Interview mit Julien Vermillard über Protokolle für das Internet der Dinge

‚Eines Tages wird einer der konkurrierenden Standards das IoT dominieren‘
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Bunt und lustig geht es zu in der Protkolllandschaft des Internet of Things (IoT). HTTP, MQTT, CoAP, Lightweight M2M und OMA-DM heißen nur einige Technologien, die dort für Konnektivität sorgen. In seiner Session „M2M, IoT, device management: one protocol to rule them all?“ wird Julien Vermillard auf der Internet of Things Conference im September durch den Protokolldschungel führen. Uns hat er vorab einen kleinen Einblick in die Thematik gegeben – und verraten, welches sein Lieblingsprotokoll ist.

JAXenter: Woher kommt dein Interesse an IoT-Technologien?

Julien Vermillard: In einem früheren Leben habe ich Buchhaltungssoftware entwickelt. Langeweile und Neugierde führten mich zur Elektronik und zu eingebetteter Software. So wechselte ich zur Industrie, arbeitete mit SCADA; später beschäftigte ich mich mit Echtzeit-Audio-Streaming. Mittlerweile arbeite ich für Sierra Wireless an IoT/M2M.

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JAXenter: Du bist Software Engineer bei Sierra Wireless. Wofür bist du dort in erster Linie verantwortlich?

Vermillard: Meine alltägliche Arbeit besteht in der Implementierung verschiedener M2M/IoT-Protokolle im AirVantage Cloud-Server https://airvantage.net : Es werden OMA-DM, LWM2M/CoAP, MQTT sowie einige proprietäre Protokolle unterstützt. Ich stehe mit einem Bein im Bereich der Server-Software, mit dem anderen in dem der „Dinge“. Ich programmiere täglich in Java, C und Go.

JAXenter: Auf der IoTCon wirst du einen Überblick über die verschiedenen IoT-Protokolle geben. Hast du so etwas wie ein „Lieblings“-Protokoll, beziehungsweise eines, mit dem du besonders vertraut bist?

Vermillard: Ich denke, mein Lieblingsprotokoll ist HTTP. Oberflächlich betrachtet ist es sehr simpel, aber in den Details sehr komplex: die Zusammenstellung des User Agent, get by-range, Pipelining, WebSocket, HTTPS-basierte Sicherheit. Das korrekte Parsen kann beispielsweise ein wahrer Alptraum werden.

Eines Tages wird einer der konkurrierenden Standards das IoT dominieren, genauso, wie HTTP das Web dominiert.

JAXenter: Einige finden die Protokoll-Vielfalt ja ziemlich verwirrend. Muss man zaubern können, um das eine Protokolle für eine große Bandbreite an Anwendungsfällen zu kreieren (oder wie du es nennst: „one protocol to rule them all“), oder glaubst du, dass das früher oder später passieren wird? 

Vermillard: Es gibt da einen berühmten Comic von XKCD über Standards, der die Situation glaube ich ganz gut zusammenfasst:

xkcd: standards

Eines Tages wird einer der konkurrierenden Standards das IoT dominieren, genauso, wie HTTP das Web dominiert (und HTTP ist alles andere als perfekt). Doch zur Zeit wird M2M/IoT mehr von proprietären Protokollen denn von zu vielen offenen Standards beeinträchtigt; proprietären Ad-Hoc-Protokollen, wie sie in der Industrie recht häufig sind. Wenn wir ein offenes IoT haben wollen, dann müssen wir die Entwickler von eingebetteter Software entsprechend „erziehen“, im Sinne von: „Mag sein, dass MQTT oder CoAP nicht die perfekte Lösung für eure Anwendung ist, aber die Verwendung offener Protokolle ist der einzige Weg zum Internet of Things.“ Nur offene Standards können die Cloud-Silos aufbrechen.

Julien VermillardJulien Vermillard ist Software Engineer bei Sierra Wireless, wo er für die Implementierung von Protokollen für den Cloud-Dienst AirVantage zuständig ist. Er ist außerdem ein alter Hase im Bereich Open Source: So ist er Mitglied der Apache Software Foundation sowie einer der ersten Eclipse IoT-Committer für Californium und Wakaama. Zur Zeit arbeitet er an einem quelloffenen Lightweight-M2M-Server. (Bild: J. Vermillard)

JAXenter: MQTT hat mittlerweile eine recht große und aktive Community. Warum ist das bei CoAP nicht der Fall?

Vermillard: Zunächst einmal ist CoAP jünger als MQTT. Die Industrie braucht normalerweise mehrere Jahre, um ein neues Protokoll zu akzeptieren, insbesondere wenn es – wie bei  CoAP der Fall – für einen Paradigmenwechsel steht. CoAP hat eine sehr aktive Community, allerdings ist sie vielleicht nicht so sichtbar wie die von MQTT: Die IETF CoRE group, die Open Mobile Alliance, ETSI/IPSO, das Contiki OS und jeder im Dunstkreis von 6LowPAN.

JAXenter: Erst neulich wurde eine hitzige Debatte über MQTT geführt. Begonnen wurde sie von Clemens Vasters, der es erstmalig implementierte und einen regelrechten Rant veröffentlichte. Wie stehst du dazu – ist an dem, was er sagt etwas dran oder nicht?

Vermillard: Es existieren einige echte Bedenken, aber im Kern verkennt er das, was MQTT ausmacht: Die clientseitige Implementierung gestaltet sich sehr einfach, und die Abwärtskompatibilität ist perfekt. Zugegeben, die serverseitige Implementierung ist nicht leicht, aber im Gegenzug wird die Geräte-Anbindung zur Trivialität. Wenn man die Leute bei IBM, 2lemetry oder HiveMQ fragt, werden sie einem bestätigen, dass es durchaus skalierbare MQTT-Broker gibt.

JAXenter: Lightweight M2M ist wahrscheinlich weniger bekannt. Du arbeitest zur Zeit an einer Open Source-Implementierung. Für welche Anwendungsfälle ist dieses Protokoll am besten geeignet?

Vermillard: Das ist einfach: Es ist ein Protokoll, mit dem man durchweg arbeiten kann: Sei es Konfiguration (z.B. IP-Adresse, Sicherheitsschlüssel), Upgrading (Firmware, Software) oder Monitoring (Konnektivitätsstatistik, Platinentemperatur). Also im Grunde alles was man braucht, um eine sichere IoT-Anwendung zu betreiben!

JAXenter: Vielen Dank für das Interview, Julien! Und bis zur IoTCon. 

Das Interview wurde in englischer Sprache geführt. Deutsche Übersetzung: Michael Thomas.

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