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Kolumne: Karrieretipps

Kununu und Co. – Wie erkennt man einen attraktiven Arbeitgeber?
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Social Media und Empfehlungsportale sind Fluch und Segen zugleich. Unternehmen kommen um eine professionelle Onlinereputation und eine ständige Präsenz im Internet nicht mehr herum. Käufer orientieren sich an Produktempfehlungen und Rezensionen. Genauso informieren sich Bewerber heute in Onlineportalen wie kununu oder glassdoor über die Erfahrungen von anderen Bewerbern sowie aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern über den potenziellen neuen Arbeitgeber.

Selig sind die Unternehmen, die bei kununu als Top-Arbeitgeber gelistet sind, denn sie wissen, dass sie offensichtlich alles richtig machen. Verdammt sind solche, die sich mit einer 3-Sterne-Bewertung oder schlechter als unattraktiv in den Bewertungsportalen präsentieren. Aber liegt mein Schicksal wirklich in den Sternen? Können diese Sterne wirklich nicht lügen? Sind sie so verlässlich wie mein Horoskop oder vielleicht doch nur Resultat eines gut initiierten Personalmarketings meines Wunscharbeitgebers?,

Wie immer sind Empfehlungen im Internet – egal ob gut oder schlecht, egal ob für ein Produkt oder für einen Arbeitgeber – zunächst genau zu analysieren. Wer schreibt hier was? Schauen wir uns dazu mal einige echte Beispiele von kununu an – aus Gründen des Datenschutzes natürlich ohne Angabe des Unternehmens.

3 Sterne

Beispiel 1: Unternehmen A, Bewertung eines Ex-Mitarbeiters aus dem Bereich IT

Arbeitsatmosphäre OK die riesigen Großraumbüros sind nicht das Gelbe vom Ei, aber wenn die Kollegen cool sind macht das Arbeiten trotzdem Riesen Spaß und man hat auch mit den Kollegen ein wenig „Entertainment“ während der Arbeit (Bürostuhlrennen o.ä.)
Arbeitsbedingungen Technik und Ausstattung sind dem vorzeige „IT Unternehmen“ …nicht mehr angemessen. Da geht mehr und vor allem besser!
Umweltbewusstsein Toner-Stäube in Druckerräumen auf dem Boden verteilen ist nicht unbedingt Umwelt- und sozialbewusst, das sich aber dann keiner um die Entfernung kümmert ist nicht wirklich gesund für die Mitarbeiter! Das viele Dinge auch per Mail erledigt werden können anstatt per Brief wäre durchaus hilfreicher und positiver für die ÖKO Bilanz.
Image Fristlose Kündigungen und Entlassungen an der Tagesordnung. Einsparungen gerade an „neuen MA“ die noch kündbar sind…
Fazit Umgang mit neuen MA, Kündigungen ohne Vorankündigungen und ohne Angabe von Gründen. … außerdem das Parkhaus ist überfüllt. … und 95 Euro ist einfach zu teuer pro Monat!

4,23 Sterne

Beispiel 2: Wieder Unternehmen A, Bewertung eines aktuell dort angestellten IT-Mitarbeiters.

Arbeitsatmosphäre Nette Kollegen, komplette Ausstattung mit Arbeitsmitteln
Arbeitsbedingungen Spannende Projekte -es wird selten wirklich langweilig
Umweltbewusstsein Keine Angabe
Kommunikation Recht viel Einzelkämpfertum
Fazit …Etwas mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit wäre schön…
Pro: Die interessanten auch internationalen Projekte, den Zusammenhalt unter den Kollegen
Contra: Die Unübersichtlichkeit der Organisation

3,38 Sterne

Beispiel 3: Erneut Unternehmen A, Bewertung eines aktuell angestellten Mitarbeiters aus dem Bereich Sonstiges.

Vorgesetztenverhalten Chef schon 2 Jahre nicht gesehen.
Arbeitsbedingungen Jeder schaut nach sich selber. Wenige treten mal für Kollegen ein…Telefonie schlechte Sprach und Verbindungs Qualität Großraumbüro eng. Nicht mehr zeitgemäß. Da ausschließlich telefonieren… Lautstärke sehr störend
Umweltbewusstsein Keine Angabe
Kommunikation Wenig. Viel in Fremdsprache. Viel Organisation. Viel Hype.
Fazit Pro: Große Firma
Contra: Komplizierte Vorschriften. Unterschiedliche Verfahren. Man findet nicht mehr was man benötigt. Keine Kompetenz der Vorgesetzten mehr. Alles läuft über 2 Etagen. Die Mitarbeiterbenefit Einkaufsprogramme sind ein Witz. Im Internet findet man immer bessere Angebote von deutschen Händlern.

