Sacha Greif im Interview

Sacha Greif im Interview: Angular, React und Meteor im State of JavaScript 2017
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Der State of JavaScript 2017 zeigt, dass Entwickler eher zu React als zu Angular greifen. Auch Meteor ist nicht besonders beliebt, zumindest laut den Survey-Ergebnissen. Woran liegt das aber? Über diese Frage haben wir mit Sacha Greif, einem der Macher des Surveys, gesprochen.

Entwickler.de: Der State of JavaScript 2017 umfasst zahlreiche Themenbereiche, die natürlich alle mit JavaScript zusammenhängen. Fangen wir doch mit einem Vergleich mit dem Vorjahr an: 2016 war im State of JavaScript eine Welle neuer JavaScript-Flavors sichtbar. Welche Sprachvarianten waren das im vergangenen Jahr und wie sieht es dieses Jahr aus? Gibt es neue Trends?

Sacha Greif: Die Survey-Ergebnisse haben 2016 gezeigt, dass ES6 zum Standard für Entwickler geworden ist, die mit JavaScript arbeiten. Das ist dieses Jahr immer noch so. Neue Optionen wie Reason, Elm, ClojureScript und so weiter haben viel Potential, sind aber noch Nischenthemen.

Entwickler.de: Dieses Jahr konnte man den Eindruck bekommen, dass TypeScript deutlich beliebter geworden ist. Bestätigen die neuen Survey-Ergebnisse diese Beobachtung oder zeigt sich dort eine andere Entwicklung?

Sacha Greif: TypeScript gehört definitiv zu den großen Gewinnern dieses Jahres. Immer mehr Open Source-Projekte arbeiten damit und so ziemlich jeder hat schon mal davon gehört. Auch diejenigen, die noch nicht damit arbeiten, haben insgesamt eher eine gute Meinung von TypeScript.

Es würde mich nicht überraschen, wenn TypeScript weiterhin wachsen und sich als Standard-Sprachwahl für die Arbeit mit JavaScript etablieren würde.

Entwickler.de: Und welche Sprachvariation ist gegenwärtig der Standard in der Entwicklung?

Sacha Greif: Bezogen auf die verschiedenen „Flavors“ sind das definitiv ES6 und seine Nachfolger.

Wenn TypeScript der neue Standard zum Schreiben vom JavaScript-Code werden sollte, wäre ich nicht überrascht.

Entwickler.de: Frameworks sind ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt in der Arbeit mit JavaScript. Welches Frontend-Framework ist derzeit das Beliebteste?

Sacha Greif: React konnte Boden gut machen, nachdem Angular auf den Enterprise-Markt ausgerichtet wurde. Vue hat hingegen im letzten Jahr stark an Beliebtheit zugenommen, kann mit React und Angular aber noch nicht mithalten. Insofern ist es nicht allzu überraschend, dass die Frontend-Library von Facebook diese Kategorie noch immer anführt, sowohl wenn es um den Marktanteil geht, als auch in Bezug auf die Zufriedenheit der Anwender.

Entwickler.de: Angular vs React wurde dieses Jahr ja heiß diskutiert. Im State of JavaScript war das Interesse an Angular letztes Jahr größer als das an React, wenn man auf die Frage schaut, was die Teilnehmer des Surveys noch ausprobieren wollen. Allerdings waren die Teilnehmer mit React zufriedener. Wie sieht es dieses Jahr aus?

Sacha Greif: Der Trend hat angehalten: React ist immer noch dominant, zumindest unter den Teilnehmern unseres Surveys.

Falls es React morgen nicht mehr gäbe, würde ich mich wohl für Vue entscheiden.

Entwickler.de: Hast du persönlich irgendeinen Tipp für Entwickler, die sich zwischen React und Angular entscheiden müssen?

Sacha Greif: Das Angular-Team arbeitet ständig daran, das Framework zu verbessern. Allerdings scheint Angular doch eher für große Enterprise-Projekte geeignet zu sein, während React eher einen leichtfüßigen (und stärker fragmentierten) Ansatz bietet. Es scheint, als hätten sich die meisten Entwickler in diesem Jahr für React oder Vue als Frontend-Library entschieden. Angular wurde eher für komplexere Projekte in Erwägung gezogen, die einen stärker integrierten Ansatz benötigen.

Entwickler.de: Für welches Frontend-Framework würdest du dich persönlich entscheiden? React, wie die meisten der Teilnehmer oder etwas anderes?

Sacha Greif: Ja, ich setze React für alle meine Projekte ein. Falls React morgen aus irgendeinem Grund nicht mehr existieren sollte, würde ich wohl zu Vue wechseln.

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Entwickler.de: Denkst du, dass Angular seinen Zenit überschritten hat?

Sacha Greif: Ich habe Angular nie benutzt, also ist meine Meinung wohl nicht besonders gewichtig dabei. Aber: Nein, das glaube ich nicht. Das Team hinter Angular ist immer noch großartig, außerdem hat Angular eine große User-Basis. Angular ist also noch im Spiel.

