Interview mit Alexander Casall

Iteratives Prototyping für bessere UX in Business-Apps
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Es ist für Entwickler immer noch eine Herausforderung, große Informationsmengen für mobile Endgeräte aufzubereiten. Der Platz auf einem iPad ist begrenzt und Dashboards leiden schnell an Informationsüberflutung. Darüber hinaus haben User heutzutage den Anspruch, dass die Navigation zwischen den Informationen intuitiv sein soll, damit man effizient und effektiv mit der App arbeiten kann. 

Klassische „Master-Detail-TableView„-Konstrukte tragen dabei nicht unbedingt zur Verbesserung der Übersichtlichkeit bei, werden dennoch gern und ausgiebig als grundlegende Navigationsstruktur verwendet. Aber gibt es überhaupt Alternativen? Alexander Casall und Christian Schäfer, Softwareentwickler bei der Saxonia Systems AG, demonstrieren in ihrer Session „UX in Business Apps“ auf der kommenden MobileTech Conference in Berlin, wie mittels iterativem Prototyping und anderen Werkzeugen aus dem Usability Engineering, neuartige Darstellungs- und Interaktionskonzepte konzipiert und implementiert werden können.

Wir haben mit Alexander Casall und Christian Schäfer über diese Herangehensweise gesprochen und ihn unter anderem nach seinen Tool-Empfehlungen und typischen Fehlern im UX-Design befragt.

Alexander und Christian, in Eurer Session möchtet Ihr demonstrieren, welche Alternativen es zu klassischen „Master-Detail-TableView-Konstrukten“ im UX-Design für Business-Apps gibt. Iteratives Prototyping ist so eine Alternative. Was muss man darunter verstehen?

Alexander Casall: Das frühzeitige Umsetzen von Prototypen und damit einhergehende Nutzertests geben Rückschlüsse auf Schwächen in der Datenvisualisierung und in den Navigationskonzepten. Prototyping an sich ist natürlich nicht die Antwort auf Master-Detail-TableView, aber ein Ansatz, frühzeitig Alternativen in Betracht zu ziehen. Sind wir ehrlich: Wenn in einer Anwendung eine grundlegende Datenvisualisierung bzw. ein grundlegendes Navigationskonzept festgelegt wurde, wird selten im Laufe der Entwicklung daran gerüttelt. Daher sollten Controls frühzeitig auf Ihre Eignung geprüft werden.

Welche anderen Tools aus dem Usability Engineering könnt Ihr empfehlen?

Christian Schäfer: Wir wollen unserer Session natürlich nicht zu weit vorgreifen. Einige Werkzeuge können wir aber spoilern. Eine der naheliegendsten Möglichkeiten ist die heuristische Evaluation anhand von Plattform-Guidelines, um „Standard“-Probleme wie zu kleine Buttons frühzeitig auszuschließen. Darüber hinaus sind gerade in der Anfangsphase eines Projektes sogenannte „Click-Through“-Prototypen sinnvoll. Diese ermöglichen das frühzeitige Testen von Oberflächen, bevor der teure Teil des Projektes beginnt – die Implementierung. Gängige Tools sind dabei PowerPoint- und Storyboard-Prototypen. Um die Prototypen zu bewerten, sollten Nutzerstudien durchgeführt werden. Im Rahmen sogenannter „Think-Alouds“ kommunizieren die Probanden, was sie bei der Benutzung des Prototypen denken, empfinden und erwarten („Ich drücke einen Button mit der Erwartung Hilfe zu bekommen“). Worauf wir in der Session abzielen, ist der sogenannte UCD (User Centered Design) Prozess, welcher verschiedenste Tools aus dem Usability-Engineering vereint und den Nutzer, nicht die Fachlichkeit, in den Mittelpunkt stellt. Mehr dazu aber in unserer Session.

Was sind die typischen Fehler, die man beim UX-Design in Business-Apps vermeiden sollte?

Alexander Casall: Einer der Hauptfehler ist die Nicht-Einbeziehung der tatsächlichen Zielgruppe. Ein Supervisor braucht in seiner App nicht die gleichen Informationen wie ein Operator. Das bedeutet im Rückschluss, Informationen und Funktionen sollten sich auch nicht vermengen. Das bläht Apps aus Sicht des Nutzers mit unnötigen Dingen auf und frustriert im schlimmsten Falle. Ein weiterer Fehler ist, dass nicht alle Anmerkungen des Nutzers gleich umgesetzt werden sollten. Es entsteht im schlimmsten Falle Featuritis nach dem Motto „Es könnte ja noch diese und jene Information untergebracht werden“, egal ob diese tatsächlich benötigt wird oder nicht.

Gibt es ein bestimmtes Interaktionskonzept, dem Ihr eine „große Zukunft“ bescheinigt, etwas, das wir in Zukunft häufiger sehen werden?

Christian Schäfer: Interaktionskonzepte werden sich nicht großartig ändern, jedoch ist abzusehen, dass Apps sich stärker/intelligenter auf den Nutzer ausrichten, um benötigte Interaktion/Navigation auf ein Minimum zu reduzieren und auf das Wesentliche zu fokussieren. Das wird auch die dafür benötigten Interaktionskonzepte entschlacken.

Zur Person:
Alexander CasallAlexander Casall arbeitet seit ca. 5 Jahren bei der Saxonia Systems AG als Softwareentwickler. Sein tägliches Brot verdient er mit der Implementierung moderner Multi-Touch-Applikationen (JavaFX) und widmet sich zudem der iOS-Entwicklung (www.buildpath.de). Alexander veröffentlicht Artikel in Fachzeitschriften, hält Vorträge auf Konferenzen (JavaOne, JAX, W-JAX) und ist bei User Groups aktiv.

 

Christian SchäferChristian Schäfer arbeitet seit April 2014 bei der Saxonia Systems AG im Bereich Mobile Development. Neben seiner mehrjährigen Tätigkeit als iOS-Entwickler beschäftigt er sich im Rahmen seiner Diplomarbeit mit Prototyping und Usability Engineering

 

 

MobileTech Conference 2014

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Aufmacherbild: Flat vector collection of modern mobile phones with different Foto via Shutterstock / Urheberrecht: vasabii

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