Und nun? Was tun, wenn man bei diesem Unternehmen eine interessante Position entdeckt hat? Wie bewertet man all diese schlechten Erfahrungen, von denen es noch mehrere hundert weitere gibt? Zwischendrin finden sich natürlich auch ein paar 4-5-Sterne-Bewertungen, aber insgesamt nicht mehr als 3,3 Sterne? Lohnt sich eine Bewerbung hier überhaupt?

Nehmen wir mal ein anderes Unternehmen unter die Lupe.

5 Sterne

Beispiel 4: Unternehmen Y, Bewertung eines aktuell in der Verwaltung angestellten Mitarbeiters.

Vorgesetztenverhalten Mitarbeiter werden konkret in Entscheidungen mit einbezogen. Realistische Ziele werden gesetzt.
Arbeitsatmosphäre Die gute Arbeitsatmosphäre ist geprägt durch starke Mitarbeiterförderung und Entwicklungschancen. Motivation durch zahlreiche Teambuildingmaßnahmen und Beförderungen
Gleichberechtigung Die Frauenquote in der Beratung speziell bei uns ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Das liegt zum Teil an vielen Innovationen zum Beispiel bei der Rückkehr nach Elternzeit. Auch viele Initiativen wie…helfen uns dabei, unsere Werte und den respektvollen Umgang mit- und untereinander zu bewahren. Hierfür wurde eigens für die Frauen im Unternehmen eine Vertrauensperson ernannt. In regelmäßigen Meetings findet ein Austausch der weiblichen Mitarbeiter statt.
Work Life Balance Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit an 24 Tagen im Jahr im Home Office zu arbeiten. So lässt sich Beruf und Alltag prima mit einander vereinbaren. Auch sportliche Aktivitäten werden gefördert.
Fazit Motivation und Mitarbeiterförderung werden bei uns gelebt. Mit regelmäßigen Teambuildingmaßnahmen, Beförderungen und jährlichen Gehaltserhöhungen werden diese Faktoren nur noch gestärkt. Viele Benefits wie flexible Arbeitszeiten, Kinderbetreuung, Kantine, Mitarbeiterrabatte, Mitarbeiter-/Familienfeste, Betriebsarzt und vieles mehr werden angeboten.

Hier erkennt der kritische Leser gleich den Personaler/Marketingvertreter. Diese Bewertung ist identisch mit den Informationen auf der Website, also keine subjektive Bewertung, wenngleich nicht auszuschließen ist, dass es Mitarbeiter in diesem Unternehmen gibt, die tatsächlich alles toll finden.

3,23 Sterne

Beispiel 5: Wieder Unternehmen Y, Bewertung einer ehemaligen Mitarbeiterin aus der Consultingsparte.

Vorgesetztenverhalten Hohes Hierarchiedenken, keiner gönnt dem anderen was, viele politische Spielchen, Beförderung alles andere als transparent
Arbeitsatmosphäre Das Team ist super, der einzige Grund da zu arbeiten
Gleichberechtigung Es fällt schon auf, dass es bisher keine Frau in der Chefetage gibt.
Work Life Balance Theoretisch ist Home Office möglich, praktisch nur dann, wenn es zum Projekt passt. Es gibt einige, die können fast jede Woche einen Tag im Home Office sein, andere schaffen, das vielleicht 3x im Jahr. Dazu Reisezeiten, Überstunden, Druck, Druck, Druck
Fazit Viel heiße Luft, bei mir ist nach 2 Jahren die Luft raus, die Bezahlung ist auch unter Durchschnitt, da findet man besseres.

4,8 Sterne

Beispiel 6: Erneut Unternehmen Y, Bewertung eines internen IT-Mitarbeiters.

Vorgesetztenverhalten Habe einen super Chef in Amerika, mit dem ich 2x im Monat telefoniere, ansonsten kann ich ganz frei arbeiten
Arbeitsbedingungen Neueste technische Ausstattung, schönes Büro, Möglichkeiten zum Home Office Arbeiten, eigentlich fällt mir nichts Schlechtes ein.
Arbeitsatmosphäre Viel Arbeit, klar, aber man geht auch mal mit den Kollegen einen trinken, einmal im Jahr gibt es ein großes Teamevent
Work Life Balance Für mich ok, Überstunden fallen natürlich an und können auch nicht ausgeglichen werden, vielleicht der einzige Kritikpunkt
Fazit Ein super Arbeitgeber, sicher ist nicht alles perfekt, aber es macht Spaß mit den Leuten dort zu arbeiten

Fazit

Welche Konsequenzen zieht man nun aus all den unterschiedlichen Bewertungen? Wie geht man vor, wenn man herausfinden will, ob man bei einem Jobwechsel in dem neuen Unternehmen gut aufgehoben ist und letztlich das findet, was man sucht?
Zuerst muss man sich dazu selbst die Fragen beantworten:

  • Was suche ich eigentlich?
  • Was ist mir wichtig?
  • Wann macht ein Jobwechsel für mich Sinn?
  • Wo fühle ich mich wohl?
  • Was demotiviert mich?
  • Wie stelle ich mir meine/n Chef/in vor?

