Content Management Systeme im Vergleich

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Seit dem letzten CMS-Vergleichstest hat sich einiges bewegt und es sind viele neue Trends zu erkennen. Bei vielen Herstellern ist die Einsicht eingekehrt, dass es das definitive one size fits all-System nicht geben kann. Stattdessen werden zwei verschiedene Wege verfolgt: Die Festlegung auf einen bestimmten Leistungsumfang für eine definierte Zielgruppe mit nur wenigen Erweiterungsmöglichkeiten oder aber die Bereitstellung eines Frameworks mit wenig Basisfunktionalität, aber vielen vorbereiteten Mechanismen, um ein maßgeschneidertes CMS entwickeln zu können.

Der Vorteil der erstgenannten Gruppe liegt darin, dass die von bestimmten Kundenzielgruppen normalerweise geforderte Funktionalität von vornherein eingebaut und aktiviert ist – der Kunde erhält ein Fertigprodukt, das er nach der Installation mit nur wenig Konfigurations- und idealerweise auch wenig Schulungsaufwand direkt nutzen kann. Dafür lassen sich diese Systeme meist nur eingeschränkt an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was sich am stärksten in Bereichen wie Workflow-Management oder Anbindung an bestehende EDV-Systeme bemerkbar macht.

Die zweite Systemgruppe wird oft nicht einmal als Einzelprodukt angeboten, sondern kommt vorwiegend im Rahmen von Projekten zum Einsatz, bei denen von vornherein eine Systemanpassung an die individuellen Bedürfnisse des Kunden vorgesehen ist. Da die Einarbeitungszeit in solche Systeme meist nicht zu unterschätzen ist, wird die Anpassung in der Regel direkt vom Hersteller oder von einem auf dieses System spezialisierten Dienstleister vorgenommen.

Die grundsätzlichen Auswahlkriterien für ein Content Management-System sind trotz allem immer noch die gleichen geblieben wie in meinem Vergleichstest im PHP Magazin 02/2002, daher werde ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen. Für den Fall, dass Sie diese Ausgabe verpasst haben, ist der Artikel nach wie vor im Online-Archiv auf www.phpmag.de verfügbar.

Trendy: WebDAV und WYSIWYG

Neben der Einteilung von Systemen in Baukästen und zielgruppenorientierte Fertigprodukte sind weitere Trends zu beobachten, die eher in den technischen Bereich fallen: Immer mehr Produkte springen auf den WebDAV-Zug auf, wodurch es Anwendern zunehmend erleichtert wird, Daten mit dem CMS auszutauschen. So ist es zum Beispiel möglich, einen WebDAV-Server als Netzlaufwerk in das Betriebssystem einzubinden, sodass alle vom Anwender gewohnten Programme (zum Beispiel Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation) Dateien auf diesem virtuellen Laufwerk ablegen oder auch von diesem öffnen können. Weite Teile der Funktionalitäten von Artikelerfassung und Mediendatenbanken können sich so über gewohnte Anwendungen abpictureen lassen, ohne dass der Anwender in die Verlegenheit kommt, ein neu zu erlernendes Webinterface benutzen zu müssen. Die Systeme SixCMS und Powerslave aus der vorangegangenen Marktübersicht beherrschen inzwischen dieses Feature, bei vielen anderen Herstellern befindet es sich zumindest in Planung oder Entwicklung.

Eine Kernanforderung an ein Content Management-System ist oft auch die Verfügbarkeit eines WYSIWYG-Editors (What You See Is What You Get – hierbei entspricht die Ansicht des bearbeiteten Textes bereits in etwa dem endgültigen Erscheinungspicture), was die Benutzerfreundlichkeit für die meistens eher wenig HTML-versierten Nutzer deutlich steigert. In der Vergangenheit gab es hier (wenn überhaupt) oft nur die Wahl zwischen einer Lösung, die nur im Internet Explorer funktioniert (und das meistens auch nur unter Windows), oder einem Java-Applet, welches nicht immer den gewünschten Komfort brachte oder in einigen Browsern instabil lief.

