Karriere

Interview mit Christine Böttcher, Leitung Personal, QAware GmbH

Entwickler gesucht? Es mangelt an Informatik-Absolventen
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In Deutschland werden händeringend Entwickler gesucht. Die Unternehmen und Agenturen können kaum noch ihre offenen Stellen besetzen. Wie finden also Entwickler und Unternehmen zueinander? Welche Qualifikationen werden wirklich gesucht? Wir haben diesmal bei der auf Software Engineering spezialisierten QAware GmbH in München nachgefragt.

Neue Wege aus dem Fachkräftemangel sind gefragt, um auf dem leergefegten Arbeitsmarkt geeignete Bewerber zu finden. Wir Fragen bei den Personalverantwortlichen in den Agenturen und Unternehmen nach, mit welchen kreativen Lösungen, die Entwicklerstellen besetzt werden können. Diesmal haben wir mit Christine Böttcher, Leiterin Personal bei der QAware GmbH, dazu gesprochen.

Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom bleiben IT-Jobs im Schnitt fünf Monate vakant, weil es in Deutschland einen eklatanten IT-Fachkräftemangel gibt. Insbesondere Entwickler sind kaum noch zu finden. Wie sind Ihre aktuellen Erfahrungen dazu?

Christine Böttcher: Es gibt spürbar zu wenig Informatik-Absolventen. Deshalb setzen wir uns zum Beispiel mit unserem Schülerstipendium und verschiedenen Coding-Workshops dafür ein, dass Jugendliche die Informatik als attraktives Berufsfeld erleben.

Wir möchten nachhaltig wachsen und planen bewusst eine eher kleine Anzahl von Neueinstellungen. Aber auch diese aktuell 10-12 neuen Kolleginnen oder Kollegen wollen aktiv gefunden und von uns als Arbeitgeber begeistert werden. Das passiert zunehmend bei Recruitingevents. Neben dem Gehalt sind für die Bewerber heute vor allem spannende Projekte, Weiterbildungsmöglichkeiten und besonders die erlebte Kultur entscheidend.

In welchen Bereichen suchen Sie Software-Entwickler und welche Qualifikationen (Programmiersprachen) werden in der letzten Zeit besonders von Ihrem Hause gesucht?

Christine Böttcher: Uns treibt die Leidenschaft IT-Probleme abzustellen und coole neue Lösungen zu entwickeln. Deshalb analysieren und renovieren wir die bestehenden Systemlandschaften unserer Enterprise Kunden oder erfinden und bauen für sie neue IT-Systeme mit den neuesten Technologien. Wer Knowhow in der Microservice Entwicklung, Front- und Backendentwicklung oder Domain-driven Design im Enterprise-Umfeld mitbringt, ist deshalb genau richtig bei uns. Genauso herzlich willkommen sind DevOps-Expertise und Erfahrung mit Technologien aus dem Ökosystem der Cloud Native Computing Foundation. Java und zunehmend Javascript und Go sind die aktuell für uns besonders relevanten Sprachen.

Noch wichtiger als die Qualifikation ist uns aber der Cultural Fit, der sich für uns zum Beispiel in Aufrichtigkeit, Erfindergeist und wertschätzendem Umgang ausdrückt.

Wie gehen Sie mit Bewerbern um, die kein Studium und keine Ausbildung vorweisen können, aber eine nachweisbare Expertise als Entwickler im praktischen Selbststudium erreicht haben?

Christine Böttcher: Ein solides Fundament in Informatik und Software Engineering ist bei uns wichtig, ein formaler Universitätsabschluss nicht. Wir freuen uns also auch über Autodidakten, die sich ihr Wissen und Fähigkeiten in anspruchsvollen Online-Kursen erarbeitet haben. Gute Grundlagen zum Beispiel von Algorithmen und Datenstrukturen sind uns im Zweifel wichtiger als spezifische Kenntnisse in einer einzelnen Programmiersprache.

Wir stellen immer wieder auch QuereinsteigerInnen ein, zum Beispiel aus der Mathematik oder Physik. Für sie setzen wir dann eine individuelle Ausbildung parallel zur Projektarbeit auf. Unsere Kapazitäten für eine so intensive Einarbeitung sind aber leider begrenzt.

Wie finden Sie geeignete Softwareentwickler? Läuft das Recruitment hauptsächlich über Personaldienstleister oder nutzen Sie alternative Ansprachemöglichkeiten wie Messen und firmeneigene Events?

Christine Böttcher: Wir gewinnen passende Talente inzwischen hauptsächlich über eigene und externe Recruitingevents, Kooperationen mit Hochschulen und unsere Meetups. Einige kommen auch über die Auszeichnung unserer Arbeitsplatzkultur durch Great Place to Work oder über Plattformen wie kununu zu uns.

Gehen Sie auch aktiv auf IT-Fachkräfte aus dem Ausland zu, oder konzentrieren Sie sich bei der Bewerberakquise in erster Linie auf den deutschen Bewerbermarkt?

Christine Böttcher: Unser Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Bewerbermarkt, aber Menschen aus allen Nationen sind uns willkommen. Wenn jemand tolle Informatik- und Software Engineering Skills mitbringt, aber noch nicht Deutsch spricht, ist auch eine sprachliche Individualausbildung machbar. Near- oder Offshoring gibt es bei uns nicht.

Laut der zitierten Bitkom-Studie beklagen viele Unternehmen zu hohe Gehaltsvorstellungen der Bewerber. Eine Frage daher noch zum Schluss: Wie oft kommt es wirklich vor, dass Sie Software-Entwickler aus dem IT-Markt wegen „überzogener“ Gehaltsvorstellungen ablehnen müssen?

Christine Böttcher: Für die meisten BewerberInnen hängt die Entscheidung am Gesamtpaket. Bei uns gehören dazu neben dem Gehalt zum Beispiel im Durchschnitt neun Tage Weiterbildung, eine Resilienzinitiative, flexible Arbeitszeiten, Home-Office, anspruchsvolle Projekte und eine wertschätzende Kultur. Natürlich kommt es gelegentlich vor, dass sich Menschen für ein anderes Angebot entscheiden, aber die Anzahl hat über die letzten Jahre nicht zugenommen.

Entwickler: Vielen Dank für dieses Interview!

Christine Böttcher ist Leiterin Personal bei der QAware GmbH. Nach ihrem dualen Studium der Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Personal und Marketing war sie Key Account Managerin bei einer Online-Marketing-Agentur. 2016 ist sie zunächst als Leitung Marketing und Kommunikation bei QAware eingestiegen und hat im letzten Jahr die Personalleitung übernommen. Ihr Herz schlägt besonders für die Themen Employer Branding und Organisationsentwicklung.
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M. Kanister
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Dieses Thema wird sehr einseitig angegangen. Ein „Fachkräftemangel“ ist in der IT nur bei Exoten zu finden – Data Scientists oder Machine-Learning-Spezialisten. Bei den Entwicklern ist es eher ein Problem der Übereinstimmung zwischen Angebot und Nachfrage. PHP ist aus der, Angular2 gerade in Mode. Zudem sind nicht nur Unis gefragt, sondern auch die Unternehmen selbst, auszubilden.

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