Gartner prognostiziert die IoT-Trends für 2017 und 2018

Die Top-10 Technologien für das Internet of Things
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Dass das Internet of Things vor allem für Unternehmen ein riesiges Potenzial bereithält, ist schon lange nichts Neues mehr. Doch auf was kommt es an, und in welchem Sektor sollte man sich bestenfalls positionieren? Das Marktforschungsinstitut Gartner hat wieder einmal Prognosen zur Zukunft des IoT abgegeben und die Top-10-Technologien für 2017 und 2018 identifiziert.

The IoT demands an extensive range of new technologies and skills that many organizations have yet to master”, so Nick Jones, Vizepräsident und Analyst bei Gartner. Ein immer wiederkehrendes Thema im Internet of Things sind seine unausgereiften Technologien und Dienste.

Doch gerade das IoT wird Unternehmensstrategien, deren Risiko-Management und auch technologische Bereiche wie Architektur- und Netzwerk-Design tiefgreifend verändern. Sich in diesem sich ständig wandelnden Feld zu positionieren, dürfte für viele Firmen die größte Herausforderung sein. Gartner will mit seinen Prognosen für die zehn wichtigsten Technologien im Internet of Things eine erste Orientierungshilfe anbieten.

Top-10-Technologien im IoT

Laut den US-amerikanischen Analysten sollen die folgenden zehn Technologien Unternehmen dabei helfen, das volle Potenzial des Internet of Things für sich zu nutzen. Die vorgestellten Trends beziehen sich auf die Jahre 2017 und 2018 – Unternehmen sollten sich mit einer Spezialisierung also beeilen.

1. IoT-Security

Das Internet of Things bringt eine Menge neuer Sicherheitsrisiken und -herausforderungen mit sich – nicht nur für die Geräte selbst, sondern auch für Plattformen, Betriebssysteme, Kommunikationswege und verbundene Devices. Sicherheitstechnologien sind immer stärker gefragt, um vor Angriffen und Manipulationen Schutz zu bieten. Auch die Verschlüsselung und der Schutz vor Impersonating sind ein wichtiger Punkt. Allerdings ist die IoT-Security ein kompliziertes Feld, da viele „Dinge“ einfache Prozessoren und Betriebssysteme nutzen, die den zum Teil hochentwickelten Sicherheitslösungen nicht genügen bzw. diese nicht umsetzen können.

2. IoT-Analytics

Businessmodelle im IoT verwerten die gesammelten Informationen auf unterschiedliche Art und Weise: zum Beispiel zum Verständnis des Kundenverhaltens, um Dienste anzubieten, Produkte zu verbessern und neue Businessstrategien zu entwickeln. Dieser kurze Rundumschlag zeigt schon, dass es neuer Analysemethoden bedarf. Bereits jetzt werden neue Tools und Algorithmen benötigt. Es ist absehbar, dass das Datenvolumen aber immer weiter ansteigen wird, weswegen das Internet of Things gänzlich neue Analysemodelle brauchen und auch hervorbringen muss.

3. IoT-Device-Management

Langlebige Dinge im Internet of Things benötigen gezieltes Management und eine dauerhafte Überwachung. In diesen Bereich fallen Geräteüberwachung, Firmware- und Software-Updates, Diagnose-Programme, Crash-Analysen und Reporting sowie technisches Management und Sicherheitsmanagement. Zuverlässige Tools müssen in der Lage sein, Tausende, wenn nicht gar Millionen an Devices zu managen und zu überwachen.

4. Energiesparende Nahbereichnetzwerke

Bei der Auswahl eines Wireless-Netzwerks für ein IoT-Gerät gilt es zahlreiche, sich zum Teil widersprechende Anforderungen unter einen Hut zu bringen, darunter Reichweite, Batterielaufzeiten, Bandbreite, Verbindungsdichte sowie Hardware- und Betriebskosten. Energiesparende Nahbereichnetzwerke werden laut Gartner bis 2025 den IoT-bereich dominieren und bei weitem die Anzahl von Wide-Area-Netzwerke übertreffen. Allerdings soll der Austausch zwischen kommerziellen und technischen Zielen dazu führen, das viele Lösungen koexistieren, ohne dass sich ein dominierender Gewinner herauskristalisiert.

5. Energiesparende, weitreichende Netzwerke

Traditionelle Mobilfunknetze zeichnen sich in den seltensten Fällen dadurch aus, eine gute Kombination von technischen Funktionen und Betriebskosten für IoT-Applikationen bereitzustellen – zumindest für die IoT-Anwendungen, die eine weitreichende Netzabdeckung mit relativ geringer Bandbreite, gute Batterielaufzeiten, geringe Hardware- und Betriebskosten sowie eine hohe Verbindungsdichte benötigen. Auf lange Sicht gesehen haben Wide-Area-Netzwerke (LPWAN) im IoT-Bereich zum Ziel, Datendurchsatzraten im Bereich von Hunderten Bits pro Sekunde bis hin zu Dutzenden von Kilobits pro Sekunde zu liefern – und zwar landesweit. Dazu sollten sich eine Batterielaufzeit von zehn Jahren, Hardware-Kosten von höchstens 4,50 Euro pro Gerät sowie der Support von Hunderttausenden Geräten gesellen. In Zukunft werden gerade aufkommende Standards wie Narrowband IoT (NB-IoT) diesen Bereich dominieren.