Mittlerweile zeichnen sich erste Lichtblicke für Benutzer anderer Browser und Betriebssysteme ab: Neben Editoren, die plattformübergreifend mit Hilfe des Flash-Plugins realisiert wurden, gibt es auch erste Exemplare, die zumindest mit dem Versionszweig 1.3 des Mozilla-Browsers rein auf Basis des DOM und JavaScript funktionieren – auch diese Lösung war bislang nur dem Internet Explorer vorbehalten.

ezPublish

Aus dem Hause ez systems AS im kühlen Norwegen stammt ein System, das sich auf den ersten Blick nicht so recht einordnen lassen möchte: ezPublish. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Artikels war bereits der Release Candidate 2 der dritten Generation von ezPublish verfügbar, daher gehe ich an dieser Stelle auch nur auf diese neue Version ein.

ezPublish wird in zwei verschiedenen Open Source-Lizenzmodellen vertrieben: Die GPL ermöglicht den freien Einsatz des Systems, ohne sich in große Kosten stürzen zu müssen. Will man jedoch eigene Produkte auf Basis von ezPublish entwickeln, wird die kostenpflichtige ezPublish Professional License benötigt – ein ähnliches Modell wird auch von MySQL AB eingesetzt.

Das System ist sehr modular aufgebaut – die meisten Einzelfunktionalitäten wie Shop, Artikelmanager, Dateimanager oder Bannerverwaltung sind in Module ausgelagert. Dadurch kann das System flexibel durch das Austauschen oder Hinzufügen eigener Module angepasst werden.

Die Installation gestaltet sich zunächst erfreulich einfach und problemlos. Je nach Situation gibt es drei verschiedene Installationswege: Sind die notwendigen Systemvoraussetzungen noch nicht erfüllt (PHP ab 4.1.0 mit Apache als Webserver und wahlweise MySQL oder PostgreSQL als Datenbank), kann die Installation mittels eines der verfügbaren Installer-Programme für Windows, Linux oder FreeBSD durchgeführt werden. Diese richten das System mitsamt aller Softwareabhängigkeiten komplett ein. Alternativ wird das Distributionsarchiv einfach irgendwo im Document_Root entpackt und ein Setup-Skript über den Browser aufgerufen, das die nötigen Konfigurationseinstellungen dialoggesteuert vornimmt. Wer es liebt, sein System so weit wie möglich zu tunen, kann die Installation auch komplett von Hand durchführen und sich selbst durch die Konfigurationsdateien wühlen.

Wer nach der Installation gleich loslegen möchte, kann neben der grundsätzlichen Datenbankstruktur auch gleich noch die mitgelieferten Demodaten einspielen – dadurch erhält man ein vorkonfiguriertes System, mit dem man sofort herumexperimentieren kann.

Die nach erfolgter Installation zur Verfügung stehende Administrationsoberfläche dient zur Verwaltung von Benutzern, Rechten und Rollen sowie von Workflows und kann darüber hinaus Navigationsstrukturen erstellen und verwalten. Sie erlaubt ebenfalls das Anlegen von Objekten, die mittels der einzelnen Module erzeugt werden können. Diese können in der Navigationsstruktur beliebig eingesetzt werden.

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Abb. 1: Rubrikenübersicht in ezPublish

Hier zeigt sich jedoch eine erste Schwäche des Systems: Die Benutzerführung ist meines Erachtens eher wenig intuitiv. Mehr als einmal musste ich stirnrunzelnd das Handbuch wälzen – sei es, um zu erfahren, warum es sinnvoll sein mag, einzelne Bilder mitten in der Navigation zu platzieren, oder um herauszufinden, wie ich denn die Sortierung von Elementen innerhalb eines Unterverzeichnisses umstelle. Will man beispielsweise eine individuelle Sortierung (anstatt einer automatisierten wie z.B. nach Datum, Alphabet o.ä.), muss man für das Verzeichnis die Sortierart Priorität einstellen und für jedes Objekt innerhalb des Verzeichnisses per Hand (!) eine Zahl als Priorität definieren, die dann für die Sortierung in der gewünschten Reihenfolge herangezogen wird.

