Wie im Film, nur echt

Hand.js: Slides mit lässigen Gesten umblättern?
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Eine kleine Handbewegung und der Computer blättert die Seite um, ganz berührungsfrei: Das ist Standard in futuristischen Filmen. Mit Hand.js steht eine solche Option nun aber wirklich im Beta-Release-Status als Chrome-Extension und für eigene Projekte zur Verfügung, geschrieben in JavaScript.

Wer kennt es nicht? Eine kleine Geste und der fiktive Computer weiß, was er zu tun hat. So ziemlich in allen Filmen und Serien, wo „die Zukunft“ dargestellt werden soll, müssen Display oder Maus nicht mehr angefasst werden, um einfache Aktionen vorzunehmen. Statt zu klicken oder über den Screen zu wischen, wird dem Computer mit einer schnellen Handbewegung signalisiert, was man nun sehen möchte. Und schon wird eine neue Datei geöffnet oder die Seite gewechselt. Im Bereich der Barrierefreiheit gibt es zwar heute tatsächlich schon einige Optionen, die in diese Richtung geht und auch Siri, Alexa und Co können so manches, was man bis vor einigen Jahren nur aus dem Film kannte. Accessibility-Tools sind aber nicht unbedingt leicht für Nutzer zu verwenden, die an andere Eingabewege gewöhnt sind; und Siri während einer Bildschirmpräsentation aufzufordern, dass sie zur nächsten Slide wechseln soll, ist in vielen Kontexten eher störend als hilfreich. Wer möchte mitten im Vortrag schon „ich habe Sie nicht verstanden“ zur Antwort bekommen? Das ist nicht das, was die Science Ficition uns versprochen hat! Auch Gesten-Steuerung gibt es hier und da schon, aber so richtig durchgesetzt hat sich das Konzept bisher nicht.

Hand.js: Gesten-gesteuert Slides präsentieren

Mit Hand.js könnte sich das nun ändern. Die JavaScript-Library, die sich derzeit in der Beta-Phase befindet, bietet eine Chrome-Extension an, die eine Steuerung von YouTube-Videos und Google Slides per Gesten ermöglicht. Über die Kamera des verwendeten Geräts wird erkannt, wann zum nächsten Video oder der nächsten Slide gewechselt werden soll, eine einfache Handbewegung genügt, um die Interaktion auszuführen. Auch eine Möglichkeit zur Einbindung der Library in eigene Projekte ist geplant; das soll laut Darko Jurić, dem Entwickler von Hand.js, sogar nur wenige Minuten dauern. Der folgende Code könne dafür verwendet werden:

 
var handJS = new HandJS(action => 
{
    if (action === 'HandDetected') 
        console.log('Hand detected :-)');
    else
        console.log('Hand lost :-(');
});

handJS.start()
        .catch(/* handle error */);

Bislang bittet Jurić jedoch darum, vor der Nutzung in eigenen Projekten Kontakt zu ihm aufzunehmen; aus diesem Grund sei die Library gegen die Verwendung auf der Localhost-Domain gesperrt. Auch steht die Chrome-Extension, die auch für Edge genutzt werden kann, noch nicht im offiziellen Chrome Web Store zur Verfügung, sondern muss via GitHub heruntergeladen und manuell installiert werden. Hand.js ist erst seit wenigen Tagen auf GitHub verfügbar und, wie bereits erwähnt, noch in der Beta-Phase befindlich. Das Projekt ist also sehr jung und in der Entwicklung befindlich. Die Library steht jedoch unter GPL-2-Lizenz, die Chrome-Extension hat eine MIT-Lizenz. Es ist also zu erwarten, dass die Beschränkungen der Nutzungsmöglichkeiten mit der Zeit aufgehoben werden.

Gesten-Steuerung: Das Siri-Problem 2.0?

Im Kontext einer über die Kamera gesteuerten Interaktion stellt sich natürlich auch die Frage nach der Sicherheit der erfassten Daten. Der Hand.js-Website ist dazu zu entnehmen, dass keine Datenübertragung erfolge, sondern ausschließlich lokal auf dem Gerät gearbeitet werde, dessen Steuerung die Library bereitstellt. Wie das in der Praxis gestaltet werden wird, bleibt abzuwarten. Dass Datensicherheit bei smarten Assistenzsystemen eine durchaus große Hürde darstellt, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt. Eine kleine Library zur Gesten-Steuerung sollte zwar nicht in der gleichen Liga spielen wie die bekannten Voice-Assistenten, wenn es um die Datensammlung geht; bedacht werden muss dieser Aspekt dennoch.

Zu den Herausforderungen in der Entwicklung der Library wird mit Sicherheit auch gehören, dass zwischen Gesten unterschieden werden muss, die an ein menschliches Gegenüber gerichtet sind, und solchen, die zur Steuerung der Slides dienen. Genau wie bei Siri und Alexa, die ja durchaus mal in Gespräche platzen, ohne eigentlich gemeint gewesen zu sein, könnte ein solcher Eingabeweg sonst zu eigenen Schwierigkeiten führen. Spannend ist die Option aber in jedem Fall, wenn sie uns der SciFi-Vision ein kleines Stück näher bringt.

Alle Informationen zu Hand.js können auf der Website zum Projekt gefunden werden.

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