Interview mit Sebastian Meyen, Conference Chair der Internet of Things Conference

Internet of Things: Vom Nischen- zum Massenmarkt
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Quo vadis, Internet der Dinge? Baut in Zukunft jeder sein eigenes Smartphone aus Komponenten, die er dem 3-D-Drucker entlockt? Bringen uns bald Roboter des Frühstück ans Bett? Werden wir künftig von selbstfahrenden oder -fliegenden Taxis zur Arbeit transportiert? Ist ein winziger Sensor auf der Haut vielleicht der beste Hausarzt? Wann wird die intelligente Fabrik Realität? Genau mit diesen Fragen setzt sich die Internet of Things Conference auseinander: Vom 1.-3. September 2014 treffen sich dort die führenden Köpfe auf diesem innovativen Terrain – Developer, Designer, Unternehmer, Bastler. Conference Chair Sebastian Meyen sprach mit uns über Chancen und Herausforderungen eines Zukunftsmarktes, der allseits für Aufbruchstimmung sorgt.

Worin bestehen die größten Herausforderungen beim Internet of Things?

Sebastian Meyen: Die Komplexität zu bewältigen. Es ist ja so, dass mit dem Internet der Dinge keineswegs Dinge realisiert werden können, die nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt hätten entwickelt werden können. 

Was aber neu ist, ist der Zugang für Startups, Softwareentwickler, hinzu kommt die leistungsfähige und kostengünstige Hardware. Das alles ist hochspannend, kann man aber gut erlernen. 

Die wahre Herausforderung liegt in der Komplexität, die sich aus dem IoT ergibt, und der Frage, wie wollen wir in Zukunft nicht nur Produkte, sondern Produktsysteme entwickeln?

Da wir davon ausgehen, dass der eigentliche Wert des IoT darin besteht, heterogene Dienste und Datenquellen auf besonders intelligente Art und Weise miteinander zu verknüpfen, um Mehrwerte zu schaffen, benötigen wir noch ein besseres Verständnis davon, wie diese Systeme in einer verlässlichen und sicheren Weise zu organisieren sind. Sollte man den strikt zentralisierten Ansatz wählen, um Management, Deployment, Security etc. zu gewährleisten oder aber einen mehr verteilten? Benötigen wir restriktive Plattformen (à la Apple) oder eher einen offenen, föderierten Ansatz? Ich glaube, dass diese Diskussionen jetzt erst geführt werden. Die Community muss noch vieles lernen.

Generell erscheint der gegenwärtige IoT-Hype als etwas Neues; im Grunde aber sind doch viele Elemente aber gar nicht so neu. Warum kommt gerade jetzt das Internet of Things zu seinem Durchbruch?

Meyen: Es geht, wie eigentlich immer, um den Zugang zu Know-how und Technologie. Nehmen Sie zum Beispiel die Mobile-Entwicklung. Seit etwa dem Jahr 2000 wurde uns auf der JavaOne und vielen anderen Konferenzen gepredigt, dass jetzt „Mobile“ komme und wer dies jetzt verpasse, der sei verloren. Was geschah in Wirklichkeit? Praktisch gar nichts.

Ein paar Jahre später erst, genau genommen seit der zweiten Generation des iPhone, entstand plötzlich etwas, was ich einen „Developer-Massenmarkt“ nennen möchte. Dieser Massenmarkt vollzog sich natürlich in der Nische, bot aber Entwicklern immerhin so viele Möglichkeiten, dass eine Community entstand. Zuvor war Mobile-Entwicklung eher eine Sache für wenige Spezialistenteams bei den großen Mobilgeräteherstellern und Telcos, nichts für unabhängige Anbieter.

Also, „Mobile“ wurde auf einmal zu einem Software-Markt, weil ein Vertriebskanal existierte und ein Programmiermodell, das einer Vielzahl an Entwicklern die Möglichkeit zum Einstieg in die Mobile-Welt gab. 

Mit dem Internet der Dinge vollzieht sich aktuell ein ganz ähnlicher Prozess: Das, was bislang eher eine Domäne der Elektrotechnik war, wird jetzt zum Softwareengineering. Tools, Programmiermodelle sowie die Verfügbarkeit leistungsfähiger und kostengünstiger Hardware sorgen dafür, dass diese Dinge jetzt praktisch für jeden zugänglich sind. 

Das beflügelt die Phantasien vieler Quereinsteiger und Kreativer, und es bleibt eben nicht den klassischen Embedded-Entwickern vorbehalten. Ein neuer „Developer-Massenmarkt“ ist am Entstehen.