Dies setzt sich in der Bearbeitung von Artikeln fort: Will man dort Bilder oder Links auf andere Artikel in ezPublish in den Fließtext einfügen, so muss man deren ID kennen, da man diese in ein Tag-Attribut einfügen muss – zum Beispiel . Bis zum Final Release soll allerdings auch ein grafischer Editor verfügbar sein, mit dem diese Aufgaben einfacher von der Hand gehen.

ezPublish verwaltet seine Inhalte ganz gemäß der zugrunde liegenden Systemarchitektur in Klassen und Objekten, die man auch selbst definieren kann. Will man beispielsweise eine Produktliste anlegen, so wird zunächst eine Klasse Produkt erstellt, der man beliebige Attribute zuweisen kann – beispielsweise Bezeichnung, Preis, Mehrwertsteuersatz, Detailbeschreibung und Abpictureung. Für das Anlegen einer Produktliste können nun in einer beliebigen Rubrik diverse Artikelobjekte vom Typ Produkt angelegt werden – die Eingabemaske für die Objektattribute wird genauso automatisch erzeugt, wie die Möglichkeit besteht, alle eingegebenen Inhalte zu internationalisieren und zu versionieren.

Sehr elegant ist auch die Einbindung von eigenen Workflows gelöst: ezPublish stellt bestimmte System-Events (z.B. Artikel wird publiziert) zur Verfügung, auf die man über die Administrationsoberfläche Trigger legen kann. Jedem Trigger kann ein Workflow zugewiesen werden, der beim Auslösen des Triggers aktiviert wird (je nach Einstellung des Triggers entweder vor oder nach der Abarbeitung des System-Events). Diese Workflows sind nichts anderes als eigene PHP-Klassen, die sich von einer Basisklasse aus dem ezPublish-Framework ableiten und völlig beliebige Funktionalität abpictureen können.

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Abb. 2: Anlegen von Workflows in ezPublish

Die Template-Sprache von ezPublish ist ähnlich erweiterbar. So ist es möglich, eigene Tags festzulegen, die in den Templates verwendet werden können. Komplexere Darstellungen, wie etwa die Zusammenstellung von Artikelübersichten aus bestimmten Rubriken, sind dank der in den Templates möglichen Schleifen, Kontrollstrukturen und Variablenzuweisungen ebenfalls machbar – allerdings wie bei so vielen Systemen mal wieder auf Kosten der Einarbeitungszeit. Der folgende Code stellt beispielsweise die Liste aller Artikel der aktuell angewählten Rubrik dar:

{* set children variable *}
{let children=fetch('content',list,hash(parent_node_id,$node.node_id))}

{$node.name}

{* loop children and print name *} {section name=Child loop=$children} {$Child:item.name} {/section} {/let}

Es gibt keine Oberfläche, mit der Templates eingespielt, verwaltet und konfiguriert werden können – wie auch an vielen anderen Stellen in ezPublish muss man direkt im Dateisystem arbeiten. Somit ist es nicht möglich, einen HTML-kundigen Mitarbeiter, der keine besonderen Vorkenntnisse im Bezug auf ezPublish hat, ohne eine gewisse Einarbeitungszeit Templates für das System erstellen zu lassen. Weiter erschwert wird dies durch die Notwendigkeit, eine spezielle Template-Sprache zu erlernen, die sich weder an PHP, noch an XML anlehnt, sondern eine komplette Eigenentwicklung ist. Der Vorteil dieser Lösung ist allerdings, dass sich Funktionalitäten wie beispielsweise Internationalisierung gleich in einem einzigen Template unterbringen lassen.

Seine Stärken spielt ezPublish in der Erweiterbarkeit aus: Das gesamte System ist voll objektorientiert aufgebaut und setzt viele gängige Entwurfsmuster um – erfahrene Programmierer dürften sich schnell zurechtfinden. So wird ezPublish auch sehr häufig nicht unbedingt als CMS, sondern als Basis für die Applikationsentwicklung eingesetzt. Eine umfangreiche Klassenbibliothek steht dem Entwickler hierbei zur Seite, die beispielsweise Funktionen für die Internationalisierung von Websites/Applikationen, SOAP-Web Services oder den Umgang mit XML bereitstellt.

Contenido

Ein weiterer Vertreter der frei erhältlichen Content Management-Systeme ist Contenido von der four for business AG aus Bad Soden. Anders als bei ezPublish gibt es bei Contenido zusätzlich zur GPL keine kostenpflichtige kommerzielle Lizenz – wer allerdings Schulungen und Support für das System benötigt, kann beides natürlich ebenso direkt beim Hersteller buchen wie individuelle Anpassungen und Implementationsunterstützung.

