Interview mit Diana Blaum, Growth Lead für den Remote Campus bei Ironhack.

Women in Tech: „Wir kennen unseren Wert und das sollte unser Arbeitgeber auch.“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Diana Blaum, Growth Lead für den Remote Campus bei Ironhack.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Diana Blaum

Diana startete ihre Karriere in ihrem Dualen Studium im Programm der Siemens Professional Education und an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management, an der sie Internationales Management studierte und dort ihren Bachelor-Abschluss machte. Den praktischen Teil des Studium verbrachte sie bei Atos Unify, einem Hersteller von Kommunikationstools. Anschließend setzte sie an der Maastricht University School of Business and Economics noch ihren Master obendrauf. Nach ihrem Studium wechselte Diana zu Google und arbeite sich dort hoch bis zur Shopping Account Managerin für Zentraleuropa. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Amazon als Advertising Sales Managerin ist Diana nun Growth Lead bei Ironhack, einer der besten Gobal Tech Schools.

Wie entstand dein Interesse für die Tech-Branche?

Tatsächlich gibt es da keinen einschlagenden Moment, der mir direkt einfällt. Es war ein schleichender Prozess, der mein Interesse immer weiter wachsen ließ. Letztendlich war es aber vermutlich das Ende meines Masterstudiums und die Frage nach dem nächsten richtigen Schritt. Ich beschäftigte mich mit verschiedenen Unternehmen als Arbeitgeber und fasste den Mut, mich bei Google zu bewerben. Während dieser Zeit fing ich auch mit meinem ersten Coding-Kurs an der Stanford University an und lernte die Basics von Machine Learning. Seitdem nimmt das Interesse immer weiter zu, weil ich die Angst vor Tech verloren habe.

Zu Beginn meiner Karriere war ich noch in einem ganz anderen Feld unterwegs und startete mit einem Dualen Studium bei Siemens und arbeitete danach auch noch ein Jahr dort im Partner Management. Ohne meinen damaligen Chef wäre ich heute wohl auch nicht hier. Er ermutigte mich, Siemens zu verlassen, und nochmals ein Master Studium in Innovation anzuschließen. Und genau da begann mein Weg in der Tech-Branche.

Die Balance dient mir als große Unterstützung bei der Ideenfindung im Job, aber auch um mich einfach mal zu erden,

Ich bewarb mich nach dem Master bei verschiedenen Tech-Unternehmen, und startete bei Google. Dort verbrachte ich dann drei Jahre in unterschiedlichen Tech-Sales-Rollen und zuletzt in der Google Shopping-Organisation. Im Februar 2020 wechselte ich dann in eine weitere Tech-Sales-Rolle bei Amazon Advertising. Ich war nur irgendwann nicht mehr zufrieden im Sales-Bereich eines Tech-Unternehmens, weil ich das Gefühl hatte, ich liefere keinen Mehrwert für die Menschen generell.

Nach langem Überlegen habe ich mich dann für eine Rolle bei Ironhack entschieden, statt zu einem weiteren großen Unternehmen zu gehen. Bei Ironhack verantworte ich nun das Wachstum für Ironhack Remote. Die Mission des Unternehmens liegt mir immens am Herzen: Wir wollen das Lernen von Coding revolutionieren und unsere Studenten durch dreimonatige Bootcamps für einen Job im Tech-Bereich ideal vorbereiten. Nach dem Bootcamp helfen wir unseren Absolventen dann auch ihren ersten Job in der Tech-Branche zu finden. Und das machen wir jeden Tag aufs Neue und die Geschichten unserer Studenten machen mich stolz, ein Teil dieses Unternehmens zu sein.

Gibt es Personen, die dich unterstützt haben?

Meine Freunde und Familie sind immer meine größten Unterstützer gewesen. Viele meiner Freunde sind Ex-Kollegen von Google und mir hilft es in meiner aktuellen Rolle natürlich auch immer sehr, mit ihnen offene Diskussionen über den Markt, Wachstumsmöglichkeiten und die Personas für unser Produkt zu führen.

