Internationale Rollout-Strategien für internationale Webauftritte
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Szenario 1: Kompletter Klon des Masters
Die einfachste Strategie ist die komplette Verknüpfung von Seiten- und Template-Struktur, Texten, Medien und sonstigen Elementen in die so genannten Slave-Auftritte.

Szenario 1: Kompletter Klon des Masters

Die einfachste Strategie ist die komplette Verknüpfung von Seiten- und Template-Struktur, Texten, Medien und sonstigen Elementen in die so genannten Slave-Auftritte. Dabei werden ebenfalls die Struktur und Inhalte in den Slave-Auftritt übernommen, jedoch nur aus der Master-Version verlinkt.

Bei Änderungen im Master ändern sich damit gleichzeitig alle vererbten Versionen. Bei einer reinen Vererbung könnte man allerdings auch direkt eine Weiterleitung auf die Master-Version einrichten.

Szenario 2: Klon ohne Inhaltsverknüpfung

Es gibt weiterhin die Möglichkeit, eine normale Übersetzung, zum Beispiel für den deutschen Auftritt, anzulegen. Zur Ableitung einer kompletten Übersetzung wird ein so genannter „Klon ohne Inhaltsverknüpfung“ erzeugt und nur die Struktur verknüpft. Die übersetzte Seite erbt damit zunächst die komplette Struktur der Master-Version.

Allerdings sind keinerlei Inhalte mit der Master-Version verknüpft und müssen daher auch nicht übersetzt und gepflegt werden. Wichtig ist dabei die Unterstützung des Content-Management-Systems für eine einfache, schnelle und dennoch umfassende Möglichkeit zur Pflege neuer Sprachen ausgehend von einem Textbook, möglichst durch mehrere parallel arbeitende Pfleger.

Ein solches umfassendes Textbook stellt die Basis für jeden mehrsprachigen Rollout dar und entscheidet nicht selten über den Erfolg dieser Unternehmung. Das Textbook sollte vollständig, übersichtlich und vor allem leicht pflegbar sein, da es unvollständig oder falsch gepflegt häufig nicht nur zu unnötiger und doppelter Pflege, sondern auch zu viel Test- und Abstimmungsaufwand führt.

Meist fallen die Fehler erst bei Abgabe der Seite an den Übersetzer zur abschließenden Freigabe wieder auf, da die Content-Pflege nicht selten eine Fließbandarbeit oder sogar ein automatisierter Prozess ist, der von Personen durchgeführt wird, die der Zielsprache nicht immer mächtig sind. Fehler wie das Einsetzen von Textabschnitten nach dem Motto „hier bitte das Wort XYZ löschen“, anstelle den Abschnitt als „Regieanweisung“ zu verstehen, lassen sich nur durch sehr sorgfältig gepflegte Textbooks vermeiden.

Die Nutzung einer Tabellenkalkulation bietet sich an dieser Stelle an, speziell auch um die Daten als CSV-Datei zu ex- und in das System zu importieren. Zu beachten ist dabei die Angabe von Mediendateien wie Bilder, Videos, aber auch Daten zum Download. Sie sollten eindeutig bezeichnet und parallel zum Textbook im Dateisystem abgelegt werden. Zusätzlich entscheidend ist die Gruppierung der Elemente in sinnvolle Abschnitte wie Einzelseiten im Sinne des Content-Management-Systems.

So ist es unnötig, auf jeder Seite die Footer-Navigation erneut zu übersetzen. Zu bedenken sind jedoch auch nicht direkt sichtbare Elemente wie Metainformationen für Suchmaschinen. Zusammenfassend ist zu empfehlen, das Textbook in enger Abstimmung zwischen Technik, Content-Erstellung und -Pflege zu entwickeln, um viele der genannten Aspekte von Beginn an zu vermeiden.

Szenario 3: Unabhängiger Klon des Masters

Eine weitere Strategie ist das Anlegen eines nicht verknüpften Klons der Master-Version. Nach finaler Freigabe des Masters werden dabei alle seine Elemente (Seiten- und Template-Struktur, Medien sowie eingebaute Extensions) dupliziert und als neue Version angelegt. Der neue Auftritt ist im Gegensatz zu Szenario 1 und 2 nicht mit dem Master verknüpft. Im Kern entspräche diese Strategie dem Duplizieren einer Serverinstallation.

Viele Content-Management-Systeme bieten allerdings trotz Nutzung dieser Strategie weitere Vorteile, zum Beispiel die nachträgliche Verknüpfung der Seiten untereinander, um sowohl bei der Pflege im Backend als auch für Besucher der Seite mit einem Klick zwischen verschiedensprachigen Versionen zu wechseln.

Diese Art der Verknüpfung beinhaltet allerdings keine Vererbung von Struktur oder Inhalten vom Master, sondern dient als „Zeiger“ auf die verwandte Seite, ohne eine weitere Abhängigkeit der Seiten untereinander zu erzeugen. Diese Art der Verknüpfung kann prinzipiell jederzeit angelegt und aufgelöst werden, ohne dass eine der beiden Versionen verändert wird.

Diese sehr lose Verknüpfung der Seiten untereinander erlaubt es, speziell bei der weiteren Individualisierung der Länderversionen, etwa in Form von Texten, aber auch bei Änderungen an der Sitemap und Struktur der Seiten selbst, die geklonten Versionen komplett frei zu bearbeiten. Es können neue Seiten angelegt werden, ohne sie in den Master zu übernehmen – einige Content-Management-Systeme bilden das auch etwa durch automatisches Ausblenden von Sprachflaggen im Frontend ab.

Der Vorteil der losen Kopplung ist gleichzeitig der Hauptnachteil dieser Strategie: Da die Seiten in den geklonten Versionen unter Umständen verändert worden sind, können Änderungen der Inhalte nicht automatisiert übernommen werden. Das ist nur für neue Seiten möglich. Änderungen am Master müssen deshalb gegebenenfalls zigfach in alle gleichsprachigen Versionen von Hand eingepflegt werden.

Das lohnt sich nur, wenn es gute Gründe für individuell pflegbare, geklonte Versionen gibt. Diese könnten etwa die Pflege am Standort und zeitlich oder inhaltlich unterschiedliche Marketingstrategien für verschiedene Märkte sein.

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