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Abb. 3: Die neue Contenido-Version 4.3beta

Am Anfang des Tests eines CMS steht für mich immer die Dokumentation. Hier folgt Contenido der Tradition vieler (glücklicherweise nicht aller) Open Source-Systeme und stellt nur das Nötigste bereit – während man auf der Homepage lediglich eine Dokumentation zu einer veralteten Fassung und ein Whitepaper zur aktuellen Version findet, enthält das Installations-Archiv immerhin ein Tutorial, welches die wichtigsten Bereiche sehr gut und verständlich abdeckt.

Für PHP-Entwickler erfreulich: Contenido kommt ohne eigene Template-Sprache aus. Die HTML-Layouts werden einfach mit PHP-Anweisungen versehen, wo immer interaktiver Content erscheinen soll. Reine HTML-Designer müssen dafür allerdings nicht gleich PHP lernen, denn häufig benötigte Komponenten werden in Module ausgelagert, die sich einfach in Form von Containern irgendwo im Layout platzieren lassen: Mit der Anweisung wird dem CMS mitgeteilt, dass es doch bitte das Modul, das in der Administrationsoberfläche für das aktuelle Template bei Container 1 definiert wurde, an dieser Stelle in die Seite einbetten möge. Nach der Installation direkt verfügbare Module sind zum Beispiel solche zur Einbettung von Navigationsleisten, Überschriften, Bildern und Fließtext (letzteres wahlweise als Plaintext oder mittels WYSIWYG-Editor).

Das klingt zunächst einmal nach größtmöglicher Freiheit, hat allerdings seine Haken und Ösen: Pro Layout können maximal 20 Container eingebettet werden – bei komplexen Seiten kann man hier schnell an die Grenzen des Systems stoßen. Zudem ist es nicht vorgesehen, Bilder auch direkt in den Fließtext einbetten zu können – dies ist nur über normale -Tags möglich. Will man die Bilder in Contenido verwalten können, müssen diese statisch im Layout platziert werden.

Reicht die durch die Standardmodule gebotene Funktionalität nicht aus, können recht einfach eigene Module in PHP erstellt werden. Contenido stellt hierfür eine Reihe von Systemvariablen zur Verfügung, die Informationen zur Systemkonfiguration, Zustand und wichtigen Pfaden enthalten. Wer sich bereits mit der schon etwas älteren Klassenbibliothek PHPLib beschäftigt hat, wird sich bei der Modulentwicklung für Contenido zu Hause fühlen – das gesamte System setzt konsequent darauf auf. Auch die Datenbankzugriffe in den Modulen werden über die PHPLib-Klassen geregelt.

Die Layouts selbst werden zwar im Filesystem abgelegt, lassen sich aber über eine Administrationsoberfläche wie fast alles in Contenido bequem verwalten. Hat man das grundsätzliche Funktionsprinzip des Zusammenspiels von Layouts, Templates und Modulen einmal begriffen, oder – je nach persönlichem Aufgabengebiet – einmal einen Artikel oder eine Rubrik angelegt, kommt man sehr gut mit der Bedienung klar, auch wenn sie anfangs auf den ersten Blick nicht besonders intuitiv erscheint.

Kurz vor Redaktionsschluss erhielt ich die Information, dass ein neues Release von Contenido unmittelbar bevorsteht, das mit diversen Limitationen der aktuellen Version aufräumt und die Bedienung noch weiter vereinfacht. So entfällt bei der neuen Version 4.3 das Limit auf maximal 20 Container pro Template. Weiterhin stehen eine richtige Mediendatenbank sowie eine interne Linkkontrolle auf dem Programm – zwei Punkte, die den Schulungsaufwand für ein CMS drastisch reduzieren können – gerade, wenn die Redakteure eher HTML-Laien sind (was in der Regel ja der Fall sein dürfte). Ebenso wird ein System für eine einfache Artikelfreigabe (Vier-Augen-System) eingeführt. Die Oberfläche erscheint insgesamt deutlich professioneller und aufgeräumter. Man darf gespannt sein!