Ähnlich wie beim Kauf eines technischen Geräts, bei dem man vor allem die wichtigsten Kriterien vergleicht und nicht nur das Gesamturteil, geht man auch beim Lesen der Onlinebewertungen für Arbeitgeber vor. Man sucht sich das raus, was einem selbst wichtig erscheint. Man filtert dazu bei kununu z. B. nach Bewerber- oder Mitarbeiterbewertung, nach Unternehmensbereich (z. B. Administration, Verwaltung, IT etc.) sowie nach Kategorie (Pro, Contra, Vorgesetzte, Gehalt, Arbeitsbedingungen etc.) und Standort. Interessant ist dabei auch, ob das Unternehmen sich die Mühe macht, auf Kritik professionell zu antworten. Denn die Kritik auf Onlinebewertungsportalen kann für Unternehmen auch eine echte Chance für Veränderung bieten. Nun neigt man als Bewerber oft dazu, sich vor allem auf die negativen Bewertungen zu konzentrieren und diese in Erinnerung zu behalten.

Natürlich ist bei einem neuen Arbeitgeber nicht immer alles perfekt und natürlich tendieren vor allem ehemalige Mitarbeiter dazu, ihren Frust in Onlinebewertungsportalen zum Ausdruck zu bringen. Andererseits nutzen natürlich auch die Arbeitgeber die Plattformen, um sie mit eigenen motivierten Mitarbeiterbewertungen zu frisieren.

Natürlich ist bei einem neuen Arbeitgeber nicht immer alles perfekt und natürlich tendieren vor allem ehemalige Mitarbeiter dazu, ihren Frust in Onlinebewertungsportalen zum Ausdruck zu bringen. Andererseits nutzen natürlich auch die Arbeitgeber die Plattformen, um sie mit eigenen motivierten Mitarbeiterbewertungen zu frisieren.

Somit sollte man ganz objektiv an solche Bewertungen herangehen. Ein Arbeitgeber, der nur 5-Sterne-Bewertungen vorweist, sollte einen ebenso hellhörig machen wie einer, der mit nur 3,0 Sternen umherdümpelt. Überzeugend wären realistische Bewertungen zwischen 3,8 und 4,2 Sternen.

Neben dem Studium der relevanten Onlinebewertungen und deren objektiver Einschätzung ist eine Recherche über einen potenziellen Arbeitgeber im eigenen Netzwerk in jedem Fall empfehlenswert. Man sollte also im Vorfeld lieber auf eigene Kontakte, die man in dem Unternehmen evtl. kennt, zugehen. Besteht bisher noch kein persönlicher Kontakt zu diesem Unternehmen, sollte man weitere Informationen über das Unternehmen im Internet recherchieren. Neben der Website und Presseberichten, die größtenteils natürlich vom Unternehmen marketinggerecht aufbereitet wurden, bieten sich hier auch Informationen über das Management sowie die persönlichen Gesprächspartner, die z. B. im Einladungsschreiben erwähnt sind, an. Es ist schon erstaunlich, wie viel man über das Internet über eine einzige Person erfährt, wenn man die richtigen Stichpunkte eingibt. Infos über Mitgliedschaften in Sportvereinen, Auszeichnungen während des Studiums, Teilnahme an Marathonläufen, nebenberufliche Tätigkeiten etc. Durch diese Informationen findet man mehr über die Personen heraus, die in dem Unternehmen arbeiten. Da Personaler die Onlinerecherche oft nutzen, um mehr über ihre Bewerber herauszufinden, sollten Sie sich die Mühe ebenfalls machen, mehr über die Persönlichkeiten zu erfahren, mit denen Sie später eventuell zusammenarbeiten werden. Über gemeinsame Hobbys oder Interessen Bescheid zu wissen, führt möglicherweise eher zu Sympathiepunkten bei den Personen, mit denen man letztlich im neuen Unternehmen zu tun haben wird, als das Lesen von Onlinebewertungen von Leuten, die man nicht kennt.

Letztlich aber sollte man jedem Unternehmen die Chance geben, sich im Rahmen des Bewerbungsprozesses zu präsentieren, genauso wie man selbst die Chance nutzt, als Bewerber einen guten Eindruck zu hinterlassen. Natürlich kann man die Punkte, die einem in Onlinebewertungsportalen (mehrfach) negativ aufgefallen, auch sachlich zur Sprache bringen und abwarten, wie das Unternehmen dazu Stellung nimmt. Erst wenn Ihnen umfangreiche persönliche Eindrücke über das Unternehmen vorliegen, sollten Sie beurteilen, ob die Kultur und die Arbeitsbedingungen zu Ihnen passen und sich ein Jobwechsel lohnt. Wer selbst mal seinen Arbeitgeber bewerten will, sollte zuvor auf seine eigene Stimmung achten. Denn auch die eigene Einstellung zum Arbeitgeber kann über die Jahre variieren.

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