Kanban in der IT: Eine Kultur der kontinuierlichen Verbesserung schaffen
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Wer eine Werkstour bei Zeiss in Aalen mitmacht, ist von der Effizienz zutiefst beeindruckt. Dies liegt unter anderem daran, dass das Unternehmen seine Prozesse komplett nach dem japanischen Kaizen-Modell strukturiert.

Software-Kanban ist weit mehr als die konstante Anwendung des auch als KVP bekannten Kaizen-Prozesses. Kanban in der IT möchte eine holistische Einführung in die (zugegebenermaßen faszinierende) Welt japanischer Prozessmodelle darstellen.

Die Autoren unterteilen ihr Werk in drei Unterabschnitte. Der erste Teil befasst sich mit den grundlegenden Prinzipien von Kanban: Themen wie WiP-Limits und die allgegenwärtigen Steuerungsboards werden anhand von praktischen Beispielen erklärt. Geneigte Leser bemerken schon an dieser Stelle, dass die Autoren keine Angst vor umfangreichen Erklärungen haben: Wer die Kapitel aufmerksam durcharbeitet, versteht die Prozesse und kann sie somit souveräner anwenden und an seine Bedürfnisse anpassen.

Im zweiten Teil wenden sich die Autoren dem leidigen Thema der Veränderungen zu. Der fälschlicherweise dem griechischen Philosophen Heraclitus zugeschriebene Spruch des Panta Rhei zieht diverse organisationspsychologische Konsequenzen mit sich, die man bei der Implementierung von Kaizen und Co berücksichtigen sollte. Die Autoren gehen hier sowohl auf häufige als auch auf eher exotische Hindernisse ein, deren Beachtung zu „problemlosem“ funktionierendem Change Management führt.

Teil drei befasst sich damit, die bisher eher theoretischen Informationen in die Praxis zu transferieren. Nach einem Kapitel mit Hinweisen zur „Überzeugung des Managements“ wenden sich die Autoren der Frage zu, wie man die Kollegen von Kanban überzeugt und zur aktiven und gewinnbringenden Mitarbeit animiert. Im Rahmen der eigentlichen Inbetriebnahme des neuen Managementsystems müssen Feedbackschleifen errichtet werden. Die Autoren widmen diesem sehr wichtigen Thema ein eigenes Kapitel. Zu guter Letzt folgen zwei Kapitel, die das eigentliche Deployment und den Betrieb eines Kanban-Systems anhand eines kleinen Softwarehauses illustrieren.

Bücher zu Managementthemen sind im Allgemeinen als Easy Reading verschrien. Das vorliegende Werk definitiv nicht: Es enthält Unmengen von wertvollen Hintergrundhinweisen. Kanban in der IT ist trotz der sauberen Formulierung und des klaren didaktischen Aufbaus kein „Buch für eine Nacht“, Sie sollten reichlich Zeit einplanen, um von den präsentierten Informationen optimal zu profitieren. Die am Ende jedes Kapitels befindliche Kurzzusammenfassung hilft bei der „Ergebniskontrolle“. Wer nach dem Durcharbeiten des Werks Interesse an weiterem Material hat, findet eine gut dreiseitige Literaturliste im Anhang.

Prozessmanagement, Kanban und Co können bei falscher Implementierung verheerende Auswirkungen haben. Dieses von einer Gruppe erfahrener Praktiker verfasste Werk hilft Ihnen dabei, potenzielle Problemstellen sicher und souverän zu umschiffen. Freunde von japanischer Managementtheorie müssen dieses Buch haben.

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