Interview mit Thomas Maas, CEO von freelancermap

Freelancer in der IT: Die Trends für 2020
Keine Kommentare

Die Job-Beschreibung klingt verlockend: Nicht mehr angestellt sein, sondern frei entscheiden können, was, wo, wann gemacht wird. Dennoch birgt die Selbständigkeit auch einige Risiken. Wir sprachen mit Thomas Maas, CEO von freelancermap, über verschiedene Gehaltsfaktoren für Freiberufler. Er erläutert zudem, welche Skills für freischaffende Softwareentwickler 2020 besonders wichtig sind und gibt wertvolle Tipps und Tricks für alle, deren Traumberuf „Freelancer“ heißt.

Entwickler.de: Hallo Thomas Maas, das Jahr 2019 ist vorüber. Grund genug für viele Entwickler, sich über einen Karrierewechsel Gedanken zu machen. Natürlich ist da die Idee, als Freelancer zu arbeiten durchaus interessant. Welche Skills werden 2020 denn gefragt sein?

Thomas Maas: Nachdem wir über eine Million Suchanfragen ausgewertet haben, sehen wir ganz klar einen verstärkten Trend zu Java. Zu Beginn standen viele Entwickler dem neuen Oracle Lizenzmodell sowie dem Releasezyklus recht kritisch gegenüber. Mittlerweile haben sich die Sorgen jedoch als unbegründet erwiesen, so dass sich die Beliebtheit von Java im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hat. JavaScript wird 2020 ebenfalls stark gefragt sein, die Programmiersprache wurde dieses Jahr 95 Prozent häufiger gesucht als noch 2018. Auch Python wird immer relevanter. Bei den Soft Skills betrachten selbstständige IT- und Engineering-Experten laut Freelancer-Kompass 2019 Kommunikationsfähigkeit als ihre wichtigste Fertigkeit. Langfristig etabliert sich als Freelancer aber nur, wer auch ein hohes Maß an Disziplin und Eigenmotivation hat.

Entwickler.de: Wie stehen denn die Chancen darauf, als Freelancer erfolgreich zu sein? Ist der Markt übersättigt, oder ist der Bedarf nach wie vor vorhanden?

Thomas Maas: Die genaue Zahl der selbständigen IT-Experten in Deutschland ist nicht bekannt, aber nach Schätzungen von Jonas Lünendonk, dem geschäftsführenden Gesellschafter des Marktforschungsinstituts Lünendonk & Hossenfelder, bewegen wir uns in dem Bereich zwischen 100.000 und 120.000 Freelancern im IT-Sektor. Rechnet man den Anteil der selbständigen IT-Spezialisten auf die Gesamtzahl der Erwerbstätigen in der Branche hoch, sind zwölf bis dreizehn Prozent als freie Experten tätig. Wir sehen ganz klar einen steigenden Bedarf an IT-Fachkräften, denn aktuell sind 124.000 Positionen in diesem Sektor unbesetzt. Innerhalb von zwei Jahren hat sich diese Zahl laut Bitkom mehr als verdoppelt, allein von 2018 auf 2019 kamen noch mal 42.000 offene Stellen dazu! Der Markt ist also auf keinen Fall übersättigt, ganz im Gegenteil, die Nachfrage war noch nie so stark wie jetzt.

Langfristig etabliert sich als Freelancer aber nur, wer auch ein hohes Maß an Disziplin und Eigenmotivation hat.

Entwickler.de: Mit welchem Verdienst kann man als Freelancer in der IT-Branche derzeit je nach Fähigkeiten und Erfahrung denn rechnen?

Thomas Maas: In den letzten Jahren stiegen das Einkommen der IT-Freelancer in DACH stetig an, auch für 2020 sehen wir diesen Aufwärtstrend. Selbstständige im SAP-Bereich können mit bis zu 115 Euro pro Stunde rechnen, das ist eine Steigerung um ca. 2,6 Prozent im Vergleich zu 2019. Zieht man Wochenenden, Feiertage, Urlaub sowie Krankheitstage und Weiterbildungen ab, so arbeiten SAP-Spezialisten im Schnitt 168 Tage jährlich. Im kommenden Jahr können sie dabei ein durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von 155.000 Euro verdienen. Im Bereich IT-Infrastruktur wird der Stundensatz ebenfalls auf bis zu 90 Euro ansteigen. Freie Infrastruktur-Spezialisten arbeiten dabei auf das Kalenderjahr verteilt ca. neun Tage weniger als Selbstständige im SAP-Bereich und werden sich 2020 über bis zu 114.000 Euro als Bruttojahreseinkommen freuen. Der Stundensatz selbstständiger Entwickler steigt laut unserer Prognose auch 2020 weiter auf bis zu 84 Euro pro Stunde, so dass sie bei einem Tagessatz von 670 Euro bis zu 108.000 Euro brutto pro Jahr verdienen können. Von dem jeweiligen Bruttoverdienst müssen dann natürlich noch Sozialversicherung, Einkommens- und Umsatzsteuer, Rücklagen fürs Alter sowie Arbeitsmaterialien abgezogen werden.

