Smarter Lautsprecher für das Smart Home

Google Home – Konkurrenz für Amazon Echo?
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Auf der diesjährigen Google I/O wurde zwar viel Neues vorgestellt, aber im Kern doch wenig wirklich Aufregendes präsentiert. Eine Ausnahme bildet da Google Home, ein intelligenter Lautsprecher für das Smart Home. Doch Moment mal, ein smarter Lautsprecher, gibt’s da nicht schon was von Amazon? Ja, genau – Google Home tritt in direkte Konkurrenz zu Amazon Echo. Jetzt sind neue Informationen zu den technischen Details von Google Home aufgetaucht.

Dass Google auf seiner Entwicklerkonferenz neue Hardware für den Smart-Home-Bereich vorstellen wird, ist schon seit letzter Woche kein Geheimnis mehr: Unter dem internen Projektnamen Chirp kursierten schon seit längerem Entwürfe und Gerüchte zu Googles neuem smarten Lautsprecher – den das Unternehmen übrigens selbst als „voice-activated home product“ bezeichnet. Auf der Google I/O war es dann soweit und Google Home wurde der Öffentlichkeit präsentiert.

Ok Google, hier kommt Google Home

Google Home ähnelt Amazon Echo doch ziemlich: Das Design der Geräte gleicht sich, und auch die Funktionsweise ist fast identisch. Auf der Oberseite des zylinderförmigen Lautsprechers sind mehrere bunte LEDs angebracht, die farbige Unterseite kann ausgetauscht werden. Wie Echo kann auch Home als einfacher Lautsprecher fungieren, über den via Wifi-Verbindung Musik abgespielt oder Nachrichten vorgelesen werden. Zudem offeriert Google Home Google-Cast-Support, sodass er mit anderen Lautsprechern kombiniert werden oder etwa Videos via Chromecast auf dem TV abspielen kann. Natürlich funktioniert das Ganze per Sprachsteuerung.

Google Home, Quelle: https://home.google.com/

Google Home, Quelle: https://home.google.com/

Google Assistant

Denn genau wie Amazon Echo verfügt auch Google Home über einen virtuellen Assistenten namens Google Assistant, der verschiedene Sprachkommandos verstehen und Smart Devices steuern kann. Google Assistant tritt also in direkte Konkurrenz zu Amazons Alexa, die den Echo steuert. Googles virtueller Assistent greift auf Software zurück, mit der verschiedene Aufgaben im Haushalt bewältigt werden können: Da sich die Technologie auf Google-eigene Dienste stützt, ist klar, dass sich sämtliche Geräte aus der Nest-Familie über den Sprachassistenten steuern lassen. So kann man also beispielsweise das Thermostat via Sprachbefehl einstellen oder das Licht (d. h. Philips-Hue-Lampen) ein- bzw. ausschalten.

Google Home fungiert ferner als Internet-of-Things-Hub. Das bedeutet, dass nicht nur Devices der Google-Familie über Google Assistant steuerbar sein sollen. Google verspricht darüber hinaus, dass Google Home alle smarten Geräte – Lampen, Kameras, Thermostate etc. – ansteuern kann. Home funktioniert übrigens auch über ein angeschlossenes Smartphone.

Konkurrenz für Amazon Echo?

„Wir müssen dem Team bei Amazon für den Ansatz danken“, sagte Google-CEO Sundar Pichai gestern auf der Entwicklerkonferenz – man weiß in Mountain View also, den Ideengeber zu würdigen. Amazon Echo und Google Home – zwei beinahe identische Devices, doch welches ist jetzt „besser“? Im Grunde geht es nicht um die Frage nach dem Gerät, sondern darum, was dahinter steckt: Die künstliche Intelligenz für die Sprachsteuerung.

Google hat auf dem KI-Gebiet bereits einige Erfolge erzielt: So besiegte die KI AlphaGo im März den weltbesten menschlichen Go-Spieler – bis dato ein Ding der Unmöglichkeit. Geht man davon aus, dass Google Assistant auf ähnliche Quellen, beispielsweise den Knowledge Graph, zugreift, lässt sich das ganze Potenzial der Technologie erahnen. Einen ersten Einblick gab es bereits: Fragt man etwa danach, wie viel Fett eine Avocado enthält, bekommt man nicht nur die richtige Antwort geliefert. In Folge sind auch kontextabhängige Fragen, wie z. B. „Was kann ich damit kochen?“, möglich, die verstanden werden.

It could signal that Google is getting more and more serious about branding itself as a virtual assistant that can return anything and everything that users need when they are searching for an answer.

Wie herausragend diese Möglichkeiten auch sein mögen, kommt Google Home doch ziemlich verspätet auf den Markt und reagiert eher auf die Konkurrenz aus dem Hause Amazon, als eigene Akzente zu setzen. Amazon hat bereits das Alexa Skills Kit SDK quelloffen zugänglich gemacht, womit sich der Funktionsumfang erheblich erweitert, da sich Web-Angebote auch außerhalb von Amazon integrieren lassen. Auch der Alexa Voice Service und damit der Sprachassistent stehen Open Source. Anders als die Konkurrenz schafft Amazon durch die Öffnung für Drittentwickler konkrete Use Cases, um Echo in einem vielseitigen Ökosystem von Geräten zu integrieren. So wurden die SDKs bereits genutzt, um smarte Beleuchtung zu steuern, Thermostate von Nest zu regeln und unzählige weitere Home-Automation-Anwendungen durchzuführen.

Es bleibt also spannend, wer im weiteren Verlauf die Nase vorn hat? Der bereits etablierte und erprobte Amazon Echo mit dem Sprachassistenten Alexa? Oder doch Google Home, der auf eine breite Google-Nutzerbasis und die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zurückgreifen kann?

Vorläufige technische Daten zu Google Home

Google Home wurde vor rund zwei Wochen von Chromecast-Head Mario Queiroz auf der Google I/O vorgestellt. Nachdem bislang nur Informationen zum Aussehen des smarten Lautsprechers und zum virtuellen Assistenten Google Assistant verfügbar waren, sind nun neue Infos zu den technischen Daten aufgetaucht. So soll es sich bei Google Home um eine „dressed-up version of Chromecast“ handeln.

Der vernetzte Lautsprecher basiert laut Insider-Angaben auf der Chromecast-Architektur und soll einen ähnlichen ARM-basierten Prozessor mit 4 GB RAM und Wifi-Chip nutzen. Prinzipiell ist Google Home also ein erweiterter Chromecast mit zusätzlichen Features wie Mikrofon, Lautsprecher, LEDs und ausgereifterem Design. Zudem soll das Gerät mit demselben Betriebssystem ausgeliefert werden: ein linuxbasiertes OS. In Zukunft ist aber auch eine Auslieferung mit einer vollständigen Android-Version denkbar. Sprachbefehle werden an Googles Server geschickt und dort geparst.

Mit dieser relativ einfachen Architektur könnte Google den Preis von Amazon Echo unterbieten und sich so einen entscheidenden Vorteil sichern. Denn Echo wird derzeit für 179 Dollar verkauft, während der Chromecast schon für 35 Dollar zu haben ist. Irgendwo in der Mitte dürfte dann wohl der Preis von Google Home liegen.

Hier findet ihr noch mal die Produktvorstellung von Google Home auf der Google I/O:

Aufmacherbild: Horn speaker for public relations sign symbol von Shutterstock / Urheberrecht: jakkapan

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