Die Mauer muss weg

Offene APIs statt Walled Gardens im IoT
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„Silos müssen aufgebrochen werden“ – so lautet die Forderung von Ingomar Otter, Speaker auf der IoT Conference Spring 2016. Warum Walled Gardens weder für Anbieter noch für Nutzer von IoT-Lösungen Vorteile bieten und wo die Alternative liegt, erklärt er uns im Interview.

Offenes API statt Walled Garden: Ingomar Otter, Director Technology & Innovation bei der Full-Service-Digitalagentur Valtech, hält die im IoT vorherrschenden Walled Gardens für innovations- und nutzerfeindlich. In seiner Session auf der IoT Con 2016 erklärte er, warum die Grenzen im IoT geöffnet werden müssen und warum das für Nutzer wie Anbieter von essenzieller Bedeutung ist. Worum es im einzelnen geht, haben wir vorab im Gespräch mit Ingomar Otter in Erfahrung gebracht.

Die Mauer muss weg

Herr Otter, Sie plädieren für offene APIs anstatt Walled Gardens. Ist es gerade in der Industrie aber nicht verständlich, dass geschlossene Systeme der Standard sind?

Ingomar Otter: Ja, „geschlossen“ war bislang der Normalfall. Auch, weil es bis vor kurzem keine andere Möglichkeit gab. Das ist jetzt aber möglich. Und ich bin davon überzeugt, dass offene APIs für alle Beteiligten, User und Anbieter, von Vorteil sind. Ich möchte dazu anregen, darüber genauer nachzudenken – auch, wenn der erste Reflex seitens der Anbieter ein anderer sein dürfte.

Würde die Industrie, beispielsweise Automobilhersteller, auf offene Standards setzen, bestünde dann nicht die Gefahr, dass sie zu Device-Lieferanten verkommen – ähnlich wie etwa Samsung und andere Vertreter in der Smartphone-Sparte?

Ingomar Otter: Automobilhersteller sind schon immer Device-Lieferanten gewesen, das ist ihr Kerngeschäft. Aus meiner Sicht ist eher die Frage, welche Strategie für den Kunden attraktivere Devices hervorbringt. In Bezug auf Anwendungen und Dienste haben – gerade bei Smartphones – unabhängige Unternehmungen häufig interessantere Konzepte und Dienste als die Device- und Infrastrukurhersteller ersonnen und realisiert. Diese Innovationskraft würde ich für Devices im Allgemeinen, speziell aber für Autos gerne genutzt sehen.

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Anders gefragt: Wo liegen die Vorteile für Hersteller bei offenen Systemen?

Ingomar Otter: Ich glaube, das kann man mit „Long Tail“-Effekten erklären. Für Automobilhersteller lohnen sich vor allem Dienste, die für eine Vielzahl von Nutzern attraktiv sind. Die Anzahl solcher Dienste ist aber überschaubar. Durch eine Öffnung und eine breitere Hardware-Basis werden spezifischere Dienste – insbesondere solche, die auf Integration anderer Systeme und Geschäftsmodellen beruhen – rentabel. Damit steigt das Angebot, was wiederum das Device für Kunden attraktiver macht.

Und wo liegt der generelle Vorteil von offenen APIs im Internet of Things?

Ingomar Otter: Ich finde nicht, dass wir es schon mit einem Internet der Dinge zu tun haben, sondern mit einer Menge eher schlichter „Connected Objects“.

Silos müssen aufgebrochen werden.

Die Dinge reden aber nicht miteinander, es gibt kaum Integration, sondern zumeist herstellerspezifische Silos. Und ich glaube, dass gerade in der Kombination der Devices viele werthaltige Anwendungen schlummern. Dazu müssen die Silos aber aufgebrochen werden: durch interoperable APIs.

Welchen Nutzen könnte denn zum Beispiel ein „Ding“ aus der Mitarbeit vieler unterschiedlicher Entwickler ziehen?

Ingomar Otter: Unabhängige Entwickler könnten zum Beispiel Anwendungsfälle für eine kleine Gruppe von Anwendern entwickeln. In diesen Nischen sind die Stückzahlen gering, der Wert für die Anwender mit speziellen Bedürfnissen aber sehr hoch. Sofern wir offene APIs hätten, könnte diese Anwendung mit überschaubarem Aufwand auf unterschiedlichen Devices zum Leben erweckt werden. Dies würde für den Entwickler den Markt – trotz Nische – vergrössern.

Ingomar Otter

Ingomar OtterNach seinem Informatikstudium an der TU Dortmund war Ingomar Otter zunächst als Berater bei Nexus, dann als Systemarchitekt bei Ericsson tätig. Seit 1999 arbeitet er bei der internationalen Full-Service-Digitalagentur Valtech, die unter anderen Kunden wie Audi, BMW, VW, BMG oder Marc O’Polo betreut. Bei Valtech agiert er als Vordenker der Leading-Edge-Positionierung des Unternehmens – und sorgt als Director Technology & Innovation dafür, dass Innovation konkrete Formen annimmt.

 

Aufmacherbild: garden fence von Shutterstock / Urheberrecht: varuna

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