Entwickler.de: Hast du ein paar Tipps, die den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern?

Thomas Maas: Es ist wichtig, sich ein gewisses finanzielles Polster anzusparen, bevor man den Sprung in die Selbstständigkeit wagt. So kann man anfängliche Anlaufschwierigkeiten gut ausgleichen. Das Geschäft – auch als Freelancer – braucht oft eine Weile, um an Fahrt aufzunehmen. Statt sich ständig Gedanken um die eigene Existenz machen zu müssen, können sie sich darauf konzentrieren, ihr Netzwerk aufzubauen und Aufträge zu gewinnen. Genauso notwendig ist es, als Freelancer seine Nische zu finden und diese dann auch zu besetzen. Wie hebt man sich von der Konkurrenz ab? Welche Top-Skills kann man vorweisen? Selbstständige müssen sich klar positionieren, um ihren eigenen USP glaubhaft nach außen zu tragen – also quasi ihre eigene Marke aufbauen. Frischgebackene Freelancer dürfen auch den Wert eines gut gepflegten sozialen Netzwerks nicht unterschätzen. Wenn freie Experten auf den gängigen Plattformen ihre Profile aktiv bespielen, platzieren sie sich dadurch auf dem Radar von potenziellen Auftraggebern. Um die geschäftliche Seite der Selbstständigkeit gut stemmen zu können, hilft ein Businessplan, in dem Freelancer ihre Geschäftsidee kurz zusammenfassen und einen Überblick über strategisch und operative Ziele geben. Mein letzter Tipp: Einen Steuerberater engagieren! Der bürokratische Dschungel kann – vor allem am Anfang – überwältigend sein. Bei Versicherungsfragen sowie rechtlichen und steuerlichen Problemen, erweist sich ein kompetenter Steuerberater oft als unentbehrliche Stütze.

Der Markt ist auf keinen Fall übersättigt, ganz im Gegenteil, die Nachfrage war noch nie so stark wie jetzt.

Entwickler.de: Ein Thema, dass derzeit häufig zu lesen ist, ist die sogenannte Scheinselbstständigkeit. Was ist darunter zu verstehen?

Thomas Maas: Erwerbstätige sind dann scheinselbstständig, wenn sie die rechtlichen Voraussetzungen eines Festangestellten erfüllen, obwohl sie eigentlich freelancen. Die Kriterien für Scheinselbstständigkeit legt die Clearingstelle der Deutschen Rentenversicherung fest. Ist z.B. ein freier Experte seinem Auftraggeber gegenüber weisungsgebunden oder fest in dessen Arbeitsprozesse eingebunden, so könnte er scheinselbstständig sein. Um dieser Falle zu entgehen, sollten Freelancer ihre Tätigkeiten, Präsenzzeit und so weiter klar im Vertrag mit dem Auftraggeber abstecken – so bestimmen sie selbst die Rahmenbedingungen ihrer ordnungsgemäßen Beschäftigung. Remote zu arbeiten ist ein guter Trick, um sich von Kernarbeitszeiten im Unternehmen etc. freizumachen. IT-Experten sind laut Freelancer-Kompass 2019 am liebsten vor Ort im Unternehmen tätig, deshalb geraten sie häufiger als andere freie Spezialisten in den Verdacht, scheinselbstständig zu sein. Ein weiterer Tipp: Niemals nur auf einen Auftraggeber setzen! Wer seinen Umsatz mit mehreren Kunden erwirtschaftet, schützt sich vor der Abhängigkeit von einem einzelnen Projektgeber. Rutschen freie Experten doch in die Scheinselbstständigkeit ab, drohen nämlich sowohl Freelancern als auch Unternehmen hohe Beitragsnachzahlungen. In unserer Studie haben wir Freelancer gefragt, was die Politik für Selbstständige tun muss – die häufigste Antwort war „die Scheinselbstständigkeit abschaffen“. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales plant für 2020 eine Vereinfachung des Feststellungsverfahrens zur Selbstständigkeit – in meinen Augen ist das ein wichtiger Schritt in Zeiten von New Work, um Freelancer zu unterstützen und so die komplette Wirtschaft zu beleben.

Entwickler.de: Danke für das Interview!

Bevor Thomas Maas 2011 als Projektleiter bei freelancermap einstieg, war er bei Immowelt unter anderem im Produktmanagement tätig. Sein beruflicher Werdegang begann mit einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Dort stellte er fest, dass er nicht nur Spaß am Verkaufen hatte, sondern vor allem daran mit Menschen zu reden und diese von seinen Ideen zu überzeugen. Seine Vorliebe für das Internet entfaltete sich dann im anschließenden Studium der Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Da Maas schon immer im technischen Bereich tätig war und selbst als Freelancer für Firmen Webseiten baute, festigte sich bei ihm schnell der Wunsch, webbasiert zu arbeiten. Heute setzt er sich als CEO von freelancermap mit großer Leidenschaft dafür ein, dass sich auf der Plattform professionelle Freelancer, Freiberufler, Selbstständige und Unternehmen für die Arbeit an spannenden Projekten zusammenfinden können.
Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -