Interview mit Tim Zöller zum Java-Geburtstag

Java feiert 25. Geburtstag: „Es wäre das Schlimmste, wenn der Open-Source-Gedanke bei Java verloren ginge“
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Java wird 25 Jahre alt – definitiv ein Grund für uns hier auf Entwickler zu feiern. Ein Vierteljahrhundert voller Geschichten, Features, Releases und Kontroversen. Wir haben im Zuge dieses Jubiläums mit einer Reihe von Java Champions und Experten aus der Community über ihre Highlights und Lieblings-Features aus 25 Jahren Java sowie ihre Wünsche für die nächsten 25 Jahre gesprochen. Dieses Mal im Interview: Tim Zöller, IT-Berater und Softwareentwickler bei der ilum:e Informatik AG.

Entwickler: Was war dein ganz persönliches Java-Highlight der letzten 25 Jahre?

Tim Zöller: Mein erster Job nach der Ausbildung. Die Ausbildung hatte auf Host-Systemen mit ILE RPG und COBOL gestartet, glücklicherweise hatte sich mein Arbeitgeber dann aber entschieden, sich Java genauer anzuschauen, daher durfte ich das auch dort einsetzen. In meinem ersten Job danach kam ich als einziger Entwickler in eine kleinere Firma, die ein größeres System auf Turbopascal/Delphi aufgesetzt hatte. Nach ein paar Monaten durfte ich damit beginnen, neue Software mit JEE6 zu entwickeln sowie nach und nach auch alte Module zu migrieren. Während dieses Prozesses habe ich die JEE-Spezifikationen und die Möglichkeiten, die sie mitbringen, sehr schätzen gelernt und diese Wertschätzung hält bis heute an. In dieser Zeit hatte ich sehr viel Zeit, mich tief in die Techniken einzugraben, und habe extrem viel gelernt.

Entwickler: Was ist dein Lieblings-Feature im JDK?

Tim Zöller: In den letzten Jahren habe ich mich am meisten über die Einführung der „neuen” java.time-Klassen gefreut. java.util.Date und java.util.Calendar waren leider keine Glücksgriffe, sodass eigentlich jedes Projekt, welches halbwegs ernsthaft mit Zeiten gearbeitet hatte, auf JodaTime zurückgreifen musste – sofern es denn von der Architektur abgesegnet wurde. Das war etwas, was mein Leben als Entwickler definitiv einfacher gemacht hat, und es ist ein wirklich gut durchdachtes Feature.

Entwickler: Welches Feature vermisst du, bzw. was glaubst du, welches Feature das JDK wirklich braucht?

Tim Zöller: Ich bin ehrlich gesagt kein großer Fan davon, mehr und mehr Sprachfeatures anzuhäufen, auch wenn es in letzter Zeit einige schöne Erleichterungen für Entwickler gab. Ich würde mir wünschen, dass man einen Blick darauf wirft, wie man die Core Libraries sinnvoll ergänzen oder verbessern kann.

Entwickler: Hast du eine lustige oder interessante Java-Geschichte, die du gerne mit der Community teilen willst?

„Ich hab es langsam satt mit euch. Dann macht doch was ihr wollt, ihr verdammten Java-Hippies“

Tim Zöller: Es ist nur am Rande eine „Java Geschichte”. Ich war an einem größeren Java-Projekt für eine Bank beteiligt, welches zwischendurch ein bisschen schleppend lief. Die Stimmung war etwas angespannt, vor allem zwischen dem Java-Backend-Team und unserem hauptverantwortlichen Datenbankentwickler. Ich habe selten jemanden getroffen, der sich dermaßen gut mit Oracle-Datenbanken auskannte, aber für ihn war die Lösung der Projektprobleme klar: Wir verschieben sämtliche Business Logik in die Datenbank, dann wird alles performanter. Er war der Meinung, dass die Java-Entwickler unmöglich performant mit einer Datenbank arbeiten können. Auf dem Höhepunkt einer Diskussion darüber ist er aus dem Raum gelaufen und hat beim Gehen gerufen „Ich hab es langsam satt mit euch. Dann macht doch was ihr wollt, ihr verdammten Java-Hippies”. So kam ich dann zu meinem Twitter Handle.

Entwickler: Was ist dein größter Java-Albtraum

Tim Zöller: Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn der Open-Source-Gedanke bei Java verloren ginge.

Entwickler: Bitte vervollständige den folgenden Satz: Für die nächsten 25 Jahre Java wünsche ich mir…

Tim Zöller: …weiterhin eine ruhige und geschickte Hand bei der Auswahl neuer Sprachkonstrukte, sodass ausschließlich stabile Features Einzug ins JDK halten.


Tim Zöller beschäftigt sich seit zehn Jahren beruflich mit Java, zum Spaß entwickelt er auch mal Software in Clojure. Er arbeitet als IT-Berater und Softwareentwickler bei der ilum:e informatik ag und ist Mitgründer der JUG Mainz.

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