Konkurrenz zum Raspberry Pi: Arduino, Intel Galileo, Banana Pi & Co.

Raspberry Pi Alternativen – die Top 7
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Denkt man an Einplatinencomputer, kommt einem mit ziemlicher Sicherheit zuerst der Raspberry Pi in den Sinn. Denn der Raspi eignet sich nicht nur für Einsteiger, sondern bietet auch erfahrenen Bastlern viele Möglichkeiten, spannende Projekte umzusetzen. Doch so cool der Raspberry Pi auch ist, für manche Anwendungsszenarien eignen sich andere Boards einfach besser. Aus diesem Grund lohnt es sich, einmal einen Blick auf die Raspberry Pi Alternativen zu riskieren.

Warum zu Raspberry Pi Alternativen greifen, wenn man doch einfach den Raspi selbst nutzen kann? Denn dieser bietet sowohl Einsteigern als auch fortgeschrittenen Bastlern einige Möglichkeiten: Die derzeit aktuelle Version heißt Raspberry Pi 3 und ist pünktlich zum vierten Geburtstag des Einplatinencomputers am 29. Februar 2016 erschienen. Mit seiner 64-Bit Quad-Core-ARM-Cortex-A53-CPU und einer Taktfreuqenz von 1,2 GHz steckt im Raspberry 3 deutlich mehr Power als in seinen Vorgängermodellen. Das führt zu einer um 50 bis 60 Prozent verbesserten Performance im 32-Bit-Modus, so die Entwickler. Glaubt man den Gerüchten, könnte übrigens schon bald eine neue Version des Minirechners erscheinen: der Raspberry Pi 4.

Eine weitere Neuerung in der dritten Generation: Der Pi 3 ist mit integriertem 802.11n WLAN und Bluetooth 4.1 ausgestattet. Die GPIO-Pins hingegen bleiben an altbekannter Stelle und auch deren Funktionalität hat sich nicht geändert. Zudem verfügt der Raspberry Pi über vier USB-2.0-Anschlüsse, einen HDMI-Anschluss für Audio- und Videowiedergabe sowie 1 GB Speicherplatz. Einen Überblick über mögliche Betriebssysteme, die via microSD installiert werden können, bietet unser Beitrag „Raspberry Pi Betriebssysteme – die Top 10„. Der Raspberry Pi 3 ist für knapp 30 Euro zu haben.

raspberry pi 3

Raspberry Pi 3, Quelle: Raspberry Pi

Raspberry Pi Alternativen – die Top 7

Seit der Markteinführung des Raspberry Pi 2012 wurden über acht Millionen Stück des Mini-Computers verkauft – eine ziemlich beeindruckende Erfolgsgeschichte. Betrachtet man sich das umfangreiche Ökosystem und die große Community, ist die Verbreitung des Raspis jedoch kein Wunder. Doch manchmal genügt selbst ein so gut ausgestattetes Board wie der Raspberry Pi den Tinkerer-Ansprüchen nicht – mehr RAM, mehr CPU- und GPU-Power, mehr GPIO-Anschlüsse… Für diesen Fall stellen wir euch hier die wichtigsten Raspberry Pi Alternativen vor.

Arduino/Genuino

Der Name Arduino umfasst eine ganze Physical-Computing-Plattform, zu der neben einer integrierten Entwicklungsumgebung auch die bekannten Boards gehören. Aufgrund eines Markenrechtsstreits zwischen der Gründergruppe der Plattform und den Produzenten des offiziellen Boards entwickelten sich zwei Bezeichnungen für den Mikrocontroller: Die Marke Genuino wird derzeit für alle Mikrocontroller-Boards verwendet, die außerhalb der USA verkauft werden. Außer im Namen unterscheiden sich Arduino und Genuino nicht.

Der Arduino Uno ist so etwas wie der Vorfahre des Raspberry Pis und kann ebenfalls auf eine große Fangemeinde setzen. Einer der Gründe dafür: Der Einplatinencomputer richtet sich vor allem an Quereinsteiger, die mit Programmierung bislang kaum in Berührung gekommen sind. Allerdings kommt man um das Thema nicht herum, denn der Arduino kann ein Betriebssystem nicht direkt starten. Nutzer müssen die entsprechenden Funktionen über die eigene IDE mit der Programmiersprache Processing programmieren. Der Uno basiert auf einem ATmega328P-Mikrocontroller (8 Bit), verfügt über 32 KB Flashspeicher sowie über ein 1 KB EEPROM. Zudem hat die GPIO 14 digitale I/O-Pins und verschiedene Schnittstellen, darunter USB, SPI, I2C und ICSP. Mit nur 16 MHz CPU ist der Arduino Uno vor allem für die Ermittlung von Messwerten und die Lichtsteuerung geeignet.

arduino uno

Arduino Uno, Quelle: Arduino

Möchte man die Funktionen des Einplatinencomputers ergänzen, gibt es die Möglichkeit der sogenannten Shields. Über diese lässt sich jedes Board um Hardware-Bauteile erweitern. Die Anbindung von Netzwerken und Massenspeicher ist nur über Umwege möglich. Außer dem Einsteigermodell Arduino Uno gibt es derzeit vier weitere Boards – bzw. fünf, zählt man die für Wearables gedachten Arduinos mit. Aufschluss über die Spezifikationen der jeweiligen Modelle gibt eine Tabelle auf der Projektwebsite. Der Arduino bzw. Genuino Uno schlägt mit nur 20 Euro zu Buche, baugleiche Boards von Drittherstellern gibt es bei Amazon bereits ab elf Euro.

