Vernetzte Intelligenz im smarten Heim

Smart Home – Intelligenz fürs Zuhause
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Heimautomation, vernetztes Heim, Smart Home – wie man die neuen Techniklösungen für das Zuhause auch nennen mag, sie sollen dem Eigenheim zusätzliche „Intelligenz“ und „Eigenständigkeit“ verleihen, um dem Eigentümer einen möglichst großen Komfort in den eigenen vier Wänden zu bieten.

Die zahlreichen Geräte der Hausautomation (wie Heizung, Beleuchtung, Belüftung), Haushaltstechnik (z. B. Kühlschrank, Waschmaschine), Konsumelektronik und Kommunikationseinrichtungen werden dabei zu intelligenten Gegenständen, die sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren. Die folgenden Beispiele repräsentieren einige der aktuellen Entwicklungen im Bereich Smart Home und sollen einen ersten Überblick über dessen Möglichkeiten geben.

openHAB 1.8 und 2.0 Beta sind da

Gleich zwei neue Versionen des quelloffenen Smart-Home-Projekts openHAB sind erschienen: openHAB 1.8 und die erste Beta für openHAB 2.0. Wie in den vorherigen Releases wurde erneut am meisten in neue Bindings und Verbesserung der bestehenden investiert: So gibt es in openHAB 1.8 24 neue Add-Ons, von denen 18 Bindings sind. Kai Kreuzer, Entwickler des Projekts, nennt als besonders wichtige Neuerung das Binding für RWE Smarthome und das LCN Binding. openHAB 1.8 soll das letzte 1.x-Release mit eigener Runtime und Distribution sein – zukünftige 1.9-Releases werden lediglich Add-Ons erhalten, die für die 1.8- bzw. 2.0-Runtime genutzt werden können.

Der größte Schritt ist allerdings die Veröffentlichung der ersten Beta für openHAB 2.0: Auch sie verfügt über neue Bindings, zum Beispiel für SMA Energy Meter oder Samsung TVs. Allerdings steckt die meiste Arbeit im „Unterbau“: Apache Karaf ist ab sofort der Container der Wahl, was etwa eine einfachere Integration als Systemdienst in unterschiedliche OS ermöglicht. Die openHab-2-Distribution ist sowohl online als auch offline erhältlich und richtet sich nur an Entwickler und Early Adopter. Ausführliche Informationen zu allen Neuerungen finden sich im zugehörigen Blogpost; von dort können die beiden Versionen auch heruntergeladen werden.

Facebook stellt Parse SDK für tvOS und watchOS 2 vor

Parse SDK beinhaltet ab sofort Support für Apples tvOS und watchOS 2. Somit können nun native immersive Apps für den Apple TV und die Apple Watch entwickelt werden, wie Facebooks Software Engineer Nikita Lutsenko im Parse-Blog schreibt. Das SDK unterstützt auch das kürzlich vorgestellte tvOS SDK, um die Interoperabilität zu sichern. Dieses implementiert eine Two-Factor-Authentifizierung: Wird eine Verifikation verlangt, erscheint auf dem TV ein alphanummerischer Code, den der dann User auf einer bestimmten Webseite eingeben muss. Bei der Entwicklung des Parse SDK für tvOS standen die Developer vor dem Problem des fehlenden Persistent Storages: Apps auf dem Apple TV müssen deshalb als temporäre Dateien behandelt werden, bleiben aber laut Facebook solange vorhanden wie die App genutzt wird. Parse SDK für watchOS 2 macht es möglich, Watch-Apps ohne iPhone laufen zu lassen.

Shoppen mit dem Samsung-Kühlschrank

Samsung bringt das hauseigene Betriebssystem Tizen ab sofort auch in Kühlschränken zum Einsatz: Der Family Hub Refrigerator verfügt über einen 21,5 Zoll großen Touchscreen, über den man zum Beispiel im Internet surfen, Videos anschauen und Musik hören kann. Zudem gibt es die Möglichkeit, sich ein Bild von Innern des Geräts anzeigen zu lassen – allerdings nicht live: Der Kühlschrank nimmt beim Schließen der Tür jedes Mal ein Bild auf. Aber auch Urlaubsbilder, Kalendereinträge oder Rezepte kann das Display visualisieren. Durch eine Kopplung mit der Shopping-App Groceries kann zum einen auf dem Smartphone auch unterwegs der Kühlschrankinhalt angezeigt werden und zum anderen ein Überblick über das Angebot zahlreicher Lieferdienste gegeben werden. Im Mai soll der smarte Kühlschrank in den USA auf den Markt kommen – wann und ob App und Kühlschrank nach Deutschland kommen (und ob man ein solches Produkt überhaupt braucht), ist nicht bekannt.