Und da wir wissen, dass ohne Entwickler der Aufbau eines vitalen Ökosystems nicht geht, ist das die Grundvoraussetzung für alles andere.

Ein neuer „Developer-Massenmarkt“ ist am Entstehen. 

Internet of Things ConferenceDie Internet of Things Conference verbindet technisches Know-how mit dem kreativen Potenzial von Startups und Designern, denn mit dem Internet der Dinge entsteht ein gewaltiger Markt über viele Industriesektoren hinweg. Nur noch bis heute, 3. Juli, profitieren Teilnehmer vom Frühbucherangebot und sichern sich neben den Frühbucherpreisen (Sie können bis zu 250 Euro sparen) ein kostenfreies Android-Tablet: http://iotcon.de/2014/tickets

Was können wir also konkret von der Internet of Things Conference erwarten?

Meyen: Wir bereiten ein Treffen für Techies, Designer, Produktentwickler und Entrepreneure vor. Die aktuelle Aufbruchsituation in dem Markt ist ungeheuer dynamisch und kreativ, weshalb ein intensiver Austausch zwischen allen Stakeholdern unverzichtbar ist. Ein junger Markt bringt es mit sich, dass die technischen Möglichkeiten häufig der Treiber fürs Business sind – und nicht umgekehrt. Es geht darum, die Potenziale zu verstehen und davon ausgehend dann Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln. 

Hinzu kommt, dass das Thema Design und User Experience gerade beim Internet der Dinge eine besonders große Rolle spielt; den ein oder anderen mag das vielleicht überraschen, aber der Nutzwert konnektierter Dinge muss überhaupt erst verstanden werden, die Akzeptanz durch den User erforscht und viele weitere Aspekte erlernt werden. Die Technik des Design Thinking spielt hier offensichtlich eine große Rolle.

Es sind spannende Zeiten und tolle Herausforderungen für die Unternehmen!

Zurück zur Internet of Things Conference. Sie ist in drei Tracks gegliedert. Der erste beschäftigt sich mit der reinen Technologie, mit den Hardware-Devices, den Programmiermodellen, den notwendigen Protokollen. Der zweite Track beleuchtet das Thema Architektur und Infrastruktur. Hier gibt es Talks, die sich mit Deployment, Management, Identity usw. beschäftigen. Der dritte Track beleuchtet interessante Szenarien und Geschäftsmodelle und gibt Einblicke in die IoT-Produktentwicklung. Nicht zuletzt sind hier die genannten Design- und User Experience-Themen angesiedelt.

Das Thema Design und User Experience spielt gerade beim Internet der Dinge eine besonders große Rolle.

Was werden also die Teilnehmer der Konferenz mit nach Hause nehmen können?

Meyen: Jede Menge Inspiration und technisches Wissen. Hinzu kommt natürlich der Austausch zwischen Gleichgesinnten oder aber auch Experten „der anderen Seite“ – Developer, Designer, Produkt- und Businessleute. In unserem Workshop „From Zero to Hero“ zeigen wir zum Beispiel einen prototypischen Produktentwicklungszyklus für das Internet of Things auf – gewissermaßen als Checkliste, mit welchen Themen man sich beschäftigen sollte, wenn man sich auf das überaus reizvolle Abenteuer namens IoT einlassen will.

Wissen Sie, die Bandbreite ist aktuell noch sehr groß: Für die einen ist das IoT eine Erweiterung ihrer bisherigen Business-Solution-Angebote, die anderen wollen sich neue Märkte erschließen, indem sie neuartige Smart-Home- oder Wearable-Angebote entwickeln, und wiederum andere stammen aus der Embedded-Welt und machen sich jetzt mit den neueren Paradigmen vertraut. 

Für all diejenigen wollen wir ein Forum bieten.

Sebastian MeyenSebastian Meyen verantwortet als Chief Content Officer den Geschäftsbereich Magazine und Konferenzen bei Software & Support Media. Als Journalist begleitet er die IT-Industrie bereits seit über fünfzehn Jahren und hat zahlreiche Einblicke in die unterschiedlichen Technologiebereiche. Er beschäftigt sich mit dem Aufspüren neuer Trends in Technologie und Medien und interessiert sich dabei immer auch für die pragmatischen Erfolgsfaktoren: Technologien, Werkzeuge und Methoden, durch die Entwicklungsteams noch bessere Ergebnisse erzielen können. Bevor er zu Software & Support Media kam, studierte er Philosophie in Frankfurt. 

Aufmacherbild: „Advertising concept: pixelated words Mass Market on digital“ von shutterstock.com / Urheberrecht: Maksim Kabakou

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