Aus dem Entwicklernähkästchen - Teil 2

JavaScript-Perspektive: Diese Trends sollten Sie 2020 kennen
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Was war los, in der Welt der JavaScript-Entwicklung im Jahr 2019? Im zweiten Teil unseres Entwicklernähkästchens sehen sich die Experten die Flops des Jahres 2019 an. Außerdem wagen sie einen Ausblick auf 2020 und kommentieren, mit welchen Technologien man sich im neuen Jahr beschäftigen sollte.

Was war los, in der Welt der JavaScript-Entwicklung im Jahr 2019? Wir haben vier Experten zu ihren ganz persönlichen Tops und Flops des Technologiejahrs 2019 befragt. Manfred Steyer, Peter Kröner, Tobias Struckmeier und Golo Roden plaudern aus ihrem Entwicklernähkästchen und geben einen Ausblick auf das Jahr 2020.  

Was hat dir an der WebTech-Welt dieses Jahr nicht gefallen?

Ich war ein wenig erstaunt über viele undifferenzierten Diskussionen zum Thema Micro Frontends. Zwischendurch hatte man dazu nur Extrempositionen gelesen. Das ist schade, weil es beim Thema Software-Architektur ja um das Austarieren unterschiedlicher Ziele geht und weil eine Architektur zu den eigenen Zielen passen muss. Es gibt also pe se keine guten oder schlechten Architekturen. Sie sind lediglich mehr oder weniger passend für bestimmte Ziele.

Manfred Steyer – SOFTWAREarchitekt.at

 

Abgesehen vom Problem mit JS-Bloat finde ich es bedenklich, dass auch 2019 niemand am Monopolisten-Thron von Google Chrome sägen konnte. Dabei wäre das meines Erachtens dringend nötig, denn nur Konkurrenz belebt das Browser-Geschäft nachhaltig. Es ist nicht abzusehen, dass demnächst Chrome zum tyrannischen IE6 2.0 wird, aber in der dafür nötigen Marktposition wäre Google mit seinem Produkt durchaus. Im allgemeinen Webentwickler-Sprachgebrauch fällt bereits auf, dass immer seltener von Standards die Rede ist und sich die Unterstützungs-Frage implizit immer mehr auf Chrome verengt. Noch haben wir kein wirkliches Problem, aber man muss ja nicht warten, bis das Kind am Boden des Brunnen aufgeschlagen ist.

Peter Kröner – Webtechnologie-Experte, Buchautor, Freelancer

 

Dass sich Web Components noch nicht behaupten konnten und Accessibility oftmals noch viel zu sehr vernachlässigt wird.

Tobias Struckmeier – Adesso AG

 

Mir fehlt, dass einigen Technologien Zeit gegeben wird zu reifen und stattdessen ein vermeintlicher Ersatz auf den Markt geworfen wird – der aber seinerseits ebenfalls wieder nicht ausgereift ist. Ein gutes Beispiel dafür ist das Problem, Nachrichten vom Server zum Webbrowser zu pushen. Dafür gibt es inzwischen etliche verschiedene Lösungen, die aber alle ihre individuellen Probleme aufweisen. Websockets? Sind problematisch mit Load-Balancern und in manchen Mobilfunknetzen. HTML5 Server-Sent Events (SSE)? Funktionieren grandios, nur lassen sich keine Custom-Header übertragen, was man beispielsweise für die Authentifizierung per Token bräuchte. Das Fetch API in Verbindung mit dem Streams API? Ein toller, moderner Ansatz, der allerdings zumindest derzeit in kaum einem Webbrowser korrekt funktioniert. AJAX Long-Polling? Altmodisch und umständlich, aber mit Abstand am verlässlichsten. Warum kann man eine einfache und zugleich mächtige Idee wie SSE nicht weiterentwickeln, sondern muss stattdessen direkt wieder einen weiteren Ersatz schaffen?