Intel Galileo & Intel Edison

Sofern ein Mikrocontrollerboard eines Herstellers eine modifizierte Version der Arduino-IDE und ein eigenes Hardwaredesign anbietet, kann dieses von Arduino zertifiziert werden. Genau das hat Intel mit zwei seiner Boards getan: dem Intel Galileo und dem Intel Edison.

Der Intel Galileo setzt im Gegensatz zu den „richtigen“ Arduinos auf einen Mikroprozessor der Pentium-Reihe mit 32 Bit und 400 MHz und wird mit einem Linux-Betriebssystem ausgeliefert. Zudem verfügt das Board bereits über eine Stromversorgung via Ethernet und kann wahlweise von der SD-Karte oder vom 8 MB großen Flashspeicher starten. Neben einem Steckplatz für die microSD-Karte kann der Intel Galileo auch mit einem USB-2.0-Anschluss und einem PCI-Steckplatz aufwarten. Auch sind die Arduino-Shields mit diesem Board kompatibel. Die aktuelle Version heißt Intel Galileo Gen2 und ist für knapp 80 Euro zu haben.

intel galileo

Intel Galileo, Quelle: Arduino

Der Intel Edison hingegen ist ganz auf das Internet of Things ausgerichtet: Das Board verfügt über eine 100-MHz-Quark-CPU und wird von einem 500-MHz-Dual-Core-Atom-Prozessor angetrieben. Somit ist der Kleinrechner echtzeitfähig. Der Arbeitsspeicher ist 1 GB groß, zusätzlich gibt es 4 GB Flashspeicher für das Betriebssystem. Des Weiteren verfügt der Edison über eine WLAN-Karte und ein Bluetooth-4.0-Modul; auch ein Breakout-Board steht zur Verfügung. Für einen Intel Edison mit Breakout-Board muss man mit rund 60 Euro rechnen.

intel edison

Intel Edison, Quelle: Arduino

BeagleBoard

Das BeagleBoard basiert auf dem OMAP3530-SoC von Texas Instruments und ist bereits seit 2008 auf dem Markt. Das Hardware-Design ist frei, sodass jeder selbst (innerhalb der Spezifikationen) solche Boards herstellen kann. Die ursprüngliche Version wurde mittlerweile weiterentwickelt, so existieren neben dem BeagleBoard das BeagleBoard-xM, BeagleBone sowie BeagleBone Black.

Letzteres dürfte gleichzeitig das für ambitionierte Entwickler interessanteste Board sein: 512 MB Speicherplatz, 4 GB Onboard-Speicher, ein mit 1 GHz getakteter Sitara AM3358 ARM Cortex-A-Prozessor sowie Ethernet und HDMI-Anschlüsse sprechen für sich. Zudem sind unterschiedliche Erweiterungsplatinen, sogenannte Capes, verfügbar. Punkten will der Hersteller mit vorinstallierter Linux-Distribution, wodurch eine sofortige Inbetriebnahme möglich ist. Außerdem bleibt der microSD-Kartenslot für andere Zwecke frei. Das System unterstützt Android, Ubuntu, Debian, openSUSE und weitere OS. Rund 50 Euro muss man für ein BeagleBone Black investieren.

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BeagleBone Black, Quelle: BeagleBoard

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PandaBoard

Das PandaBoard kam Ende 2010 auf den Markt und beruht wie auch das BeagleBoard auf einer offengelegten ARM-Architektur. Gegenüber der ersten Version des BeagleBoards wurde es allerdings in Bezug auf die Hardware aktualisiert. So ist das aktuelle PandaBoard ES beispielsweise mit einem Zweikern-Prozessor mit 1,2 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher, drei Videoausgängen, WLAN und Bluetooth ausgestattet. Jedoch fehlt ihm der Flashspeicher. Auch das Hardware-Design des PandaBoards ist frei.

Als Betriebssysteme für das PandaBoard kommen verschiedene Linux-Distributionen wie Ubuntu, Arch Linux und Ångström sowie Betriebssysteme wie Android und Meego in Frage. Entscheidender Nachteil dieses Boards ist die auf den ersten Blick fehlende Community: Die letzten Einträge im herstellereigenen PandaBoard-Forum stammen aus dem Jahr 2014. Das PandaBoard ES ist ab 195 Euro zu haben.

