Interview mit Sascha Wolter

Internet of Things: Von der Digitalisierung zur Vernetzung
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Topfpflanzen, Waschmaschinen, Zahnbürsten, Fitnesstracker – Je mehr Alltagsgegenstände ans Internet angebunden und Teil des „Internets der Dinge“ werden, desto drängender wird auch die Frage nach der Interaktion mit diesen Objekten. Denn was nützt es, diesen Gegenständen Intelligenz einzuhauchen, wenn es am Ende zu mühsam ist, sie zu bedienen? Auf der Internet of Things Conference in Berlin geht Sascha Wolter daher der Frage nach, wie ein natürliches Nutzererlebnis den Umgang mit diesen Helferlein vereinfachen kann. Aber was ist überhaupt „natürlich“? Das und mehr hat er uns im Countdown-Interview verraten.

JAXenter: Kannst du dich noch erinnern, was deine Begeisterung für das IoT ausgelöst hat?

Sascha Wolter: Die Erkenntnis, dass geräteübergreifende Anwendungen oft zu kurz gedacht sind. Und dass es weniger um den Glaubenskrieg von unterschiedlichen Browsern, Betriebssystemen oder Plattformen a la iOS und Android geht, als vielmehr um Anwendungen, die letztendlich aus jedem Ding von der Topfpflanze über den Kühlschrank bis zum Auto bestehen. Das alles hat mich dazu bewegt, mich mit dem Internet der Dinge auseinanderzusetzen. Ein Schlüsselerlebnis war dabei ganz sicher meine erste Teilnahme an einer Maker-Konferenz. Aber auch der Umgang meiner Kinder mit Technologie zeigt mir, dass diese Begeisterung nicht ganz unbegründet ist.

Sascha WolterSascha Wolter ist Experte für die Planung und Umsetzung von reichhaltigen und plattformunabhängigen sowie geräteübergreifenden Anwendungen (Desktop, Mobil, Web und M2M/Internet der Dinge). Bereits seit 1995 arbeitet er als Berater, Autor, Trainer, Dozent, Entwickler und Software-Architekt. Sascha ist ebenfalls durch zahlreiche internationale Vorträge auf den führenden Konferenzen rund um die Software-Entwicklung und User Experience bekannt und wurde u. a. mit dem „Best Session Award 2013“ der German UPA ausgezeichnet. Seine Bücher, Artikel und Lernvideos rund um Flash und .Net zählen zu den meistverkauften Publikationen. Als Gründer der führenden deutschsprachigen Adobe User Group flashforum.de mit mehr als 100.000 Mitgliedern und als Mitgründer der international bekannten Konferenz beyond tellerrand engagiert sich Sascha auch für die Belange der Anwender. Seine Arbeit wurde von zahlreichen Magazinen und Fernsehsendern erwähnt, darunter wired.com, SPIEGEL ONLINE, Discovery Channel, “ZDF heute-show” um nur einige zu nennen. Wenn er nicht gerade als Developer Evangelist neue technische Möglichkeiten wie Kinect und Co. für die Deutsche Telekom AG (Developer Garden) erkundet, dann spielt er in seiner Freizeit mit seinen Kindern LEGO.

JAXenter: Wie erklärst du jemandem, was das Internet der Dinge ist, wenn derjenige noch nie davon gehört hat?

Wolter: Letztendlich geht es darum, dass Altagsgegenstände intelligent und miteinander vernetzt werden. Wir wechseln vom Zeitalter der Digitalisierung, bei der alles, was sich digitalisieren lässt, digitalisiert wird, in eine Phase der Vernetzung, bei der jedes Ding, das sich vernetzen lässt, vernetzt wird. Aus Sicht des Nutzers bedeutet das, dass wir nicht mehr mit einem einzelnen Ding wie einem Mobilfunkgerät interagieren, sondern uns inmitten einer Welt aus lauter Dingen bewegen, welche die Benutzungsschnittstellen ausmachen.

JAXenter: Mit deinen Kindern spielst du in deiner Freizeit gerne LEGO. Wie wichtig sind spielerische Herangehensweisen ans Programmieren für die Entwicklung von IoT-Produkten?

Wolter: Die unendlichen technischen Möglichkeiten mit teilweise nur geringen Erfahrungswerten sowie die Komplexität von Systemen erfordern modulare und agile Herangehensweisen. Die erleichtern es, schnell auf neue Erkenntnisse zu reagieren. Genauso funktioniert LEGO. Darüber hinaus ist das Internet der Dinge häufig dadurch geprägt, dass man zwar einen großen Baukasten an Möglichkeiten hat, aber nur eine vage Vorstellung von dem, was man damit eigentlich erreichen kann und möchte. Nicht selten ist es sogar so, dass man weniger ein Problem löst als vielmehr einen Bedarf überhaupt erst schaffen muss. Spielerische Herangehensweisen helfen hier, da sie Ideen schnell erlebbar machen und es erlauben, Ansätze zu verwerfen: Es ist sicherlich besser, schnell und preisgünstig Irrwege auf eine mehr oder weniger spielerisch naive Art und Weise zu entdecken als viele Monate in Spezifikationen einer zum Scheitern verurteilten Idee zu investieren.

Natürliche Interaktion ist nicht eindimensional und selten diskret.

JAXenter: Zu deinem Steckenpferd natürliche Nutzerinteraktion die naive Frage: Was ist eigentlich „natürlich“? Ist Spracheingabe beispielsweise natürlicher als Gestensteuerung?

Wolter: Die Interaktion ist immer dann natürlich, wenn der Anwender nicht darüber nachdenken muss. Also je weniger kognitive Belastung durch die Interaktion besteht, desto natürlich ist diese. Das ist von Erfahrungswerten, vom Alter und von der Kultur abhängig. Auch der Nutzungskontext hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Natürlichkeit einer Interaktion. In manchen Situationen kann sich hier Sprache als natürlich erweisen, in anderen sind Gesten besser geeignet. Doch oft wird Interaktion erst durch die Kombination unterschiedlicher Eingabemethoden unter Einbeziehung des Kontexts natürlich – natürliche Interaktion ist nicht eindimensional und selten diskret. Angenommen, der Nutzer will eine von vielen Deckenleuchten steuern, dann sind weder Sprache noch Gesten für sich alleine genommen natürlich. Die Kombination, also das Zeigen auf eine spezifische Leuchte und das Formulieren eines Kommandos durch Sprache fühlen sich da schon deutlich natürlicher an.

JAXenter: Du bist Developer Evangelist bei der Deutschen Telekom. Was gefällt dir besonders an dieser Aufgabe?

Wolter: Die Arbeit in einem großen Konzern erleichtert den Zugang zu unterschiedlichsten Technologien und deren Entwicklern, um so neue Innovationen umsetzen zu können. Gerade beim Internet der Dinge sind so viele unterschiedliche Expertisen notwendig, dass das als Einzelkämpfer nur schwer zu schaffen ist. Die Deutsche Telekom gibt mir hier die Mittel und auch den Freiraum, den ich dafür benötige.

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