Chairman

Was genau ist eigentlich Chairman? Ein Content Management-System? Ein Portalbaukasten? Ein Applikations-Framework? Die passendste Antwort lautet vermutlich: Alles und nichts. Chairman ist zunächst einmal ein kommerzielles System, das von ThinkPHP, einem Team bestehend aus bekannten Figuren der PHP-Szene, entwickelt und vertrieben wird. Chairman gehört zu den Systemen, die meistens im Rahmen von Integrationsprojekten verkauft werden, ist aber auch einzeln erhältlich.

Das System bringt eine komfortable Installationsroutine mit, die Chairman inklusive aller verfügbaren Funktionsmodule installiert und eine Grundkonfiguration herstellt – da allerdings die Installation des Systems als Serviceleistung des Herstellers im Lizenzpreis von 5.000 Euro gleich enthalten ist, gehe ich an dieser Stelle nicht näher darauf ein. Nicht ganz unwichtig im Bezug auf die besagte Lizenz ist, dass es sich um eine Serverlizenz handelt, sie also für eine Installation auf einer Maschine gilt – für die Anzahl der Benutzer, Portale/Websites, Domains oder Laufzeit gibt es keine Begrenzungen.

Chairman ist modular aufgebaut. Die einzelnen Funktionsmodule können beliebig und individuell konfiguriert und in ebenso frei erstellbare Website-Strukturen eingebunden werden. Die Oberfläche von Chairman zu beschreiben, ist eigentlich fast müßig, denn diese kann individuell auf die Wünsche des Kunden angepasst werden. Das Standard-Layout jedoch präsentiert sich aufgeräumt mit einer Liste der verfügbaren Module auf der linken Seite.

Fährt man mit der Maus über einen der Menüpunkte, erscheint ein Popup-Layer mit den darunterliegenden Optionen. Das Timeout für das Verschwinden dieses Layers erscheint zwar bei größeren Mengen von Optionen etwas kurz gewählt, allerdings fällt dies nicht weiter ins Gewicht, da dieses Feature – wie eigentlich alles in Chairman – frei konfigurierbar bzw. abschaltbar ist.

Betrachtet man die reinen CMS-Funktionen von Chairman, ist der Umfang als solide, aber nicht überragend zu bezeichnen – formal gesehen gibt es diverse Systeme, die hier gleiches oder mehr bieten. Chairman hat seine Stärken in anderen Bereichen, doch zunächst einmal zurück zu der klassischen CMS-Funktionalität: An beliebiger Stelle im Navigationsbaum können Texte an hierfür im Layout vorgesehener Stelle eingefügt werden. Die Bearbeitung erfolgt mit einem von mehreren WYSIWYG-Editoren. Chairman ist hier eines der ersten Systeme, die fast alle möglichen Techniken hierfür abdecken – je nach Browser wird ein ActiveX-, Flash- oder DHTML-Editor automatisch vorgeschlagen, bei anderweitiger Präferenz des Anwenders lässt sich der Editor aber auch jederzeit umschalten. Kenner der Editorkomponente des Internet Explorers werden es zu schätzen wissen, dass der teilweise doch recht fragwürdige HTML-Code, der von dieser erzeugt wird, mit Hilfe diverser Regular Expressions sowie dem optional zuschaltbaren externen Tool HTML Tidy in einen deutlich aufgeräumteren Zustand gebracht wird. Zusätzlich wird ein Word-Import angeboten, sodass Texte auch mit der gewohnten Textverarbeitung erfasst werden können.

Bilder lassen sich über die integrierte Mediendatenbank in Texte einfügen. Neben der automatischen Skalierung von Bildern lassen sich hierbei auch Spezialeffekte wie Schattenwurf einstellen. Ebenso können grafische Buttons für Menüleisten oder grafische Artikelüberschriften in wählbaren Schriftarten und wahlweise auch mit Hintergrundpictureern erstellt werden.

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Abb. 4: Artikelbearbeitung in Chairman

Chairman bringt zumindest für Artikel keine komplette Workflow-Engine mit – lediglich ein einfaches Freischaltsystem nach dem Vier-Augen-Prinzip ist integriert. Ganz muss man jedoch nicht auf Workflows verzichten: Über ein weiteres Modul, einen Formulargenerator, ist es möglich, beliebige Abläufe von Formulareingaben und deren Bearbeitung ohne Programmieraufwand umzusetzen, womit sich beispielsweise betriebliche Abläufe wie Antrag stellen -> Antrag bestätigen/ablehnen -> Benachrichtigungen versenden abpictureen lassen. Ist ein Workflow auch für normalen Website-Content zwingend erforderlich, kann Chairman auch per Customizing um individuell auf den Kunden angepasste Workflows erweitert werden.

