Bragi und tado auf der MTC / IoTCon 2015

IoT-Innovation aus deutschen Landen
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Das Silicon Valley gilt als technologischer Innovationstreiber. Mit tado und Bragi schicken sich aktuell jedoch junge Startups aus Deutschland an, das aktive Internet-of-Things-Umfeld zu revolutionieren. Auf dem Münchner Konferenzpaket bestehend aus der MobileTech Conference und der Internet of Things Conference haben sich Nikolaj Hviid, dem Gründer von Bragi, und Leopold von Bismarck, Geschäftsführer von tado, dem interessierten Fachpublikum gestellt und spannende Einblicke gewährt.

Kickstarter als Erfolgsrezept

Hviid begann mit Bragi seine anfangs von Investoren belächelte Erfolgsgeschichte auf Kickstarter, wo 3,4 Millionen Dollar gesammelt werden konnten. Bis heute stellen die intelligenten Kopfhörer Dash damit das erfolgreichste Projekt aus Europa – ein Erfolg, der unter anderem auf der CES dieses Jahr mit zwei Preisen untermauert wurde; unter anderem wurde Dash mit der Auszeichnung Best of Wearables gekürt.

Mit tado hat sich das Team um von Bismarck hingegen einem anderen Ziel verschrieben: sie möchten Heizungen und Klimaanlagen, Produkte, die „nicht besonders sexy sind“, intelligent machen und somit wieder in das relevante Spektrum der Nutzer bringen. Das Ziel ist es dabei nicht, eine eierlegende Wollmilchsau zu kreieren, die Benutzer überfordert, sondern einen digitalen Assistenten zu schaffen, der simpel und auf ein Problem fokussiert nur eine einzige Aufgabe übernimmt.

Technologie sollte nicht nerven!

Beide sind sich einig, dass Technologie nicht nerven dürfe. Anwender bevorzugen Produkte, die eine dedizierte Lösung für eine bestimmte Problemstellung böten, ohne sich dem Nutzer dabei aufzudrängen. Diese Art von „Humble Technology“ sei es, die in Zukunft gefragt sei.

Hviid unterstrich ferner wie wichtig es sei, eine Vision zu besitzen. Man muss sich im klaren darüber sein, was man erreichen möchte – der danach beginne der analytische Prozess, in dem man Märkte erkunden, die Zielgruppe definieren und Anwendungsprozesse verstehen müsse.

Drahtseilakt

Gerade im Fall von tado treffen natürlich Welten aufeinander. die klassische deutsche Installateurlandschaft gerät bei einem solchen Produkt natürlich schnell in Bedrängnis. Dennoch könne man es sich nicht erlauben, als Gegenspieler aufzutreten.

Es erfordere gerade bei Projekten, die klassische Themen durch Technologie aufwerten, viel Fingerspitzengefühl. Das oberste Ziel sei es bei tado daher, einen partnerschaftlichen Ansatz mit den Heizungsherstellern zu finden.

Das Team ist entscheidend

Beide Diskussionsteilnehmer sind sich einig, dass ein homogenes Team, das sich in den Bereichen Wissen, Persönlichkeit und Erfahrung ergänzt, das A und O einer erfolgreichen Gründung ist.

Ein internationales Mindset und der analytische Aspekt im Bereich Procurement seit dabei vor allem für ein Startup im Hardware-Segment ein wichtiger Punkt. So könne man Dienstleister, die sich um PR, Marketing, Fertigung oder Tests kümmern außen vor lassen und somit vor allem Kosten sparen.

Lebende Produkte

Sieht man sich den Werdegang an, erkennt man schnell, dass es einer gewissen Priese Pioniergeist bedarf, um im IoT-Umfeld bestehen zu können.

Die erste Version von tado im Jahre 2011 war beispielsweise ein zusammengestecktes Arduino, das bei treuen und vor allem leidensfähigen Betatestern ausgiebigen Tests unterzogen wurde.

Allerdings darf man nicht zu viel wollen. Es sei unmöglich, große Probleme als Ganzes zu lösen. Viel mehr solle man es aufbrechen in viele kleine Probleme und diese nach und nach lösen.

Darüber hinaus, so Hviid, müsse man sich im klaren sein, dass ein Stück Elektronik mit Software ein lebendes Produkt sei. Jedes Produkt für sich sei eine These, aber man könne natürlich nicht immer Recht haben. Man müsse immer bereit sein, sein Produkt anzupassen und in der Lage sein, Fehler eingestehen zu können.

Ergänzend kommt hinzu, dass man Mut beweisen müsse. Von Bismarck machte deutlich, dass man nicht im stillen Kämmerlein vor sich hinwerkeln dürfe, bis das Projekt der eigenen Meinung nach perfekt sei. Das Produkt müsse gut genug sein, um vom Nutzer akzeptiert zu werden – zu schnell scheitere man sonst an seinen eigenen Maßstäben.

User Experience über alles

Als Fazit gab Hviid den interessierten Zuhörern einige Tipps mit auf dem Weg: „Findet einen hervorragenden Designer, arbeitet an dem Anwendererlebnis und arbeitet weiter am Anwendererlebnis. User Experience geht über alles!“

So schließt sich der Kreis: Technologie der Zukunft muss „humble“ sein, zurückhaltend. Sie darf den Nutzer nicht vor neue Probleme stellen und ständig Entscheidungen einfordern.

Das ist die Zukunft, auf die wir uns also freuen können. Und sie wird unter anderem in Deutschland gestaltet.

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