über Themen austauschen kann.

Markus: Das führt dann oft dazu, dass beim Votingverfahren am Sonntag neben den bereits bekannten, noch nicht gewählten Themen neue Themen zur Abstimmung kommen. Das führt insgesamt zu einer guten Mischung aller Vorträge. Der Vorteil ist, dass die Vorträge meist viel näher an den tatsächlichen Publikumsinteressen sind, und auch Nachwuchs-Speaker mit geringerem Bekanntheitsgrad haben eine Chance auf einen Platz hinter dem Rednerpult, wenn ihre Themen interessant genug sind. In jedem Fall ist es immer wieder spannend und man lernt viel darüber, wie die Community gerade „tickt“.

Hattet ihr das Gefühl, dass die existierenden Konferenzen nicht leisten können, was ihr von einem gelungenen Event erwartet oder warum habt ihr die Konferenz ins Leben gerufen?

Judith: Bei meinem ersten PHP-UG-Besuch kam die Idee auf, eine PHP Unconference in Hamburg zu machen. Da ich aus der Jugendverbandsarbeit die Idee von Open Space gut kenne, war ich sofort dabei. Bei diesem PHP UG haben sich die ersten OrgaTeam-Mitglieder gefunden.

Markus: Ganz ehrlich, für mich war das eine sehr pragmatische Sache: Ich bin seit jeher reisefaul und fand es schon immer schade, dass alle interessanten Events stets abseits von Hamburg stattfanden. Eines Tages fragten dann Hinrich Sager und Ekkehard Dörre in einer Mail an die Liste der lokalen Usergroup, ob es nicht Leute gäbe, die Interesse daran hätten, eine Unkonferenz in Hamburg auf die Beine zu stellen – da habe ich mich natürlich sofort gemeldet! Der Rest ist Geschichte. Ich kenne aber auch diverse andere Events wie die IPC, Next, FOSDEM usw. und finde, dass alle Veranstaltungsformen ihre Vorzüge haben. Bei uns haben aber ganz klar die Teilnehmer die meisten Gestaltungsmöglichkeiten.

Die zwei Tage Unconference kosten einen Besucher 35 Euro, Essen und Trinken inklusive. Wie könnt ihr das leisten, wenn man bedenkt, dass andere Konferenzen bis 1000 Euro kosten?

Markus: Das hat mehrere Hintergründe – zum einen haben wir keine kommerziellen Interessen, alle Helfer sind ehrenamtlich dabei und es soll auch kein Gewinn erzielt werden. Zudem unterstützt uns das Department für Informatik an der Universität Hamburg mit seiner Schirmherrschaft, was uns einige Vorteile bringt. Eine kommerzielle Konferenz hat da eine ganz andere Ausgangslage und muss natürlich anders rechnen. Unser größter Dank gilt jedoch den Sponsoren, ohne die unsere viel gerühmte Rundumversorgung für die Teilnehmer trotz allen Sparens nicht einmal ansatzweise möglich wäre.

Judith: Bei normalen Konferenzen gibt es als große Posten die Bezahlung der Speaker, deren Unterkunft und deren Reisekosten, den Veranstaltungsort, die Mitarbeiterkosten und die Verpflegung vor Ort. Bei uns fallen (nahezu) drei der vier Posten weg.

Wenn man weiß, dass ihr viel in eurer Freizeit macht und auch keinen Gewinn mit diesem Event erzielen wollt, möchte man doch denken, dass die Qualität nicht so hoch sein kann, wie die einer „professionellen“ Konferenz. Schaut man eure Speaker-Liste an, so ist diese aber fast deckungsgleich mit den großen Konferenzen. War es ein langer Weg dorthin?

Markus: Überhaupt nicht. Schon bei der ersten Unconference 2007 hatten wir ein sehr hochkarätiges Publikum – und damit auch Speaker. Es war fast ein bisschen, als hätte die Community nur auf ein solches Event gewartet (oder auf eine gute Ausrede, um bei der Abendveranstaltung gemeinsam auf der Reeperbahn zu versacken). Ich glaube auch, dass es gerade für erfahrenere Speaker, die viel auf Konferenzen sind, recht reizvoll ist, einfach neue Vortragsformen ausprobieren zu können, die auf einer kommerziellen Konferenz vielleicht zu riskant wären. Hochinteressant wird es auch oft, wenn mehrere Speaker sich für ein Thema begeistern können und ihre Vorträge dann einfach spontan zusammenlegen – das passiert auf keiner kommerziellen Konferenz mit Programm nach Plan.

Dieses Jahr wird eine weitere Konferenz das Licht der Welt erblicken. Die internationale PHP Unconference. Erzählt doch einmal ein wenig darüber.

Markus: Da überlasse ich mal ganz entspannt Judith das Feld 😉

Judith: Die PHP Unconference in Hamburg wird vor allem von der deutschsprachigen Community wahrgenommen. Schon länger hat es das Orga-Team umgetrieben, diese gute Veranstaltung zu internationalisieren. Um sicherzustellen, dass wir nicht nur deutsches Publikum sehen, hat sich daher ein Fork der PHP Unconference in Hamburg entschieden, den Versuch einer PHP Unconference Mallorca zu starten. Zielgruppe ist die europäische PHP Community.

Habt ihr keine Angst, dass eine Konferenz im Ausland die ersten Male eher wenig besucht sein werden? Habt ihr schon Feedback aus der PHP-Gemeinde, wie die Idee angenommen wird?

Markus: Einerseits ist das natürlich ein Risiko, andererseits ist Mallorca doch deutlich einfacher und bequemer zu erreichen als z. B. Skien in Norwegen, wo die PHP Vikinger stattfand – und auch dort fanden sich Teilnehmer aus aller Herren Länder. Das stimmt mich also ganz zuversichtlich.

Judith: Der Versuch ist es wert. Bisher haben wir nur sehr positive Feedbacks erhalten. Wir werden alle uns bekannten PHP Usergroups in Europa ansprechen. Und dann schauen wir mal, wie es läuft. Ich gehe davon aus, dass die Leser an dieser Stelle demnächst auch Details der PHP Unconference Mallorca lesen werden.

Judith, Markus – vielen Dank für das Gespräch!
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