Mobile und andere Missverständnisse

Die neue Intelligenz des Internet of Things
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In der heutigen Zeit mag es beinahe ein wenig wie Blasphemie klingen, aber Technik löst nicht unsere Probleme – sie werden dadurch eher mehr. Und auch in Zukunft werden Probleme nicht von Technik gelöst werden. Unser Problem ist: Wir bauen Technik und überlassen dem Nutzer, was er daraus macht. So kommt es, wie es kommen muss: Während die einen Probleme technologisch lösen wollen, verstehen die anderen die Relevanz dahinter nicht. Es ist also an der Zeit, umzudenken. Zeit, mit Mobile und anderen Missverständnissen aufzuräumen.

Diese These stellt Prof. Mike Richter in seiner Session The Future of Everyday Products auf der MobileTech Conference 2015 in München in den Mittelpunkt. Was folgte, war ein interessanter Streifzug durch die letzten 20 Jahre der technologischen Innovation, die vor allem gelehrt hat, dass dieselben Fehler immer wieder gemacht werden: Technologie wird als Treiber gesehen, nicht als Enabler.

Im Mittelpunkt: der User.

Wenn die letzten Jahre etwas gezeigt haben, dann ist es, dass der Nutzer und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen müssen – doch meist verkommt das Mantra des User-zentrischen Designs zu einem reinen Lippenbekenntnis. Zu oft werden Lösungen mit technologischen Mitteln geschaffen, für die noch gar keine Probleme existieren.

Doch es ist nicht immer einfach, neuen Technologien mit frischem Geist zu begegnen. Wir neigen dazu, die Lehren der Vergangenheit auch auf Neues anzuwenden – Visionären wird es so nicht leicht gemacht.

Ein Pionier der neuen, wirklich auf den Nutzer ausgerichteten Entwicklung war einst Steve Jobs, der früh erkannte, dass es nicht nur um Technologie, sondern um Simplicity, Usability und vor allem den Joy of Use.

Unternehmerische Schnappatmung

Geschichte wiederholt sich. Während heute noch immer viele Unternehmen in ihrer digitalen Strategie das Internet für sich erschließen, gerät der nächste Schritt der Evolution – Mobile – bereits selbst unter Druck. Die Vorreiter, welche die mobile Revolution vorangetrieben haben, wurden mittlerweile von ihren eigenen Errungenschaften gefressen. Nokia, Motorla, Siemens – der Markt der mobilen Devices wird längst von anderen Playern dominiert. Und die nächste Technologie steht bereits vor der Tür.

So hecheln Unternehmen dem Internet of Things als kommendes Thema hinterher und sind dabei noch immer auf der Suche nach Use Cases, mit denen sie einen Value für sich erschaffen können. Doch zunächst einmal braucht es Mut und Entdeckergeist, um den ersten Schritt zu wagen und sich neue Märkte zu erschließen.

Wir müssen uns permanent ändern, damit alles bleibt, wie es ist …

Dieser Entdeckergeist muss geprägt sein von neuen Ideen. Man muss bereit sein, alte Pfade zu verlassen, Grenzen zu durchbrechen und Belohnungssysteme für die Bereitstellung der persönlichen Daten zu implementieren. Nur so kann man auf dem Markt eine Akzeptanz erreichen – und sei es für eine Zahnbürste mit Bluetooth-Schnittstelle.

Die Zukunft des IoT

Ein Internet der Dinge der Zukunft braucht laut Richter eine weitere Komponente: richtige Intelligenz.

Das Problem ist, dass jedes intelligente Device den Nutzer als Hub behandelt und ständig mit mehr oder weniger nützlichen Informationen versorgt und Anweisungen einfordert. Dabei sollten die Devices untereinander kommunizieren und sich erst dann beim Anwender melden, wenn eine wirklich wichtige Information bereitsteht.

Was benötigt wird, ist also eine Wechselwirkung über einen logischen Layer, der nach bestimmten Regeln Entscheidungen trifft.

Ob diese Entscheidungen am Ende besser oder schlechter sind als jene, die von Menschen getroffen werden, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist, dass die Zukunft kommen wird. Nun heißt es, das Beste daraus zu machen.

Aufmacherbild: Fusion of human with artificial intelligence von Shutterstock / Urheberrecht: razum

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