Interview (Teil 2)
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Nun ist Web 2.0 und Social Media nicht nur für die Karriereplanung von Bedeutung sondern es stellt sich für Arbeitnehmer immer wieder die Frage inwieweit man diese Angebote auch am Arbeitsplatz nutzen

Nun ist Web 2.0 und Social Media nicht nur für die Karriereplanung von Bedeutung sondern es stellt sich für Arbeitnehmer immer wieder die Frage inwieweit man diese Angebote auch am Arbeitsplatz nutzen darf. Gibt es da festgelegte Regeln, an die man sich als Arbeitnehmer halten sollte?

Ich denke, auf das Thema Social Computing müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter entsprechend einstellen und eine Balance finden. Ein Mitarbeiter, der am Arbeitsplatz ständig mit Freuden chattet oder bloggt, übertreibt es sicherlich. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern den Zugang zu sozialen Medien am Arbeitsplatz aber ganz verwehren, sind aus meiner Sicht auch nicht sehr innovativ. Der Trend zeigt nämlich, dass soziale Medien auch an modernen Arbeitsplätzen Einzug halten und auch Sinn machen, wenn man sie effizient zum Austausch von Informationen und für eine schnelle Kommunikation nutzt. Viele Unternehmen präsentieren sich in Facebook und verfolgen damit das Ziel, einerseits die eigenen Mitarbeiter, aber auch deren Kontakte sowie Externe als Freunde zu gewinnen. Das ist nichts anderes als ein moderner Werbekanal, der aber interaktiver ist, als eine klassische Online oder gar Print-Kampagne. Die Mitarbeiter und Freunde können mitdiskutieren und Kommentare abgeben. Das Unternehmen präsentiert sich damit auf eine viel offenere Art. Die aber auch Risiken birgt. Wenn ein vermeintlicher „Freund“ zum Beispiel mal nicht den richtigen Ton trifft oder sich in sozialen Medien negativ über das Unternehmen äußert. Daher sollte es in jedem Unternehmen klare Regelungen zum Umgang mit Social Media für die Mitarbeiter geben. Diese Richtlinien sollten klarstellen, wer was kommuniziert und was erlaubt ist, wenn man offiziell als Mitarbeiter eines Unternehmens im Web auftritt. Generell sollte man sich aber auch überlegen, inwieweit es professionell ist, sich in sozialen Medien über den aktuellen oder vergangenen Arbeitgeber negativ zu äußern. Loyalität ist auch eine Eigenschaft, die für die Karriereplanung ausschlaggebend sein kann. Daher ist es oftmals besser, lieber nichts zu sagen, als belanglose Kommentare abzugeben.

Gerade eben ist auch das erste Buch von Dir bei entwickler.press erschienen, der „IT Survival Guide – Karriere- und Alltagsratgeber für Einsteiger und Professionals in der IT-Branche“. Was genau erwartet den Leser wenn er Dein Buch ließt?

Mein „IT Survival Guide“ soll vor allem 3 Ansprüche erfüllen: Erstens soll es ein praxisbezogener Karriere- und Alltagsratgeber sein, der auch noch Spaß macht beim Lesen. Ich gebe als Recruiter erstmals auch Einblicke in meinen Alltag. Ich zeige den Lesern die witzigsten Bewerbungen oder auch Arbeitszeugnisse, die mir in meinem Leben als Personaler auf den Schreibtisch geflattert sind. Natürlich plaudere ich auch aus dem Nähkästchen, worauf Personaler bei der Einstellung von IT-Experten achten. Zweitens soll der Leser sich in den beschriebenen Alltagssituationen immer wieder selbst erkennen. Er soll sagen: Ja, genau so ist es! Und dann für seine alltäglichen Probleme im Umgang mit seinem Vorgesetzten, dem Projektleiter, Kunden oder Kollegen Anregungen, Tipps und Tricks finden, die ihm das Leben ein bisschen erleichtern sollen. Drittens soll der Leser sich mit Hilfe meines Buches mal aktiv mit seiner eigenen Karriereplanung auseinander setzen. Kurz gesagt: Mein Buch beschreibt auf unterhaltsame und informative Art und Weise, wie man im IT-Karrieredschungel überlebt und vor allem weiterkommt.

Glaubst Du, dass Entwickler, IT-Architekten und -berater ein Defizit im Bezug auf ihre Karriereplanung haben? Wenn ja, welche Tipps kannst Du hier in Kürze geben?

