Interview mit Karsten Sitterberg

„Der Ivy Renderer wird die Interaktion von Angular mit dem Browser von Grund auf verändern“
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Mit der Veröffentlichung von Angular 7 sollte eigentlich der Ivy Renderer ebenfalls endgültig Einzug in das Web Frontend halten, tat er aber nicht. Wann genau der Renderer kommt, ist noch nicht bekannt, aber wie Karsten Sitterberg, freiberuflicher Entwickler, Trainer und Berater für Webtechnologien und Java, im Interview zur W-JAX 2018 erklärt, wird das neue Tool für einige Veränderungen sorgen.

Entwickler: Die JavaScript-Szene hat den Ruf, besonders schnelllebig und fragmentiert zu sein. Mit TypeScript, Node, Angular, React und Vue.js scheinen sich derzeit allerdings einige Konstanten herauszukristallisieren. Können wir da so eine Art Konsolidierung der JavaScript-Welt beobachten?

Eine Konsolidierung wird vor allem in Hinblick auf den Web-Components-Standard stattfinden.

Karsten Sitterberg: Mit Angular haben wir ein Framework, das momentan ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, da es als einziges der großen Frameworks ein Full-Stack Frontend-Framework ist. Sowohl Komponenten, als auch Services, Formulare, Backend-Kommunikation und Routing werden von Angular aus einer Hand gelöst. Weiterhin bietet Angular bereits eine gute Interoperabilität mit dem Web-Components-Standard, sodass man mit Angular auf ein gutes „Enterprise-ready“ Framework setzt.

Natürlich haben auch andere Frameworks wie React und Vue.js ihre Berechtigung. Eine Konsolidierung wird vor allem in Hinblick auf den Web-Components-Standard stattfinden, sodass es auch weiterhin neue Frameworks und Libraries geben wird, die dann aber potentiell auf einer gemeinsamen Basis aufbauen und dadurch miteinander harmonieren und gemeinsam eingesetzt werden können.

Entwickler: Wo steht die Entwicklung von Angular gerade? 

Karsten Sitterberg: Vor kurzem wurde Angular Version 7 veröffentlicht. Neuerungen im Framework sind die Updates auf Node 10, TypeScript 3.1 und RxJS 6.3. Der neue Ivy-Renderer hingegen ist leider nicht Teil dieses Releases geworden, da noch nicht alle Features zur Zufriedenheit der Angular-Devs umgesetzt sind. Stattdessen soll in den nächsten paar Monaten eine erste Version herauskommen, welche dann spätestens mit dem nächsten großen Release für alle ausgerollt wird.

Mit dem Ivy Renderer wird die Art und Weise, wie Angular mit dem Browser interagiert, komplett verändert. Dies wird sich in besseren Tree-Shaking Eigenschaften zeigen, welche dann kleinere und schnellere Apps produzieren werden. Duch diese Verbesserungen wird der Ivy Renderer außerdem die Eigenschaften von Angular Elements – den Angular-Webkomponenten – verbessern, sodass diese unabhängig von äußeren Angular-Anwendungen werden.

Entwickler: Deine Session auf der W-JAX heißt „Angular im Projektalltag: Dos and Don’ts.“ Dabei gehst du auf typische Fallstricke ein, die man bei der Verwendung von Angular vermeiden sollte. Kannst du einmal ein Beispiel nennen?

Mit dem Ivy Renderer wird die Art und Weise, wie Angular mit dem Browser interagiert, komplett verändert.

Karsten Sitterberg: Ein typischer Fallstrick bei der Verwendung von Angular tritt zum Beispiel auf, wenn von standardisierten Vorgehensweisen bei der Entwicklung (teils bis zur Unkenntlichkeit der Standards) abgewichen wird. Dies geschieht häufig, wenn Entwickler unerfahren mit einer neuen Technologie – etwa ngrx – sind oder bestimmte sprachliche Mittel von TypeScript/HTML/CSS, die zur optimalen Umsetzung der Standards sinnvoll sind, nicht beherrschen.

Hier hilft es vor allem, sich durch Lesen von Blogs oder auch durch Konferenzbesuche und Meetups auf dem Laufenden zu halten. Es kann zum Beispiel auch der Austausch mit anderen Entwicklern hilfreich sein, oder die Unterstützung durch erfahrene Entwickler in konkreten Projekten. Um Austausch von unterschiedlichsten Entwicklern im Bereich Frontend zu unterstützen, habe ich etwa die Frontend-Freunde (mit)gegründet.

Entwickler: Wenn du dir die aktuelle Szene der Webentwicklung anschaust – welcher Trend interessiert dich persönlich momentan am meisten?

Karsten Sitterberg: Besonders Interessant ist momentan natürlich die Entwicklung von Web Components mit Angular Elements. Außerdem hege ich schon länger ein Interesse für die Umsetzung komplexer grafischer Komponenten, zum Beispiel mit SVG aber auch WebGL.

Entwickler: Und welchen Missstand würdest du gerne am schnellsten behoben sehen?

Karsten Sitterberg: Mich stört die übermäßige „Religiösität“ der Anhänger von verschiedenen Ansätzen, Web Frontends zu bauen. Damit sind sowohl unterschiedliche Architekturansätze, wie Server-side-Rendering oder Client-side-Rendering gemeint, als auch unterschiedliche Frameworks, wie etwa Angular oder React. Hier finde ich, dass jeder Ansatz seine Einsatzzwecke hat, und es von den Anforderungen und Rahmenbedingungen abhängt, welchen Ansatz man weiter verfolgt.

Karsten Sitterberg ist als freiberuflicher Entwickler, Trainer und Berater für Webtechnologien und Java tätig. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich HTTP APIs, TypeScript und Angular. Karsten ist Physiker (MSc) und Oracle-zertifizierter Java Developer. Regelmäßig berichtet er in seiner Kolumne über aktuelle Trends und Hintergründe zu Themen, die für Entwickler und Architekten gleichermaßen relevant sind.
In Münster hat er die Frontend-Freunde als Meet-up-Serie mitgegründet.
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