Golo Roden – the native web GmbH

 

IT Security Camp im Februar 2021

Mit Christian Schneider

Christian ist als freiberuflicher Whitehat Hacker, Trainer und Security-Coach tätig. Als Softwareentwickler mit mittlerweile 20 Jahren Erfahrung fand er 2005 seinen Themenschwerpunkt im Bereich IT-Security.

Interview mit Christian Schneider zum Thema „DevSecOps“.

DevSecOps ist, bezogen auf Security-Checks, die logische Fortführung der Automatisierung im DevOps-Sinne

Deine Prognose für 2020: Was muss man 2020 unbedingt kennen?

Ich habe das Gefühl, dass sich das JavaScript-Ecosystem langsam stabilisiert. Es haben sich Defacto-Standards herausgebildet, und das hält den Wildwuchs im Zaum. Interessant ist auf jeden Fall das Thema WebAssembly, aber wahrscheinlich nicht als JavaScript-Ersatz (wie manche hoffen), sondern als Ergänzung für APIs. Außerdem werden sich 2020 noch mehr Entwickler mit dem Thema Architektur vor dem Hintergrund von JavaScript beschäftigen müssen, zumal JavaScript-Lösungen immer größer werden und häufig langfristig gewartet werden müssen.

Manfred Steyer – SOFTWAREarchitekt.at

 

Ich habe in letzter Zeit öfter Firmen besucht, die mich ihre bestehenden Projekte in Hinblick auf Best Practices und Weiterentwicklungs-Möglichkeiten haben untersuchen lassen. Mittlerweile ist der moderne SPA-Stack so lange in der Welt, dass wir veritable Legacy-Projekte haben. Diese in eine neue Zukunft zu führen, wird in meinen Augen immer wichtiger. Ich denke nicht, dass man 2020 einen Blumentopf gewinnt, indem man die Dokumentation des hippen Frameworks der Stunde rezitiert. Wichtiger wird die Frage, wie und ob man bestehende Projekte fit für 2020 macht und welche Lehren man aus der Vergangenheit zieht.

Peter Kröner – Webtechnologie-Experte, Buchautor, Freelancer

 

RxJS, Cypress und Designsysteme.

Tobias Struckmeier – Adesso AG

 

Die Welt steht am Jahresende 2019 vor weitaus mehr gravierenden Problemen als noch ein Jahr zuvor: Allen voran ist der Klimaschutz zu nennen. Mein Eindruck ist, dass dadurch weniger Zeit geblieben ist, „revolutionäre“ Technologien zu entwickeln, weshalb es derzeit aus meiner Sicht keine wirklich spannenden neuen Entwicklungen gibt. Natürlich gibt es interessante Dinge, beispielsweise WebAssembly, aber das ist mehr eine Evolution als eine Revolution. Auch in der Cloud-Welt hat sich zwar einiges getan, wirkliche Umbrüche wie vor einigen Jahren mit Docker und Kubernetes stehen aber gerade nicht bevor. Und auch die Hypes um AI und Blockchain haben sich beruhigt.

Ich glaube, dass man für 2020 am Besten beraten ist, nicht künstlich nach dem nächsten großen Ding zu suchen, sondern sich auf seinen grundlegenden Technologie-Stack konzentrieren sollte. Das heißt für mich: sicherstellen, dass ich in den für mich relevanten Technologien auf dem Laufenden bin und darin alle für mich wichtigen Neuerungen kenne und anwenden kann. Bei mir persönlich besteht der Stack aus JavaScript, TypeScript, Node.js, Docker und Kubernetes – und auf der konzeptionellen Seite aus CQRS, Event-Sourcing und Domain-driven Design. Und genau mit diesen Themen werde ich mich auch 2020 beschäftigen, weil es selbst in vertrauten Gewässern immer noch so viel zu lernen gibt. Das übersieht man nur oft. In diesem Sinne: Auf zu alten Ufern!

Golo Roden – the native web GmbH

Lesen Sie auch Teil 1 unseres JavaScript-Nähkästchens. Die Experten kommentieren die Technologie-Highlights im Jahr 2019 und verraten uns, welche neuen Tools ihnen 2019 besonders gute Dienste erwiesen hat.

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