Der Formulargenerator ist in der Lage, beliebige Formulare zu erstellen, die entweder einfach zweispaltig angeordnet werden (links Feldbezeichnung, rechts Formularfeld) oder mit einem WYSIWYG-Editor frei gestaltet werden können. Die Formularfelder können mit beliebigen Validierungsregeln belegt werden. Bei Betätigung des Submit-Buttons läuft wie oben beschrieben ein frei definierbarer Workflow an. Vorgabewerte für Formularfelder können über SQL-Queries aus einer Datenbank gelesen werden. Auf diese Weise können die meisten gängigen Formulararten ohne zusätzlichen Programmieraufwand abgepictureet werden.

Praktisch ist die eingebaute Versionierung von Texten: Alle Zwischenversionen werden in der Datenbank gespeichert und lassen sich bei Bedarf jederzeit wiederherstellen. Sollen Beiträge aus anderen Websites importiert werden – auf Neudeutsch nennt man dieses gerne Content Syndication – so wird dies wahlweise per RSS/RDF oder das so genannte Proxy-Modul, welches komplette HTML-Seiten, die auch auf fremden Servern liegen können, mittels Regulärer Ausdrücke in ihre Bestandteile zerlegen und zuvor bestimmte Bereiche aus ihnen importieren kann.

Praktisch für Redakteure ist die Möglichkeit, direkt im späteren Layout ihre Texte pflegen zu können – das Einstellen auf eine spezielle Administrationsoberfläche entfällt damit so weit wie möglich. Layouts können mit jedem beliebigen HTML-Editor gestaltet werden, wie bei ezPublish benötigt man jedoch zum Aufspielen derselben Direktzugriff auf das Dateisystem des Servers. Ein großer Vorteil ist meines Erachtens die Einfachheit der Template-Erstellung: Es muss nicht erst eine neue Template-Sprache gelernt werden, mit der sich Systemfunktionalität einbetten lässt. In der Hauptsache gibt es einen Platzhalter {CONTENT}, der den Inhalt des aktuellen Objekts abpictureet. Dabei kann ein Objekt ein Artikel oder ein Download-Archiv oder die Editormaske eines Kalenders etc. sein. Darüber hinaus gibt es Platzhalter/Blöcke für die Login-Boxen, User-Informationen, Menüebenen (wobei hier die einzelnen Ebenen an beliebiger Stelle im Template verteilt werden können), Hilfsboxen und Ähnliches. Auf diese Weise ist die Layout-Erstellung auch durch Webdesigner ohne Programmiererfahrung möglich.

Die wahren Stärken von Chairman liegen jedoch bei der Unterstützung für hochdynamische, personalisierte Intranets, Extranets und Portale. So dient es mit Hilfe des Moduls Download-Archiv auch als komplettes Dokumentenmanagement-System. Im Download-Archiv können alle erdenklichen Arten von Dokumenten hierarchisch in frei definierbare Kategorien abgelegt werden – wahlweise per Datei-Upload oder mittels bequemer Einbindung als Netzlaufwerk via WebDAV. Dank Volltextindexierung ist eine Stichwortsuche über den gesamten Dokumentenbestand möglich. Neben den gängigen Dateiformaten Word, Powerpoint, Excel, PDF u.a. ist es auch möglich, Textinhalte, die sich in einer Bilddatei befinden, zu indexieren.

Gerade für Unternehmen, die Daten aus vorhandenen ERP-Systemen in das Intranet bringen möchten, ist der Reportgenerator interessant. Mit diesem ist es möglich, Berichte aus beliebigen in einer Datenbank befindlichen Daten zu erzeugen und wahlweise im HTML-Format oder als Excel-/PDF-Datei zur Verfügung zu stellen. Natürlich können die Reports nicht nur über externe Datenbanken, sondern auch über Chairman-interne Daten laufen, wie beispielsweise Nutzerstatistiken. Zum leichteren Verständnis umfangreicher Reports können auch Diagramme erstellt werden, für deren Erzeugung das Open Source-Paket JPGraph zum Einsatz kommt (eine Serverlizenz hierfür liegt Chairman standardmäßig bei).

