Interview mit Andrea Hendrickx, Country Head Germany bei Infosys

Women in Tech: „Eine vielfältigere und ausgewogenere Teamstruktur kann nur von Vorteil sein“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Andrea Hendrickx, Country Head Germany bei Infosys.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Andrea Hendrickx

Andrea Hendrickx ist Country Head Germany bei Infosys. In ihrer Position ist sie für die Bereiche Delivery und Operations verantwortlich sowie für die Branding- und Talent-Strategie in Deutschland. Vor ihrer Zeit bei Infosys war Andrea Hendrickx in der Versicherungsbranche, der IT-Unternehmensberatung und bei Capgemini tätig, wo sie verschiedene Positionen inne hatte. Andrea Hendrickx verfügt über umfassende Expertise in den Bereichen gewinnbringendes Wachstum, Margenverbesserung, Strategie, Projekt- und Personalmanagement, Global Delivery sowie IT Service Management.

Was hat Dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mein Interesse an Technologie begann bereits während meiner Schulausbildung mit ersten Programmierkursen. Wir programmierten mit Pascal und Cobol. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mit Enthusiasmus dabei war. Mein erster Computer lief unter DOS und als 1995 Windows 3.1 veröffentlicht wurde, war das eine komplett neue Art, mit Rechnern zu arbeiten.

Wie verlief Dein Weg bis zum jetzigen Job?

Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und auch einige Zeit im Ausland verbracht. Nach mehreren Jahren als Projektleiterin bei einem deutschen Versicherungsunternehmen schaffte ich den Sprung in die IT-Welt und blickte nie wieder zurück. Meine neue Karriere in der IT begann mit einer Tätigkeit bei Debis Systemhaus, gefolgt von Capgemini, wo ich 19 Jahre verbrachte. Im Jahr 2019 kam ich zu Infosys – als Country Head für Deutschland. Dies ist eine neue Herausforderung für mich und bis jetzt war jeder einzelne Tag herausfordernd und spannend zugleich.

Hast Du ein Vorbild?

Es gibt eine Reihe von Männern und Frauen, die mich während meiner gesamten Karriere inspiriert und gecoacht haben oder meine Mentoren waren. Eine der faszinierendsten Frauen, die mich immer wieder beeinflusst hat, ist Jane Goodall. Sie glaubte immer an ihre Träume und verfolgte sie, egal wie unmöglich sie damals erschienen. Und sie erfüllte sie sich.

Welche Hindernisse musstest Du überwinden?

Das Leben selbst stellt einem Hindernisse in den Weg – und zwar uns allen. Wir müssen immer bereit sein, mit dem Unvorhergesehenen und diesen Hindernissen umzugehen. Nicht alles wird immer in die Richtung gehen, die wir uns wünschen. Nicht jeder wird uns unterstützen und unser Wachstum sichern. Wir sollten aber uns selbst oder unsere Träume nicht aufgeben. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Auch ich lebe mit und wachse durch Herausforderungen und werde alles tun, damit sich meine Träume zu erfüllen.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Seitdem ich Infosys in Deutschland leite, ist kein Tag wie der andere – das ist es, was mir am meisten Spaß macht. Covid hat seinen Teil der Herausforderungen hinzugefügt, aber seit Beginn der Pandemie haben wir es erfolgreich geschafft, 99 Prozent unserer weltweiten Belegschaft in die Lage zu versetzen, von zu Hause aus zu arbeiten. Gleichzeitig konnten wir aber auch die Geschäftskontinuität unserer Kunden gewährleisten.

Im IT-Bereich zu arbeiten, bedeutet: Unser Kerngeschäft ist, die Zukunft einzuführen und zu überlegen, wie Leben, Ausbildung und Arbeit mit Technologie als Motor aussehen werden. Meine Hauptaufgabe und gleichzeitig Hauptherausforderung besteht darin, immer einen Schritt voraus zu sein. Währenddessen müssen wir einen reibungslosen Betrieb gewährleisten, der die Erwartungen unserer Kunden übertrifft. Wir müssen aber auch danach streben, der Arbeitgeber der Wahl für unsere Mitarbeiter zu sein. Das bedeutet regelmäßige Treffen mit Kunden und Mitarbeitern, um die Marktbedürfnisse von morgen zu verstehen und zu erfahren, was ihnen Kopfschmerzen bereitet. So sieht mein tägliches Leben aus, wenn ich als Botschafter für ein wirklich großes und globales Unternehmen arbeite.

