Interview mit Kara Sprague

Girls Who Code: „Jede/r kann das Programmieren lernen“
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Dass Frauen in der Tech-Branche noch immer unterrepräsentiert sind, ist eine traurige Tatsache. Doch mittlerweile tut sich an vielen Stellen etwas: So findet im Oktober in Deutschland und vielen weiteren Ländern der Welt die CodeWeek statt. Wir haben mit Kara Sprague, Vorstandsmitglied bei Girls Who Code sowie Executive Vice President und General Manager bei F5, darüber gesprochen, warum heute jede/r programmieren können sollte. Zudem gibt sie einige interessante Hinweise, Tipps und Tricks, wie man selbst den Schritt hin zum Entwickeln machen und sich dahingehend engagieren kann.

JAXenter: Hallo Kara und danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast! Zunächst einmal: Was genau ist die CodeWeek und in welcher Form bist du daran beteiligt?

Kara Sprague: Die EU CodeWeek wurde 2013 ins Leben gerufen und möchte als Breiteninitiative der Bevölkerung das Programmieren und digitale Kompetenzen auf ansprechende Weise näherbringen. Unterstützt wird sie von der Europäischen Kommission und in Deutschland von einem Team aus ehrenamtlichen Botschafter/innen. In Deutschland sowie über 80 inner- und außereuropäischen Ländern findet die CodeWeek vom 10. bis 25. Oktober 2020 statt. Dabei kommen Millionen Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Eltern, Lehrkräfte, Unternehmer und Politiker bei Veranstaltungen online und offline zusammen, um mit digitalen Technologien kreative Projekte umzusetzen.

Als Vorstandsmitglied von Girls Who Code bin ich besonders daran interessiert, die Geschlechterparität in der Technologie zu erreichen. Die Organisation führt zum Beispiel Sommerprogramme durch und sponsert weltweit Clubs, die Mädchen das Programmieren beibringen. Daher unterstützen wir das Anliegen der CodeWeek.

JAXenter: Kannst du unseren Lesern vielleicht ein wenig von deinen eigenen Erfahrungen mit dem Programmierung berichten?

Die Softwareentwicklung verändert alle Branchen nachhaltig.

Kara Sprague: Ich war etwa zehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit Programmierung in Kontakt kam. Mein Vater gab mir aus einem Buch Seiten mit BASIC-Befehlen, die wir dann in einen Computer tippten, um Bilder von Fraktalen zu erzeugen. Das hat meine Fantasie wirklich beflügelt! Ich begann, Muster in den Befehlen zu suchen und meine eigenen Anpassungen vorzunehmen. Man konnte zum Beispiel die Farbe ändern, die Skalierung jeder folgenden Rekursion oder die Anzahl der Rekursionen. Damals begann ich, die Macht der Programmierung zu verstehen, mit der man jedes beliebige Design erschaffen kann.

Im Laufe der Jahre gewann ich durch verschiedene Übungen an Schulcomputern und durch das Ausprobieren am PC meiner Familie immer mehr Erfahrung. In meinem letzten Jahr an der High School besuchte ich zudem einen Programmierkurs.

Ursprünglich wollte ich am College Politikwissenschaft studieren. Aber als ich am Massachusetts Institute of Technology aufgenommen wurde und von anderen technikbegeisterten Menschen umgeben war, entschied ich mich stattdessen für ein Studium der Elektrotechnik und Informatik. Während dieser Zeit absolvierte ich auch mehrere Praktika in Technologie-Unternehmen, darunter Hewlett-Packard und Agilent Technologies. Nach meinem Abschluss kam ich als Mitglied des technischen Personals zu Oracle und entwickelte Software für ein Middleware-Produkt.

JAXenter: Warum ist Softwareentwicklung insbesondere für junge Menschen so wichtig?

Kara Sprague: Die Softwareentwicklung verändert alle Branchen nachhaltig. Schaut euch zum Beispiel an, was Unternehmen wie Uber und Lyft im Transportbereich erreicht haben. Oder wie Airbnb das Gastgewerbe beeinflusst hat – oder Amazon den Einzelhandel. Die Technologie hat heute enorme Auswirkungen und führt zu tiefgreifenden Veränderungen. Deshalb ist es wichtig, dass junge Menschen diese nicht nur richtig einschätzen, sondern auch die Fähigkeit entwickeln, daran mitzuwirken.

JAXenter: Welche falschen Vorstellungen haben die Menschen von der Programmierung selbst sowie von ihrer eigenen Fähigkeit, entsprechende Fähigkeiten zu entwickeln?

Kara Sprague: Der typische Programmierer wird in vielen Medien als Mann dargestellt, der allein im Dunkeln arbeitet – und nur wenig sozial orientiert ist. Ich glaube nicht, dass diese Art von Darstellung für einen großen Teil der angehenden Informatiker/innen sehr ansprechend ist. Zudem stimmt sie nicht!

