Manfred Steyer im Interview

Angular 11: „Die Entwicklung bei Angular ist sehr evolutionär – genau das, was man im Enterprise-Umfeld braucht“
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In diesem Jahr hat Angular gleich drei Major-Version veröffentlicht: Dem verspäteten Release von v9 folgte eine schnelle v10. Jetzt ist Angular 11 da. Was hat sich zu dieser Version getan, welche spannenden Neuerungen sollte man kennen? Das erklärt Angular-Experte Manfred Steyer im Interview.

Entwickler: Angular 10 fiel ja kleiner aus als die meisten Major-Versionen. Hat sich das zu v11 wieder geändert?

Manfred Steyer: Ich würde sagen, Version 11 ist eine weitere Abrundung. Die Entwicklung bei Angular ist ja wirklich sehr evolutionär – genau das, was man auch im Enterprise-Umfeld, wo Angular stark ist, braucht: Keine großen Umbrüche, dafür ein kleines Bündel an neuen Features alle 6 Monate.

Entwickler: Was ist denn für dich die interessanteste Neuerung in Angular 11?

Steyer: Die wichtigste Neuerung für mich und viele meiner Kunden ist, dass das Angular CLI nun webpack 5 unterstützt – zumindest ist das ein experimentelles Feature. Webpack 5 ist wichtig, weil es mit Module Federation eine sehr solide und innovative Lösung für die Umsetzung von Micro Frontends bietet. Hierzu haben wir in der Vergangenheit viele Tricks und Workarounds einsetzen müssen. Die brauchen wir zum Glück nicht mehr.

Entwickler: Die CLI kommt aber nach wie vor standardmäßig mit webpack 4, oder?

Steyer: Genau. Webpack 5 ist ein Opt-in. Man muss dazu einen Eintrag in der package.json hinterlegen. Der Grund ist, dass das CLI umfangreich mit webpack 4 getestet wurde und webpack 5 zum einen sehr neu ist und zum anderen einige Änderungen mit sich bringt. Die webpack-5-Integration funktioniert mittlerweile schon recht gut, aber ist offiziell noch immer experimentell. Auf GitHub findet man eine Übersicht über die Dinge, die noch Probleme machen. Gerade, wenn man heute mit einem vieljährigen Projekt beginnt – und in diese Kategorie fallen Micro-Frontend-Lösungen – kann man sich damit arrangieren.

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Mit Christian Schneider

Christian ist als freiberuflicher Whitehat Hacker, Trainer und Security-Coach tätig. Als Softwareentwickler mit mittlerweile 20 Jahren Erfahrung fand er 2005 seinen Themenschwerpunkt im Bereich IT-Security.

Interview mit Christian Schneider zum Thema „DevSecOps“.

DevSecOps ist, bezogen auf Security-Checks, die logische Fortführung der Automatisierung im DevOps-Sinne

Entwickler: Im Laufe der Entwicklung von Angular 11 konnte man dem Changelog immer wieder entnehmen, dass bestimmte Änderungen als Breaking Changes markiert worden sind. Wie wird das beim Update sein, müssen sich Entwickler hier auf Schwierigkeiten einstellen?

Steyer: Das hat aus meiner Sicht vor allem drei Gründe: Man hat Elemente entfernt, die schon in früheren Versionen als deprecated gekennzeichnet wurden. Das fällt offiziell auch unter „Breaking Change“. Daneben hat man auch einige Bugs behoben bzw. Asymmetrien bereinigt. Für einige Breaking Changes sind wohl auch Nachbesserungen in Hinblick auf eine striktere Typisierung verantwortlich. Dem Angular-Team liegt der neue Strict-Mode sehr am Herzen. Dieser vom CLI angebotene Modus aktiviert einige strenge Typprüfungen in TypeScript, die im Laufe der Zeit dazugekommen sind. Außerdem aktiviert er strengere Prüfungen im Angular Compiler und definiert kleinere Performance Budgets.

Diese strengeren Prüfungen haben natürlich Probleme mit jenen Stellen in Angular, wo man bisher eine eher „tolerante Typisierung“ vorfindet. Und genau deswegen hat man hier nachbessern müssen. Technisch ist das zwar ein Breaking Change, aber es wird vielen gar nicht auffallen. Vor allem dann nicht, wenn man die jeweiligen Building-Blocks „im Sinne des Erfinders“ verwendet und nicht zweckentfremdet hat.

Außerdem gibt es Migrationsskripte, die von ng update angestoßen werden. Die ziehen in vielen Fällen, wie auch schon bei vorherigen Versionen, den Programmcode gerade, sodass man sich nicht manuell darum kümmern muss.

Entwickler: Und zuletzt: Was wünschst du dir für die Zukunft von Angular?

Steyer: Ich freue mich schon auf den Tag, wo Angular-Module optional werden. Die waren nie wirklich geplant, zumal ja bereits TypeScript bzw. ECMAScript ein eigenes Modul-System hat. Diese Doppelung verursacht immer wieder Missverständnisse und ist lästig. Auch die Lernkurve erhöht es bei Einsteigern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im Interview: Manfred Steyer

Manfred Steyer ist Trainer und Berater mit Fokus auf Angular, Google Developer Expert und Trusted Collaborator im Angular-Team. Er schreibt für O’Reilly, das deutsche Java Magazin und Heise Developer. Unter www.ANGULARarchitects.io bieten er und sein Team Angular-Schulungen und Beratung in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.

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Visyu Solution

Schade, dass die Entwicklung nicht immer so evolutionär war. Wir haben damals AngularJS (also Version 1) eingesetzt und der Umstieg auf Angular (ab Version 2) hat uns leider viel Migrationsarbeit aufgehalst. Generell ist Angular sehr groß geworden und gerade die Lernkurve ist sehr steil. Daher greifen wir inzwischen eher zu Vue.js.

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