Ich habe im Laufe der letzten 10 Jahre im Recruiting festgestellt, dass IT-Spezialisten sich oftmals zu sehr auf die reine Technologie konzentrieren anstatt sich auch systematisch um ihre Karriere zu kümmern. Qualifizierte IT-Experten sind nach wie vor sehr gefragt und viele verlassen sich darauf, dass es ausreicht, einfach nur technisch gut zu sein, um den richtigen Job zu finden. Oftmals endet diese Blauäugigkeit aber im Frust. Man stellt fest, dass man im Job nicht weiterkommt, weil man die hierarchischen Restriktionen im Unternehmen nicht durchbrechen kann oder weil der Arbeitgeber wenig innovativ erscheint. Man hat Ärger mit seinem Chef oder die Situation auf IT-Projekten eskaliert regelmäßig aufgrund des enorm hohen Zeit- und Kostendrucks. Viele kommen irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich wie in einer Sackgasse fühlen. Spätestens dann fangen die meisten an, darüber nachzudenken, wohin der Karriereweg nun eigentlich führen soll. Besser wäre es daher, man hat von Anfang an einen Plan und eine Strategie für die eigene Karriere. Niederlagen oder Umwege können einen dann nicht so einfach aus der Bahn werfen. In meinem Buch „IT Survival Guide“ findet man Vorschläge, wie man seinen persönlichen Karriereplan als Berufseinsteiger aber auch als Profi erstellen kann, wie man seine Fortbildungen richtig darauf aufbaut und sogar ein paar Tipps, wie man seinen Chef durchschaut und überzeugt. Probleme im Job treten ja meistens auf, weil verschiedene Charaktere und Erwartungshaltungen aufeinander prallen. Wer seine Kollegen und Vorgesetzten besser einschätzen kann, weil er unterschiedliche Charaktertypen und deren Besonderheiten kennt, kann dies taktisch klug und erfolgreich einsetzen.

Nun bist Du auch keine Wahrsagerin, aber wie siehst Du die Zukunft des IT-Arbeitsmarktes? Müssen sich IT-Fachleute auf harte Zeiten einstellen?

Die Zeiten sind immer hart oder bieten eben auch immer wieder neue Möglichkeiten. Das kommt auf die eigene Einstellung und die eigene Herangehensweise an. Fakt ist aber: Die IT-Branche bietet aufgrund ihrer Dynamik, der fortschreitenden Globalisierung und dem immer noch wachsenden Kostendruck Chancen und Risiken. Es geht eben darum, die Chancen zu erkennen und sich auf die Risiken vorzubereiten. Wer jammernd an seinem Rechner sitzt und immer wieder betont, dass früher alles besser und weniger kompliziert war, hat zwar wahrscheinlich Recht, kommt damit aber nicht weiter. Im Gegenteil, er gerät im IT-Dschungel nur noch mehr in einen Strudel aus dem er immer schwerer herauskommt. Vielmehr sollte man als IT-Experte sein Potenzial und seine Leidenschaft dazu nutzen, sich frühzeitig mit neuen Trends, Visionen, Technologien, Konzepten und Anforderungen zu beschäftigen, um sich aus der Vielfalt der Möglichkeiten, das Gebiet herauszusuchen, in dem man sich und seine Talente am besten einbringen kann. Es muss einem dabei aber auch klar sein, dass Technologie allein nicht alles ist. Man muss die Komplexität eines Gesamtsystems erfassen, methodisch vorgehen, Aufgaben im Team richtig verteilen, sich mit Kollegen auf der ganzen Welt abstimmen, auf kurzfristige Änderungen reagieren, die Kosten im Auge behalten und so weiter. Auch in der Zukunft gibt es daher spannende Betätigungsfelder für IT-Fachleute. Karriere machen wird dabei vor allem derjenige, der ein überzeugendes Portfolio an technisch/fachlichen Fähigkeiten und den vielbesagten Soft Skills anbieten kann. Wie ein solches erfolgreiches Skill Portfolio aussehen kann und auf welche Softskills Personalentscheider vor allem achten, kann man im „IT Survival Guide“ nachlesen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Yasmine Limberger ist Dipl. Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich bei Avanade Deutschland GmbH u. a. für die Bereiche Personalmarketing und Talent Akquisition hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Gerade ist ihr erstes Buch mit dem Titel „IT Survival Guide“ bei entwickler.press erschienen. Yasmine Limberger ist per E-Mail erreichbar.
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