WiFi-Standard für das IoT

Laut Vorhersagen von Gartner werden in diesem Jahr 6,4 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein – 2020 sollen es bereits 20,8 Milliarden Devices sein. Aus diesem Grund hat die Wi-Fi-Alliance eine neue WiFi-Lösung angekündigt, die das stark wachsende Internet of Things befeuern soll. Unter dem Namen Wi-Fi-HaLow unterstützt sie alle Produkte, die über die IEEE 802.11ah-Technologie verfügen – das sind vor allem Smart-Home-Devices. HaLow operiert in Frequenzen um 900 MHz, was eine Verdopplung der Reichweite bei geringerem Stromverbrauch bedeutet. Besonders spannend ist, dass ein HaLow-Zugangspunkt als Anlaufstelle für tausende Geräte dienen kann.

Thread: Open-Standard-Protokoll für die Heimautomatisierung

Es existieren bereits unzählige Produkte für das Smart Home, dazu zählen beispielsweise die großen Player Nest, WeMo oder HomeKit. Ein großes Problem gibt es aber: die fehlende Standardisierung von Netzwerkprotokollen. Aus diesem Grund hat Google mit Thread ein offenes und standardisiertes Protokoll für die Heimautomatisierung vorgestellt: Bei Thread handelt es sich um ein IP-basiertes, kontaktloses Netzwerkprotokoll, das vor allem für Low-Power-Produkte im Smart Home entwickelt wurde. Durch das Protokoll sollen alle Geräte in einem smarten Zuhause ohne Probleme miteinander kommunizieren können.

Amazon Echo integriert IFTTT-Trigger-Phrasen

Amazon Echo gewinnt immer mehr an Funktionalität hinzu: Musik-Apps wie Last.fm oder Pandora werden genauso unterstützt wie verschiedenste Heimautomatisierungstools. Ab sofort sind auch sogenannte Trigger Phrases für IFTTT-Events möglich. IFTTT steht für „If this than that“; damit lassen sich Apps, Devices und Services verbinden und unterschiedliche Aktionen starten. Mit der IFTTT-Integration lassen sich nun per Amazon Echo beispielsweise Philips-Hue-Lampen steuern: So blinken diese etwa, wenn das Smartphone klingelt. Um einen solchen Prozess zu starten, muss lediglich eine bestimmte Phrase, wie „Alexa, finde mein Handy“, initialisiert und genannt werden. Im großen IFTTT-Pool gibt es bereits unzählige Rezepte, auf die man zurückgreifen kann – es lassen sich natürlich aber auch eigene Phrasen erstellen.

OTTO startet Alternative zum Dash Button

Der Versandhändler OTTO startet einen neuen Service: den OTTO-Produkt-Assistenten. Der rund Zwei-Euro-Stück-große Aufkleber funktioniert per NFC-Technologie und liefert übers Smartphone Informationen rund um das mit dem Produkt-Assistenten verbundene Gerät. Auch passende Zusatzartikel können so direkt bestellt werden. Sogar Kunden, die kein NFC-fähiges Gerät besitzen, sollen den Service nutzen können: Auf dem Aufkleber ist eine URL aufgedruckt. Über den Ausbau der Technologie wird nach mehrmonatigen Testphasen entschieden, so OTTO.

Ob diese Technologie Amazons Dash Button Konkurrenz machen kann? Amazon bietet seinen Prime-Kunden in den USA den Dash-Button für über 500 verschiedene Produkte von 29 unterschiedlichen Anbietern zum Verkauf an. Einmal angebracht, etwa auf einer Windelverpackung, kann man bequem das Produkt per Klick nachbestellen. In Zukunft möchte der Online-Versandhändler noch mehr auf den Bereich Connected Home setzen:

You can see a scenario where, at 4 o’clock this afternoon, a lightbulb arrives at my door and I say, ‘Why is this here?’ And 30 minutes later our lightbulb goes out. And that’s because Amazon knows that your lightbulb was about to run out.

Sicherheitslücken im vernetzten Zuhause

Der iKettle ist konzipiert, um Nutzern kostbare Sekunden beim Wasserkochen zu sparen. Der Wasserkocher baut ein eigenes Wi-Fi-Netzwerk auf, über das man sich mit einem smarten Device verbinden kann, um ihn zu konfigurieren und zu steuern. Und genau hier liegt das Problem: Einem Sicherheitsexperten ist es gelungen, sich in unzählige iKettles in ganz London zu hacken. Mit relativ einfachen Methoden konnte Ken Munro die vernetzten Wasserkocher dazu bringen, das Wi-Fi-Passwort preiszugeben. Angreifer benötigen lediglich eine Richtantenne sowie ein vorher präpariertes Netzwerk mit derselben SSID, die iKettle nutzt, um sich mit dem Kessel zu verbinden.

 

Aufmacherbild: Smart home concept von Shutterstock / Urheberrecht: Horoscope

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