Große Strategie-Entscheidung

Firefox beendet PWA-Support für den Desktop
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Mozilla hat entschieden, die Desktop-Version von Firefox zukünftig ohne Support für lokal installierbare PWAs auszuliefern. Deshalb wird die Unterstützung für Site-specific Browser (SSB) entfernt. Die Entscheidung ist in der Community umstritten, immerhin setzen Microsoft und Chrome immer stärker auf die Technologie.

PWAs, die vom Browser aus lokal installierbar sind, gelten als zukunftsweisende Technologie. Microsoft erlaubt die Veröffentlichung von PWAs im Microsoft Store, auch der Google Play Store und der Apple App Store lassen das zu. In Chromium-basierten Browsern sind PWAs ein fester Bestandteil des Feature-Pakets, auf dem Desktop sowie auf Mobilgeräten. Neben Chrome gehören unter anderem Edge, Opera Mobile und Samsung Internet zu den Browsern, mit denen Web-Apps zum Home Screen hinzugefügt werden können. Einen Überblick gibt Caniuse. Die Desktop-Version von Firefox hatte hingegen nie einen vollständigen Support für PWAs und wird in Zukunft sogar ganz darauf verzichten, diese Technologie zu unterstützen.

PWAs: Kein Desktop-Support in Firefox

Aus technischer Sicht dürfte sich aus dieser Entscheidung für die meisten Nutzer keine große Veränderung ergeben. Seit der Veröffentlichung von Firefox 76 stand zwar das Flag browser.ssb.enabled zur Verfügung, das nach einer manuellen Aktivierung eine lokale Installation von Web-Apps erlaubte. Die Implementierung blieb jedoch experimentell und wies größere Fehler auf, sodass der Browser auf dem Desktop nie einen stabilen Support für PWAs umfasste. Nun wird der Versuch beendet und browser.ssb.enabled ersatzlos aus Firefox entfernt. SSB steht dabei für den Site-specific Browser, also die Möglichkeit, eine modifizierte Version des Browsers für lokal installierte PWAs aufzurufen und auszuführen. Ist das nicht möglich, unterstützt der jeweilige Browser keine lokale Installation von PWAs.

Laut Dave Townsend (Firefox-Architekt bei Mozilla, ursprünglicher Autor der SSB-Integration) ist auch keine neue Implementierung der Technologie geplant: Firefox wird PWAs auf dem Desktop grundsätzlich nicht unterstützen. Dem zugehörigen Bug-Report ist zu enehmen, dass das Flag zu Firefox 86 entfernt werden soll. Firefox für Android scheint allerdings nicht von der Änderung betroffen zu sein. Dort werden PWAs laut Caniuse bereits seit einer Weile umfassender unterstützt als dies in der Desktop-Version jemals der Fall war. Auch unterstützt Firefox zwar das Web-App-Manifest derzeit nur über das bald entfallende Flag. Auf den für die Offlinefähigkeit von PWAs zuständigen Service Worker trifft diese Einschränkung aber nicht zu, da der Support dafür bereits seit Firefox 44 unabhängig vom Web-App-Manifest verfügbar ist. Firefox wird also auch auf dem Desktop weiterhin einige der typischen PWA-Fähigkeiten beibehalten.

Gespaltene Community-Meinungen

Begründet wird der Abschied von einem vollständigen Support für PWAs im Desktop-Firefox einerseits damit, dass das Mozilla-Team derzeit andere Funktionen im Fokus habe und keine Zeit auf die Bearbeitung von Bug-Reports verwenden könne, die zur derzeitigen Implementierung erstellt werden. Auch werde ein falsches Signal gesendet, wenn das Feature erhalten bleibe, da Firefox keine Absicht verfolge, einen vollständigen PWA-Support anzubieten. Mit diesem Argument wird auch der Übergang des Features an Community-Entwickler abgelehnt. Townsend verweist außerdem auf Marktforschungsergebnisse, laut denen kein Nutzerinteresse an Support für PWAs bestehe. Auf welche Daten er sich dabei bezieht, bleibt jedoch unklar.

Viele der Diskussions-Teilnehmer im Bug-Report zeigen sich über diese Aussage verwundert und verweisen auf ihr eigenes Interesse an einem solchen Support. Betrachtet man beispielsweise den State of JS 2020, zeigt sich, woher diese Reaktion stammt. Unter Entwicklern scheint die Technologie im vergangenen Jahr nämlich eher an Beliebtheit gewonnen zu haben. Auch gelten PWAs vor allem darum als interessant, weil sie grundsätzlich überall lauffähig sind und alle Plattformen erreichen können. Die Grundsatzentscheidung dagegen bildet ein Loch in dieser Abdeckung. Allerdings muss dabei auch bedacht werden, dass der wegfallende Support nur die Installierbarkeit und weitere Zusatz-Features betrifft, nicht aber die grundlegende Anzeige von der Web-Apps im Browser selbst.

Anzumerken ist auch, dass die kritischen Positionen zu dieser Entscheidung nicht überall geteilt werden. So können auch Firefox-Nutzer unter Windows 10 ja auf Desktop-PWAs zugreifen, indem sie diese aus dem Microsoft Store beziehen; der vorinstallierte Edge-Browser übernimmt dann die Ausführung. Wie sich diese Entscheidung also auf den Status des Browsers am Markt auswirken wird, bleibt abzuwarten.

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