Auf der anderen Seite bietet meine Familie mir den Ausgleich, da sie in anderen Branchen arbeiten. Fast alle, aber mein kleiner Bruder hat sich nun auch für einen der Tech-Riesen entschieden. Die Balance dient mir als große Unterstützung bei der Ideenfindung im Job, aber auch um mich einfach mal zu erden, wenn ich wieder zu viel zu schnell erreichen möchte.

Hat man Dir im Laufe deiner Karriere je Steine in den Weg gelegt?

Ich hatte zum Glück nie bewusst das Gefühl, dass mir jemand Steine in den Weg legen will. Jedoch gab es immer mal Erfahrungen, die mir das Gefühl gegeben haben, dass Leute in höheren Positionen oder aber auch in ähnlichen Positionen mit mehr Erfahrung, mich als zu jung, zu unerfahren und einfach als “Mädchen” gesehen und zum Teil auch so behandelt haben. Mit der Zeit trifft es einen nicht mehr so sehr, man lernt eher darüber hinweg zu schauen. Die Einstellung, dass meine Arbeit mir am Ende Recht geben wird, hat mir da oftmals sehr geholfen.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Zur Zeit arbeite ich als Growth Lead für den Remote Campus bei Ironhack. Jeder Tag sieht tatsächlich anders aus. Das liegt zum einen daran, dass wir natürlich immer wieder Bootcamps haben, die bald starten und auf die ich mich dann im Zeitraum davor konzentriere. Auf der anderen Seite ist die fundamentale Frage jeden Tag, wie ich es schaffe, Ironhack Remote zu den Leuten zu bringen, die womöglich über einen ersten Schritt im Tech-Bereich nachdenken. Meist beschäftige ich mich also mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten, da Kursgebühren nicht im Weg stehen sollten, mit Marketingaktivitäten und der Suche nach neuen Hiring-Partnern, die unsere Studenten als mögliche Jobinteressenten interviewen möchten. Das größte Thema zuletzt war die Zertifizierung durch die Bundesagentur für Arbeit, die wir nun für unsere Ironhack-Remote-Kurse erhalten haben. Das lag uns ganz besonders am Herzen, um Leuten in der Arbeitslosigkeit oder auch in Kurzarbeit einen Karrierewechsel mit unserer Hilfe anbieten zu können, ohne dass sie selbst dafür bezahlen müssen.

Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Unsere Karriere ist meist von unseren persönlichen Zielen abhängig und diese wiederum von unseren Einflüssen und den externen Erwartungen. Meiner Meinung nach ist genau das der Knackpunkt: die Ziele, die wir als Frauen haben, werden von der Gesellschaft meist frühauf mitbestimmt und da werden wir nicht allzu oft mit einer Tech-Karriere konfrontiert. “Das ist doch eher was für Jungs”, hört man oft. Und das ist schade, aber ich finde es gut, dass immer mehr Frauen öffentlich zeigen, wie genial ein solcher Werdegang sein kann. Für mich persönlich ist es hilfreich, Frauen wie Vera Schneevoigt, CDO von Bosch, und Aya Jaff zu verfolgen. Beide motivieren ihr Publikum, Sachen einfach auszuprobieren, seinen eigenen Weg zu finden, und sich selbst immer wieder zum Lernen zu motivieren.

Ehrlich gesagt, sehe ich in der Tech-Branche dieselben Herausforderungen und Hindernisse wie auch in allen anderen. Es fängt von der offensichtlichen Pay Gap an bis hin zu Benachteiligungen in Beförderungen. Vielleicht muss man sich als Frau besonders in Coding-Berufen zu Beginn in einem neuen Job nochmals mehr beweisen als die männlichen Kollegen. Letztendlich können wir nur immer wieder für uns selbst und füreinander einstehen. Wir kennen unseren Wert und das sollte unser Arbeitgeber auch. Aber das ist unsere Aufgabe.

Diese Denkweise zu überwinden, hat mich nun zu Ironhack und in eine Rolle gebracht, die mit meinen persönlichen Werten übereinstimmt.