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PandaBoard ES, Quelle: PandaBoard

Cubieboard

Das Cubieboard bringt im Vergleich zu anderen Einplatinencomputern eine enorme Rechenleistung mit sich: Die aktuelle Version Cubieboard 4 ist eine verbesserte Variante des Vorgängers Cubietruck und setzt auf den Prozessor Allwinner A80 Octa Core mit acht Prozessorkernen, von denen vier Kerne mit bis zu 2 GHz getaktet sind. Dazu kommen 2 GB RAM sowie die Möglichkeit, das Board mit bis zu 64 GB Onboard-Speicher auszustatten. Neben zwei USB-2.0-Schnittstellen verfügt das Cubieboard auch über einen USB-3.0-Anschluss.

Eine weitere Besonderheit sind die zwei Grafikeinheiten (GPU und VPU), die so leistungsfähig sind, dass Videos in 4K abgespielt werden können. Im Gegensatz zum Cubietruck ist jedoch kein SATA-Anschluss mehr vorhanden. Als Betriebssystem ist standardmäßig eine Android-Version installiert, aber auch Cubian, Fedora, Lubuntu und Ubuntu können verwendet werden. Wer allerdings Projekte umsetzen möchte, die sich nicht durch die angebotenen OS umsetzen lassen, muss einiges an Know-how und einen abgeschlossenen Grundkurs im Löten mitbringen. Das Cubieboard 4 ist für rund 140 Euro zu haben.

cubieboard

Cubieboard, Quelle: Alejandro MeryCC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Banana Pi

Der Name Banana Pi lässt eine nahe Verwandtschaft zum Raspberry Pi vermuten, allerdings haben die beiden Projekte faktisch nichts miteinander zu tun. Die kleine Banane ähnelt vielmehr dem Cubieboard und manche Modelle lassen sich sogar mit dessen Linux-Kernel betreiben. In diesem Jahr ist der Banana Pi M2+ erschienen, der mit einem ARM Cortex-A7 mit vier Kernen in einem Allwinner H3 ausgestattet ist. Er verfügt über 1 GB RAM und 8 GB Flashspeicher. Zudem bietet er zwei USB-Ports, 40 externe GPIO-Pins (die mit vielen Raspberry-Pi-Erweiterungen kompatibel sind) sowie eine HDMI-Schnittstelle, Bluetooth 4.0 und integriertes WLAN.

Auch in puncto Grafik hat der kleine Computer einiges drauf: Zum Einsatz kommt die PowerVR-Mali400MP2-GPU. Zudem besitzt der Banana Pi einen Reset-Schalter sowie einige spannende Extras: Kameraanschluss, integrierter Infrarot-Empfänger, Mikrofon-Eingang und Displayanschluss zählen dazu. Als mögliche Betriebssysteme kommen Raspbian, Ubuntu, Fedora und Android in Frage. Durch seine höhere Leistungsfähigkeit kann der Einplatinenrechner als Netzwerkspeicher oder Private Cloud eingesetzt werden. Im Handel ist der Banana Pi M2+ für knapp 40 Euro erhältlich.

banana pi

Banana Pi M2+, Quelle: Banana Pi

Odroid

Hinter dem Namen Odroid stecken die Wörtchen „Open“ und „Droid“, was schon die Ausrichtung des Einplatinencomputers angibt: Neben verschiedenen Linux-Distributionen kann auch das Betriebssystem Android installiert werden. Die aktuelle Version Odroid-XU4 setzt auf einen Octa-Core-Prozessor mit Quad-Core Cortex A7 @1400MHz und Quad-Core Cortex A15 @2000MHz. Dazu kommen 2 GB Arbeitsspeicher sowie ein USB-2.0- und zwei USB-3.0-Anschlüsse.

Zudem verfügt der Rechner über einen HDMI-Anschluss, einen 1 GB Ethernet-Port und einen Mali-T628 MP6-Grafikprozessor, der unter anderem OpenGL und OpenCL unterstützt. Außerdem steht eine 42-polige GPIO-Einheit zur Verfügung. Vorteil dieses Boards ist seine gute grafische Oberfläche, wodurch es sich besonders als Medienserver eignet. Ab rund 50 Euro ist der Odroid-XU 4 erhältlich.

odroid

Odroid XU4, Quelle: Odroid


Wie sieht es bei euch aus – greift ihr lieber auf den Raspi zurück oder darf es eine der unzähligen Raspberry Pi Alternativen sein? Womit kann man eurer Meinung nach die spannendsten Projekte umsetzen? Und welche Einplatinencomputer eignen sich nach eurer Erfahrung für Einsteiger, welche für Profis? Erzählt uns mehr zum Raspberry Pi und seinen Alternativen in den Kommentaren!


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