Internationale Rollout-Strategien für internationale Webauftritte
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Szenario 4: Klon mit teilweiser Inhaltsverknüpfung
Gesucht wird also eine Mischform aus Szenario 1 und Szenario 2. Diese Kombination bietet das Szenario 4: Die Schlüsselfunktion dieser Strategie ist

Szenario 4: Klon mit teilweiser Inhaltsverknüpfung

Gesucht wird also eine Mischform aus Szenario 1 und Szenario 2. Diese Kombination bietet das Szenario 4: Die Schlüsselfunktion dieser Strategie ist die Möglichkeit, Elemente teilweise aus der Vererbung zu lösen und getrennt zu pflegen.

Zunächst würde also je nachdem, ob eine Übersetzung stattfinden soll oder nicht, Szenario 1 oder Szenario 2 zum Einsatz kommen. Wirklich spannend ist allerdings die Möglichkeit, die Szenarien an der Stelle einzelner Content- oder Strukturelemente aufheben zu können. Abbildung 1 zeigt die grafische Darstellung aller vier vorgestellten Szenarien.

Abb. 1: Übersicht der möglichen Strategien

Das einfachste Beispiel für eine teilweise Inhaltsverknüpfung ist der Text der Impressumseite. Angenommen der Auftritt ist englischsprachig und damit bis auf das Impressum deckungsgleich mit dem Master: Es wird zunächst Szenario 1 angewendet und es entsteht ein komplett abhängiger Klon des Masters. Auf Ebene des Impressums kann daraufhin für eine Seite ausschließlich der Text, für eine andere vielleicht noch ein einzelnes Bild vom Master getrennt gepflegt werden.

Ein weiteres Beispiel ist die zentrale Bildpflege im englischen Master. Werden in den geklonten Auftritten nur die textlichen Verknüpfungen gelöst und die Verknüpfungen der Bilder beibehalten, ist eine zentrale Bildpflege möglich, die sich auf alle Auftritte auswirkt. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass in diesem Szenario eine Pflege der Texte in die jeweiligen Länder ausgelagert werden, die Bildpflege aber zentral in der Master-Version gemacht werden kann.

Es ist auf diese Weise möglich, sämtliche Auftritte punktuell zu verändern und natürlich auch zu erweitern. Angenommen es gibt bestimmte Seiten nicht in allen Sprachen, so kann die Seite im Master angelegt, aber in verschiedenen abgeleiteten Slave-Auftritten entkoppelt und anschließend gelöscht werden.

Je nach Content-Management-System ergibt sich dabei aus Sicht des Masters pro Seite oder auch für den kompletten Seitenbaum eine Übersicht, welche Auftritte abgekoppelt wurden und welche Seiten damit noch einmal gesondert gepflegt werden müssen. Die skizzierte Strategie vereint die Vorteile der schnellen, zentralen Pflege mit der Individualisierbarkeit der Einzelauftritte und ist somit optimal für die meisten Anwendungsfälle geeignet.

Aber zurück zur Ausgangssituation: Das Unternehmen plant wie gesagt einen englischen Master und die Einbindung ausgewählter, bereits sehr aktiver Länder bei der Content-Pflege und der weiteren Individualisierung einzelner Auftritte.

Andere Auftritte hingegen sollen sehr eng mit dem Master verknüpft und vor allem einfach und schnell zentral administrierbar sein. Diese Definition ist bereits die Antwort auf die ersten beiden der eingangs gestellten Fragen. Texterstellung und -pflege sollen zunächst zentral erfolgen, die Übersetzung jedoch nicht, denn die übersetzenden Länder sind in der Pflicht, die Texte durch Muttersprachler prüfen und übersetzen zu lassen.

Abweichende Templates soll es zunächst nicht oder nur in Ausnahmefällen geben, um neben der Content-Pflege keine gesonderte Administration der Länderauftritte zu benötigen.

Die letzten beiden Fragen betreffen den Umgang mit Communities und den von Nutzern erstellten Inhalte. Diese sollen im Kasten „Nutzer über Ländergrenzen hinweg“ angerissen werden. Eine abschließende Bewertung ist aber meist sehr individuell und würde den Umfang dieses Artikels sprengen.

Umgang mit Änderungen

Abb. 2: Die Master-Version und ihre Abstufungen in verschiedene Klone

Viel wichtiger ist hingegen der Umgang mit der meist umfangreichsten Aufgabe: der laufenden Pflege der Inhalte nach Abschluss der Erstbefüllung. Wir nehmen dafür an, dass die Struktur zunächst wie in Abbildung 2 dargestellt aussieht: englischer Master, deutscher Slave-Auftritt mit aktiver Pflege (komplett verknüpft bis auf die Inhalte), (fast) komplett abhängiger, englischer Slave-Auftritt für Australien sowie eine französische Seite, auf der nur selten Zeit für die Pflege bleibt (komplett verknüpft bis auf die Inhalte).

Die erste Änderung soll zum Beispiel der Umzug der Muttergesellschaft in England sein. Die zu bearbeitenden Inhalte sind eine Pressemitteilung und eine in allen Ländern geänderte Kontaktseite. Die Änderungen werden initial in der Master-Version vorgenommen, aber zunächst zur Übersetzung an die Märkte gegeben. Die zuständigen Redakteure erhalten daraufhin eine Nachricht, dass eine geänderte und eine neu angelegte Seite vorhanden sind und übersetzt werden sollen.

In unserem Beispiel betrifft das Deutschland und Frankreich. Für Australien werden die Inhalte direkt aus dem Master übernommen. Im Fall von Deutschland wird die Übersetzung binnen 24 Stunden geliefert und freigegeben. Da die Änderung im Master noch nicht live geschaltet wurde, hat das allerdings keine Auswirkungen auf der deutschen Seite. Die Übersetzer der französischen Seite schaffen es nicht, die Seite binnen 24 Stunden zu übersetzen. Der Redakteur des Masters steht damit vor der Entscheidung, noch einmal nachzufragen oder die Seite nur für die bereits fertigen Länder (Deutschland, England und Australien) freizugeben.

Problematisch ist an dieser Stelle die Abweichung der Versionen von der französischen Seite aufgrund der verspäteten Abgabe. Das Problem ist hier nicht wirklich pauschal zu lösen, sondern erfordert vom Content-Management-Systems an dieser Stelle eine Vielzahl angebotener Optionen. Der Master-Redakteur muss zunächst selbst in der Lage sein, die französischen Texte anzupassen. Für die Newsmeldung wäre eventuell auch die Veröffentlichung der englischen Fassung eine Option, wenn auch meist die schlechteste.

Vorher sollte das System den Redakteur bei einem Nachfassen und einer automatischen Erinnerungs-E-Mail unterstützen. Denkbar wären aber natürlich auch Mischformen, wobei gleichzeitig mit der Erinnerungs-E-Mail eine Frist gesetzt wird, nach der die neue Seite automatisch freigeschaltet wird.

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