Entwickler.de: Meteor ist recht bekannt, weckt aber trotzdem kein besonderes Interesse. Woran liegt das? Wo liegen deiner Meinung nach die Nachteile?

Sacha Greif: Das trifft mich jetzt tief. Ich bin ja selbst Meteor-Nutzer! Ich glaube, dass Meteor in gewisser Weise ein Opfer seines eigenen Erfolgs wurde. Zu Anfang hat Meteor viele Entwickler erreicht, weil es ein absolut bahnbrechendes Framework war. Allerdings ist genau die Vielfalt, die Meteor groß gemacht hat, dann auch zum Problem geworden. Meteor tut sich schwer daran, in spezifischen Bereichen konkurrenzfähig zu sein.

Meteor ist Opfer seines eigenen Erfolgs geworden

Jetzt, wo das Meteor-Team aber leaner und fokussierter arbeitet, hat sich viel verändert. Beispielsweise wird kein eigenes Meteor-Frontend-Framework mehr gepflegt, sondern React, Angular oder Vue empfohlen. Dadurch konnte die Plattform an sich im Laufe dieses Jahres dramatisch verbessert werden. Leider haben sich aber viele Leute schon von Meteor abgewendet und tun sich verständlicherweise schwer daran, dem Framework eine zweite Chance zu geben.

Entwickler.de: Die Ergebnisse zeigen auch, dass viele Entwickler gar keine Frontend-Frameworks verwenden. Was denkst du, woran liegt das?

Sacha Greif: Um genau zu sein, zeigt der Survey, dass sich viele Entwickler ohne Framework wohlfühlen. Das heißt aber nicht, dass sie diese Art des Arbeitens bevorzugen, wenn man sie vor die Wahl stellt. Die Frage sollten wir nächstes Jahr vielleicht umschreiben, um die Doppeldeutigkeit zu verringern. Auf jeden Fall denke ich aber, dass es eine Sache des Stolzes ist, Code von Grund auf selbst schreiben zu können, ohne sich zu sehr auf vorgefertigte Libraries verlassen zu müssen.

Auch interessant: Ein Blick auf die Ergebnisse des State of JavaScript 2017 Survey: Ist Angular out?

Entwickler.de: Was tut sich derzeit auf dem Gebiet der mobilen Entwicklung mit JavaScript? Hat die Adaption von Frameworks dafür zugenommen oder wird noch immer primär mit nativen Apps gearbeitet?

Sacha Greif: Auch im Mobile-Bereich scheinen die Trends stabil geblieben zu sein. Entwickler sind immer noch sehr zufrieden mit React Native, das aber trotzdem selten genutzt wird. Native Apps sind noch immer eine Art der sicheren Bank. Das könnte daran liegen, dass viele Entwickler vom write-once-run-anywhere-Versprechen von PhoneGap/Cordova in der Praxis enttäuscht wurden – die Zufriedenheitsquote dafür ist ziemlich niedrig – und darum lieber auf sichere Lösungen setzen.

Entwickler.de: Ist dir dieses Jahr irgendein allgemeiner Trend in der JavaScript-Welt aufgefallen, den jede(r) kennen sollte?

Sacha Greif: Abgesehen vom weiterhin starken Wachstum von TypeScrip und Vue glaube ich, dass es sich lohnt, GraphQL im Blick zu behalten. Da haben wir dieses Jahr die größte Interessens-Quote gesehen (die Zahl der Entwickler, die Interesse daran haben verglichen mit den Entwickler, die kein Interesse daran haben), während die Nutzerzahl im Survey noch recht gering ausgefallen ist. Das könnte darauf hindeuten, dass viele aus der Community sich 2018 damit befassen werden.

Entwickler habe sich 2017 eher bei komplexen Aufgaben für Angular entschieden und wählten React für kleinere Projekte.

Entwickler.de: Was hat sich gegenüber dem letzten Jahr radikal verändert und warum?

Sacha Greif: Ich würde nicht sagen, dass sich irgendetwas dramatisch verändert hat. Meiner Meinung nach ist JavaScript in eine dringend benötigte Phase der Konsolidierung und Reifung eingetreten, wo die meisten Änderungen innerhalb bestehender Strukturen und transparent erfolgen, statt eine konstante Unruhe in der Framework-Szene zu haben. Ein Beispiel dafür ist das Release des neuen Fiber Rewrite bei React. Das ist eine gute Entwicklung für alle!

Vielen Dank für das Interview!

Im Interview: Sacha Greif
Sacha Greif is an independent developer and designer living in Kyoto, Japan. He’s trying to do his part to make sense of the JavaScript ecosystem, both by working on VulcanJS, an open-source React and GraphQL framework, and by publishing the yearly State of JavaScript developer survey.

(Anm. d. Red.: Das Interview wurde aus dem Englischen übersetzt und kann in der Originalsprache hier gelesen werden.)

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