Hast Du selbst etwas entwickelt?

Von meinem ersten Kurs in Pascal bis hin zur Umstrukturierung von Infosys Ltd. in Deutschland habe ich sehr viele Projekte und Programme geleitet und keines war wie das andere. Für mich ist der größte Erfolg, wenn sich die Umsetzung des Projekts für alle Beteiligten natürlich anfühlt, so dass sich niemand mehr an die Zeit vor dem Rollout erinnern möchte und sich alle Beteiligten fragen, warum man so lange gebraucht hat, um zu erkennen, dass diese Veränderung notwendig war.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Wir müssen Mädchen frühzeitig ermutigen, jede Arbeit in Betracht zu ziehen, die sie interessiert.

IT war eine männlich dominierte Domäne, seit der erste Computer entwickelt wurde. Unsere Gesellschaft hatte eine Art und Weise, Karrieren in männliche und weibliche Berufe aufzuspalten. Dies hat sich aber bereits deutlich geändert. Schauen Sie sich zum Beispiel die Krankenpflege an, heute im Vergleich zu vor 20 Jahren. Heute steigen immer mehr Frauen in den IT-Bereich ein, aber das Verhältnis ist noch lange nicht ausgeglichen. Wir müssen Mädchen frühzeitig ermutigen, jede Arbeit in Betracht zu ziehen, die sie interessiert. Wir müssen ihnen zeigen, dass Frauen sehr erfolgreiche Karrieren in der Technologie-Branche haben.

Ich bin stolz und glücklich, dass Infosys eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen hat und dass Vielfalt und Integration ein Schwerpunkt des Unternehmens ist.

Welche Klischees sind Dir in Bezug auf „Women in Tech“ schon begegnet?

Ich empfehle jedem, den Weg zu gehen, der ihm am Herzen liegt.

Alle Jobs sind aus unterschiedlichen Gründen herausfordernd und die Menschen werden auf klischeehafte und veraltete Denkweisen treffen. Ich empfehle jedem, den Weg zu gehen, der ihm am Herzen liegt. Stereotypen können genutzt werden, um Hindernisse zu überwinden und Barrieren zu durchbrechen. Damit lässt sich der eigene Weg finden. Wenn Menschen an sich selbst glauben und mit ihren Teams zusammenarbeiten, werden sie Erfolg haben.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen in STEM arbeiten würden?

Sie müssen bedenken: Ungefähr die Hälfte der Technologie-Nutzer sind Frauen. Stellen sie sich vor, um wie viel frauenfreundlicher IT-Produkte wären, wenn mehr Frauen an der Entwicklung und Herstellung dieser Produkte beteiligt wären. Eine vielfältigere und ausgewogenere Teamstruktur kann nur von Vorteil sein – unabhängig von der Branche.

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Echte Vielfalt bedeutet nicht nur, dass Frauen ihren Beruf wählen können, sondern dass jeder dazu in der Lage ist.

Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Jungen und Mädchen muss von Anfang an die Einstellung vermittelt werden, dass sie jeden Beruf ergreifen können, den sie sich wünschen. Echte Vielfalt bedeutet nicht nur, dass Frauen ihren Beruf wählen können, sondern dass jeder dazu in der Lage ist. In Deutschland müssen wir IT-Schulungen sowohl früher als auch umfassender anbieten: Sie sollten bereits im Kindergarten oder in der Grundschule beginnen. Wir brauchen begeisterte Informatik-Lehrerinnen. Wir brauchen Vorbilder, die junge Frauen inspirieren und ermutigen, eine Karriere in der Technologie-Branche einzuschlagen.

Tipps & Tricks

In der IT zu arbeiten, bedeutet wirklich, die Zukunft der Welt aktiv mitzugestalten […]

Ich möchte alle ermutigen, die Möglichkeiten auszuloten, die die Technologie-Branche ihnen bietet – und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen. Es ist einer der aufregendsten Bereiche, in denen man arbeiten kann. Nichts ist statisch, Innovation ist Teil der Tagesordnung und die Arbeit in der IT bedeutet, mit hoch qualifizierten, klugen und enthusiastischen Experten an den aufregendsten Projekten zu arbeiten – von denen einige buchstäblich die Welt verändern. In der IT zu arbeiten, bedeutet wirklich, die Zukunft der Welt aktiv mitzugestalten – es gibt nicht viele Jobs, die das übertreffen.

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