Ich sehe da auch ein Problem in zwei übergeordneten Klischees für Frauen in der Tech-Branche. Zum Einen ist es die noch immer vorherrschende Idee, dass Frauen ganz einfach schlechtere technische Fähigkeiten mitbringen. Dieses Klischee resultiert meiner Meinung nach aus strukturellen Problemen in unserem Bildungssystem, in welchem Geschlechtsunterschiede manifestiert werden. Zum Anderen sind technische Berufe eine männliche Domäne in unserer Gesellschaft. Die daraus resultierenden Probleme sind offensichtlich: Frauen entscheiden sich erst sehr spät und nur selten für einen Karrierewechsel in diesen Bereich und andererseits schrecken viele auch davor zurück, in eine zu männlich dominierte Domäne zu gehen. Zusammenfassend führen alle Klischees, denen wir in diesem Bereich begegnen, zu dem Effekt der Bedrohung durch Stereotypen, welche die Entwicklung hin zu mehr Diversität durch Frauen im Tech-Bereich behindert.

Dabei helfen mehr Frauen in der Tech-Branche nicht nur, verschiedene Perspektiven in den jeweiligen Berufen zu bekommen, sondern sie tragen auch dazu bei, ein Ende der nötigen Diskussion um mehr Diversität durch Frauen schneller zu erreichen.

Letztendlich wird es dadurch nur schneller normal, auch mal eine Frau am Schreibtisch neben dir sitzen zu haben. Es wird für junge Mädchen normal sein, Vorbilder für sich selbst zu finden, die nicht in der Modebranche, im Marketing oder als Models arbeiten, sondern halt eben erfolgreich in “Jungs-Bereichen” sind. Und das ist für mich der große Unterschied. Wenn wir jetzt mehr Frauen im Tech-Bereich haben, werden wir den Weg ebnen für die nächste Generation an schlauen, zielstrebigen und interessanten Frauen. Wir nehmen sie sozusagen an die Hand, und das ist die Welt, wie ich sie mir wünsche.

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Da kommt es darauf an, aus welcher Perspektive wir sie betrachten. Sei es rein basierend auf meinen Erfolgen, dann ist es der Moment, als Philipp Schindler mich vor der gesamten EMEA Belegschaft von Google für mein Customer Engagement ausgezeichnet hat.

Persönlich gesehen, ist es der Moment, als ich mich in 2020 von meinem Ego distanziert hatte, welches natürlich als erstes wieder zu einem großen Namen in der Branche wollte. Diese Denkweise zu überwinden, hat mich nun zu Ironhack und in eine Rolle gebracht, die mit meinen persönlichen Werten übereinstimmt. Das ist mein persönlicher Moment.

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Du musst kein Mann sein, um in der Tech-Branche erfolgreich zu sein.

Das ist eine Frage, die sich so gar nicht beantworten lässt. Mehr Diversität erreichen wir nicht durch mehr Frauen in den Tech-Berufen, das ist nur ein Bruchteil des großen Ganzen. Bis es für Unternehmen normal ist, nicht nur eine Frauenquote erfüllen zu wollen, sondern es auch ganz natürlich ist, auch Menschen mit Behinderungen, Migrationshintergrund, ungewöhnlichem Äußeren etc. einzustellen, wird es noch viel zu lange dauern. Ich durfte bei Google selbst miterleben, wie gut es für ein Team ist, nicht nur Leute von ähnlichen Unis, ähnlichen familiären Hintergrund und ähnlichem Auftreten einzustellen. Die Perspektiven, die ich erfahren durfte, haben mir geholfen selbst Unterschiede schätzen zu lernen und auch aktiv zu suchen, um mich, nun auch Ironhack und mein Umfeld wachsen zu lassen.

Tipps & Tricks

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr es schafft? Fangt einfach an, probiert euch aus, und lernt, Fehler zu lieben. Das Einzige, was uns meist zurückhält, unsere Träume im Job, aber auch im Privaten, zu verfolgen, ist die Angst, dass wir am Ende einen Fehltritt wagen. Traut euch. Du musst kein Mann sein, um in der Tech-Branche erfolgreich zu sein. Du musst nur lernen wollen, deinen Wert kennen, und die richtige Firma mit den richtigen Aufgaben für dich finden. Die Möglichkeiten, sich in der Tech-Branche zu verwirklichen, sind endlos.

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