6. IoT-Prozessoren

Der Funktionsumfang von IoT-Geräten hängt von ihren Prozessoren und Architekturen ab: Unterstützen sie eine starke Verschlüsselung, welches OS kann betrieben werden oder lässt sich die Firmware aktualisieren? Je nachdem, welcher Prozessor genutzt wird, steigen dann auch die Kosten für das Device an. Denn nicht jede Hardware ist mit jeder Software kompatibel. Die Wahl des richtigen Prozessors erfordert ein tiefgehendes technisches Verständnis.

7. IoT-Betriebssysteme

Traditionelle Betriebssysteme wie ältere Windows-Versionen oder iOS sind standardmäßig nicht auf IoT-Applikationen ausgelegt. Sie benötigen zu viel Energie, schnelle Prozessoren und lassen in einigen Fällen Features wie Echtzeit-Antworten vermissen. Außerdem benötigen sie zu viel Speicherplatz, sodass kleine IoT-Geräte diese Betriebssysteme nicht nutzen können. Deswegen werden OS speziell fürs Internet of Things benötigt, die unterschiedlichen Hardware- und Feature-Anforderungen gerecht werden können.

8. Event Stream Processing

Einige IoT-Applikationen generieren extrem hohe Datendurchsatzraten, die in Echtzeit analysiert werden müssen. Dabei sind Tausende, teilweise sogar Millionen von Events pro Sekunde keine Seltenheit. Um diese Anforderungen zu bewältigen, braucht es verteilte Stream-Computing-Plattformen (DSCP): Sie nutzen parallele Architekturen, um die großen Datenmengen zu verarbeiten.

9. IoT-Plattformen

IoT-Plattformen bündeln viele der Infrastruktur-Komponenten eines IoT-Systems in ein einziges Produkt. Von solchen Plattformen angebotene Dienste lassen sich in drei Gruppen einteilen: systemnahe Gerätekontrolle und Arbeitsprozesse wie Device-Management, Sicherheit und Firmware-Updates; IoT-Datengenerierung, -umwandlung und –verwaltung; Applikationsentwicklung inklusive ereignisgesteuerter Logik, App-Programmierung, Visualisierung, Analyse und Adapter zum Verbinden mit Enterprise-Systemen.

10. IoT-Standards und –Ökosysteme

Auch wenn Ökosysteme und Standards genaugenommen keine Technologien sind, bestehen sie meist als Application Programming Interfaces (APIs). Standards und ihre zugehörigen APIs werden für das Internet of Things zum essentiellen Bestandteil, da die „Dinge“ im IoT zusammenarbeiten und kommunizieren müssen. Des Weiteren werden verschiedene IoT-Ökosysteme entstehen, die in Konkurrenz zueinander stehen und Bereiche wie Smart Home, Smart City und das Gesundheitswesen dominieren. Für Unternehmen bedeutet das erhöhten Aufwand, da sie ihre Produkte für unterschiedliche Standards und Ökosysteme herstellen müssen, die im besten Fall auch noch mit Updates versorgt werden können.

Ausblick

In welchem Sektor sollte man sich also bestenfalls positionieren? Bevor man sich auf eine oder mehrere der vorgestellten Trend-Technologien für das Internet of Things stürzt, sollte erst einmal in Ruhe bedacht werden, welche Bereiche überhaupt zur eigenen Firmenphilosophie passen. Vielleicht kann man ja bereits eine ausgezeichnete Plattform vorweisen, hat dafür aber keine Ahnung von Prozessoren – in jedem Fall lohnt es sich, vorab die eigenen Kompetenzen zu checken und nicht blind den neuesten Trends zu folgen. Nur so kann man sich dauerhaft in einem sich ständig wandelnden Feld positionieren.

Gartner ist außerdem dafür bekannt, mutige Voraussagungen zu treffen, die nicht immer auch genauso eintreten müssen: Die wohl berühmt-berüchtigste Fehleinschätzung stammt aus dem Jahr 2006 als ein Gartner-Analyst Apple riet, dass Geschäft mit Hardware aufzugeben. Apple wurde prophezeit, dass die Zukunft der Marke an Intel und Dell hänge, an die man den Mac lizensieren solle. Steve Jobs sah das bekanntermaßen anders…

Das Problem solcher Prognosen liegt in der Verlagerung bzw. der Diversifizierung des entsprechenden Markts, was eine Vorhersage natürlich schwierig macht. Trotzdem geben sie eine gewisse Richtung vor, die dann natürlich wiederum den Markt ein Stück weit beeinflusst. Prognosen sollte man als das nehmen, was sie sind: ein Blick auf das, was möglich sein könnte. Seien wir also gespannt, ob die prognostizierten Trendtechnologien für das Internet of Things tatsächlich das Rennen machen.

 

Aufmacherbild: Three Businessmen Hands Playing Wooden Tower Game on Top of a Rustic Wooden Table von Shutterstock / Urheberrecht: Gajus

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