In Wirklichkeit ist eine ganze Reihe von Aktivitäten nötig, um eine erfolgreiche Technologie oder ein erfolgreiches Softwareprodukt auf den Markt zu bringen. Dazu gehören eine breite Palette an Fertigkeiten sowie viele verschiedene Arten von Jobs und Aufgaben, die alle auf einem Verständnis für Programmierung sowie der Leidenschaft zur Erschließung des Potenzials der Technologie beruhen.

JAXenter: Welchen Rat gibst du jemandem, der lernen will zu programmieren?

Mein wichtigster Rat an diejenigen, die Programmieren lernen möchten: Bleibt dran!

Kara Sprague: Ich empfehle, einfach anzufangen. So gibt es viele kostenlose Online-Angebote zur Aus- und Weiterbildung von verschiedenen Organisationen. Doch mein wichtigster Rat an diejenigen, die Programmieren lernen möchten: Bleibt dran! Wie bei den meisten Kompetenzen sammelt sich das Wissen im Laufe der Zeit an. Je mehr man investiert, desto mehr Lernerfolg kommt heraus. Dabei kann grundsätzlich jede/r das Programmieren lernen.

JAXenter: Wie kamst du zu Girls Who Code?

Kara Sprague: Ich kam in Kontakt zu Girls Who Code, als ich bei McKinsey war und sie um Hilfe bei ihrer Strategie gebeten haben. Damals waren sie eine der am schnellsten wachsenden gemeinnützigen Organisationen in den USA und auch als eine der innovativsten anerkannt.

Ihre Mission fand bei mir großen Anklang. Also ergriff ich die Gelegenheit, sie kostenlos zu unterstützen. Im Jahr 2016 wurde ich eingeladen, dem Vorstand beizutreten. Meine Arbeit bei ihnen besteht in erster Linie darin, sie in Wachstumsfragen zu beraten und zu ermitteln, mit welcher Art von Programmen sie ihre Wirkung verstärken können. Ihr Ziel ist es, innerhalb dieses Jahrzehnts Geschlechterparität in Technologieberufen zu erreichen. Für mich und so viele andere ist dies eine wirklich spannende und wichtige Aufgabe.

JAXenter: Wie hat die Organisation dazu beigetragen, den Wandel voranzutreiben?

Kara Sprague: Girls Who Code startete 2012. Die ersten Mädchen, die das Programm durchliefen, schlossen in den Jahren 2016 und 2017 das College ab. Durch eine Kombination aus Unterricht, Sensibilisierungsinitiativen und Lobbyarbeit ist Girls Who Code heute für einen großen Teil der Frauen verantwortlich, die in die Welt der Technologie eintreten. Die Organisation hat einen großen und wichtigen Einfluss dabei, die Vielfalt in der Technologiebranche zu erhöhen.

JAXenter: Was kann die Branche im weiteren Sinne tun?

Girls Who Code hat einen großen und wichtigen Einfluss dabei, die Vielfalt in der Technologiebranche zu erhöhen.

Kara Sprague: Ich freue mich, dass einige Länder Informatik in ihre Lehrpläne für Kinder aufgenommen haben. Das ist eine wichtige Unterstützung für ihre Technologiesektoren und die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Außerhalb der formellen Lehrpläne gibt es in der gesamten Technologiebranche und im gemeinnützigen Sektor viele Aktivitäten, um junge Menschen zu qualifizieren, wobei der Schwerpunkt auf unterrepräsentierten Gruppen liegt. Es ist entscheidend, dass alle Kinder die Möglichkeit erhalten, das Programmieren zu lernen. Um eine gerechtere Zukunft zu sichern, müssen wir vielfältige Talente fördern, die sich innerhalb von Technologie-Unternehmen weiterentwickeln und auszeichnen können. Programmierung und Technologie sind heute für die globale Wirtschaft – und das Leben im Allgemeinen – so wichtig, dass jede/r die Möglichkeit zur Teilnahme erhalten sollte.

JAXenter: Wie unterstützt F5 die Fähigkeit zu programmieren?

Kara Sprague: F5 verfügt über eine große Entwicklungsabteilung mit fast 2.000 Mitarbeitern – die überwiegende Mehrheit davon sind Software-Programmierer. Sie besitzen für unsere künftige Entwicklung als Unternehmen eine enorme Bedeutung. Zusätzlich verfolgt F5 mehrere gemeinnützige Initiativen wie unser Global-Good-Programm, das die MINT-Ausbildung unterprivilegierter Jugendlicher unterstützt.

Kara Sprague ist Executive Vice President und General Manager bei F5 sowie Vorstandsmitglied bei Girls Who Code.
 
 
 
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