Ein Kalendermodul bietet echte Groupware-Funktionalität mit persönlichem Kalender, Gruppenterminkalender, Termineinladungen (wahlweise mit Bestätigungspflicht) und Dateianhängen für Termine. Die Kalenderansichten können zwischen Tages-, Monats- und Wochenansicht umgeschaltet werden. Termine können auf Wunsch nach Outlook exportiert werden (eine komplette Outlook-Synchronisation ist in Planung). Für Unternehmen mit Bedarf nach mehreren, thematisch spezialisierten Portalen sowie Agenturen, die die Erstellung von Portalen ihren Kunden anbieten, ist das Modul Portalmanager interessant. Er macht Chairman vollständig mandantenfähig: Jedes Portal kann eine eigene Domain haben und wahlweise sogar auf einem eigenen Server laufen. Weiterhin kann für jedes Portal ein Benutzer als Administrator eingerichtet werden, der dann lediglich Zugriff auf diejenigen Portalbenutzer hat, für die er zuständig ist. Es ist möglich, über alle Server/Portale hinweg die Benutzerdaten zu replizieren, sodass ein echtes Single Sign-on für die Nutzer auch über die Portalgrenzen hinaus machbar ist. Die Replikation verlässt sich dabei nicht auf die eingebauten Mechanismen in den gängigen Datenbanksystemen, sondern setzt auf SOAP über SSL, um Probleme mit Firewalls zu umgehen.

Weiterhin existieren Module zur Erstellung und Auswertung von Umfragen und Tests (mit definierbaren Punktevergaben je Aufgabe), persönliche Desktops, Linkverzeichnisse, Foren, Gästebücher, Chat und Instant Messaging, Newsletter, Content Rating, Autoresponder und ein Meilensystem.

Die meisten Software-Updates sind kostenlos – ThinkPHP finanziert diese über Auftragsarbeiten zur Modulerstellung: Beauftragt ein Kunde ein Modul, wird dies in der Regel künftig den übrigen Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt.

Chairman ist ein auf höchstmögliche Performance getrimmtes System: Pro Sekunde sind bis zu 23 Requests gleichzeitig möglich. Eine der Referenzinstallationen verwaltet 35 Kundenportale mit 24.000 Nutzern, die in 700 Nutzergruppen eingeteilt sind – und das alles auf nur einem einzigen physikalischen Intel-Server mit 1 GB RAM.

Fazit

An dem Umfang meiner Ausführungen zu den einzelnen Produkten kann man eigentlich schon ganz gut erkennen, wie komplex die jeweiligen Systeme sind: Während der Funktionsumfang von Contenido eher klein ausfällt, ist ezPublish auch für größere Website-Projekte sowie als Entwicklungsbasis für Web-Applikationen zu gebrauchen – zudem verfügt es über das ausgefeilteste Workflow-Management im Test. Chairman hingegen ist in puncto Komplexität kaum zu schlagen und bringt eine große Anzahl von Modulen mit vorgefertigter Funktionalität mit, hat seinen Schwerpunkt aber deutlich auf hochdynamischen Portallösungen und weniger auf stark redaktionslastigen Websites.

Insofern zielt Contenido sicher am ehesten auf eine Zielgruppe, die mit möglichst wenig Einarbeitungs- und Implementationsaufwand zum Ziel kommen möchte, während ezPublish eher auf Agenturen und IT-Dienstleister zielt, die ein solides Tool als Grundlage für ihre Website-Projekte suchen. Die Zielgruppe von Chairman ist am ehesten im Bereich von Großunternehmen anzusiedeln, die einen Bedarf im Bereich Intranet- oder Extranet-Portale haben. Markus Wolff ist Mitgründer und Geschäftsführer der Hamburger IT-Schmiede 21st Media, wo er hauptsächlich für die Kundenberatung und Projektleitung sowie technische Konzeption zuständig ist. Darüber hinaus engagiert er sich im Rahmen des PEAR-Projekts und ist Dozent für PHP-Workshops bei Akademie.de.

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