Work-/Life-Balance und Flexibilität wichtiger als Gehalt für Entwickler

Developer Happiness Index 2021: Erfahrene Entwickler vermissen Lernmöglichkeiten
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Die Jobplattform Honeypot hat ihren ersten Developer Happiness Index veröffentlicht. In der Umfrage wurde untersucht, welche Qualitäten einer Arbeitsstelle für Entwickler wichtig sind und wie sie diese im Augenblick für sich umgesetzt sehen. Wir schauen uns an, was die Analyse für IT-Experten in Deutschland ergeben hat.

Honeypot, eine der größten tech-fokussierten Jobplattform Europas, hat 2020 erstmals einen Developer Happiness Index erstellt, den die Firma nun veröffentlichte. Dieser zeigt auf, was Entwickler von ihrem Job und ihrem Arbeitgeber erwarten, um möglichst glücklich bei der Arbeit zu sein. Zwei der interessantesten Aspekte sind, dass das Gehalt lange nicht so wichtig ist wie eine ausgewogene Work-/Life-Balance zusammen mit Flexibilität und dass das Lernen und sich Weiterbilden im Job eine lebenslange Angelegenheit sein sollte.

Der Analyse nach sind es vor allem die Rahmenbedingungen des Arbeitslebens, die für Entwickler am wichtigsten sind, wenn es um ihre Zufriedenheit im Job geht. Darunter fallen die Work-/Life-Balance und Flexibilität, die für 73% der Befragten ausschlaggebend ist – danach folgt die Arbeitsumgebung und Unternehmenskultur mit 67%. Das Gehalt hingegen, das im deutschen Durchschnitt mittlerweile bei 50.418€ für den IT-Bereich liegt, empfindet nur knapp jeder dritte Entwickler als wichtig für seine Zufriedenheit. Im weltweiten Vergleich sehen die Zahlen mit einer Ausnahme ähnlich aus: Die internationalen Kollegen bewerten die Unternehmenskultur mit 60% nicht ganz so wichtig für ihre Zufriedenheit wie die deutschen Entwickler.

Grafik aus der Developer Happiness Studie: Was ist deutschen Entwicklern wichtig?

Sieht man sich an, inwieweit IT-Experten die für ihre Zufriedenheit wichtige Work-/Life-Balance und Flexibilität erfüllt sehen, steht Deutschland im weltweiten Vergleich eher durchschnittlich da. 38% der Teilnehmer (nur 33% bei den Teilnehmerinnen) sind in diesem Punkt zufrieden. Im Gegensatz dazu sieht es in Finnland (51%) und Kanada (47%) sehr viel besser aus. Letzteres ist überraschend, da Entwickler dort die meisten Arbeitsstunden verrichten.

Grafik aus dem Developer Happiness Index von Honeypot: Anteil der Entwickler, deren Bedürfnisse erfüllt wurden.

Lebenslanges Lernen – auch im Job

Der Wissensdurst von Junior Developern mit bis zu 2 Jahre Erfahrung in dem Bereich, ist in Deutschland enorm: 89 Prozent von ihnen gaben an, dass Lernmöglichkeiten für sie wichtig sind für ihre Zufriedenheit mit der Arbeitsstelle. Sieht man sich dazu den internationalen Vergleich an, erkennt man erst, wie außergewöhnlich das ist. Weltweit liegt dieser Prozentsatz ganze 15 Prozentpunkte darunter – bei 74%. Gleichzeitig sind die deutschen Berufseinsteiger im Schnitt auch zufriedener mit ihren Lernmöglichkeiten. Weniger als jeder Fünfte empfindet seine Lernmöglichkeiten als nicht ausreichend. International ist es etwas weniger jeder Vierte.

Bei den Möglichkeiten der Wissensaneignung sinkt die Zufriedenheit der Entwickler mit zunehmender Erfahrung. IT-Experten mit bis zu 8 Jahre Arbeitserfahrung liegen deutschlandweit betrachtet noch ungefähr auf dem gleichen Niveau an Zufriedenheit, was ihre Lernmöglichkeiten betrifft. Jeder Fünfte beschreibt hier einen Mangel. Ab 9 Jahre Erfahrung als Entwickler scheint dann aber eine Vernachlässigung dieser Wünsche seitens der Arbeitgeber einzutreten. Mehr als jeder Vierte von ihnen ist unzufrieden mit dem Angebot an Fort- und Weiterbildungen, Trainings oder Konferenzen. Am unzufriedensten mit dem Angebot sind die erfahrensten Entwickler. Für die Umfrage sind das alle Programmierer mit mehr als 20 Jahre Berufserfahrung. In dieser Gruppe gibt es auch den gravierendsten Unterschied im internationalen Vergleich: In Deutschland sind 36% der erfahrensten Developer unzufrieden mit den Lernmöglichkeiten. International sind es nur 24%. Die Gründerin von Honeypot, Emma Tracey, bewertet das Ergebnis in der Umfrage folgendermaßen: „Das ist ein Punkt an dem deutsche Unternehmen dringend nachbessern müssen und sollten – schließlich ist es extrem gefährlich und kostspielig erfahrene Angestellte aus solchen Gründen zu verlieren.“

Grafik aus dem Developer Happiness Index von Honeypot: Lernmöglichkeiten aufgeführt nach Arbeitserfahrung der Entwickler

Die Methodik

Honeypot befragte zwischen Dezember 2019 und Februar 2020 weltweit rund 4000 Entwickler aus 98 Ländern über eine Online-Umfrage. Die Teilnehmer wurden gebeten, 20 Indikatoren aus 4 Kategorien (Karriere, Lebensqualität, soziale Freiheit und Gemeinschaft) nach Priorität und nach der Zufriedenheit mit ihnen zu bewerten.

Wer sich für tiefergehende Details, bspw. zur Zufriedenheit mit Gehalt oder Geschlechtergerechtigkeit interessiert, kann sich den frei zugänglichen Happiness Index auf der Webseite von Honeypot anschauen.

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